Pferde-Seuche

In Burggen ist ein Fall von infektiöser Anämie bei einem Pferd aufgetreten. Die Krankheit ist nicht auf den Menschen übertragbar. Aber das Pferd muss getötet werden.

Vor einem Jahr hatte die Pferdebesitzerin, die noch ein weiteres Tier besitzt, das Tier in Rumänien gekauft – alles ordnungsgemäß, wie Konrad Renner, Veterinäramtsleiter in Weilheim, betont. Doch laut bayerischem Gesundheitsministerium gibt es in Rumänien Gebiete, in denen die Seuche fest verwurzelt ist. Dort hatte sich offenbar auch das Pferd der Burggenerin angesteckt, ohne dass es bemerkt wurde.

Doch zuletzt hatten sich im Bundesgebiet die Fälle von infektiöser Anämie gehäuft. Die Krankheit tritt eigentlich nur sporadisch auf, doch plötzlich gab es innerhalb der vergangenen vier Wochen mehrere Fälle in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz – und Bayern. Im Freistaat waren Pferdehöfe in den Regionen Main-Spessart, Würzburg und Tirschenreuth betroffen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Bei der Überprüfung der Fälle stellte sich die Verbindung zu Rumänien heraus – offenbar wurde die Seuche von dort eingeschleppt.

Deshalb forderte das Ministerium alle Veterinärämter am 20. September auf, eine von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung übermittelte Liste aller aus Rumänien stammenden Pferde zu überprüfen. „Von den geschätzt 10 000 bis 20 000 Tieren im Landkreis war das genau eines“, so Renner – und das erwies sich als Treffer. Am Mittwoch vergangene Woche wurde das Tier, das keine Symptome der Krankheit zeigte, untersucht und Blut abgenommen. Am Montag bestätigte das Landesamt für Gesundheit: Das Pferd ist tatsächlich erkrankt. „Der Betrieb wurde sofort gesperrt, und nachdem auch der Endbefund durch das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems positiv war, musste die Tötung des Tieres angeordnet werden“, sagte Renner. Es handele sich um ein normales Reitpferd in klassischer Hobbyhaltung. „Die Besitzerin ist natürlich am Boden zerstört“, so der Veterinäramtsleiter. Sie hoffe jetzt, dass ihr anderes Pferd gesund ist. Dessen Blut werde derzeit untersucht, ein Ergebnis soll am Dienstag vorliegen.

„Wir hoffen, dass der Fall glimpflich abgeht“, sagte Renner. Denn es habe kein Kontakt zu anderen Pferdehaltern bestanden, und ganz so einfach sei die Krankheit nicht übertragbar. Dennoch verbreitete sich die Nachricht über die Seuche wie ein Lauffeuer: „Wir haben sehr viele Anfragen bekommen, ein Pferd ist eben für die Besitzer etwas Besonderes.“ Das Veterinäramt wird unmittelbare Kontakttiere untersuchen und rät allen Pferdehaltern im Gemeindebereich Burggen, dasselbe zu tun. Ob das Burggener Pferd tatsächlich der einzige Rumänien-Import im Landkreis ist, kann Renner aber nicht sagen: „Hundertprozentige Sicherheit hat man da nicht.“ Es könnten also noch weitere ungeahnte Fälle in den Ställen schlummern.

Stichwort „Infektiöse Anämie“

-Die infektiöse Anämie ist eine virusbedingte Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe. Es ist nur für Einhufer (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras), nicht aber für andere Tierarten infektiös. Auch auf den Menschen ist es nicht übertragbar. Einmal infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger und potentielle Virusausscheider, auch wenn sie keinerlei Krankheitserscheinungen erkennen lassen. Diese „stummen“ Virusträger stellen für die Verbreitung der Erkrankung eine große Gefahr dar.

-Direkte Kontaktinfektionen von Tier zur Tier sind äußerst selten. Hauptüberträger sind blutsaugende Insekten (Bremsen, Stechmücken und Stechfliegen). Die zur Infektion notwendige Virusmenge wird dabei wohl nur durch mehrmaliges Stechen des Virusträgers und -empfängers erreicht.

-Der Zeitraum vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten von Krankheitsanzeichen (Inkubationszeit) schwankt zwischen einigen Tagen und sechs Wochen. Äußere Krankheitsanzeichen sind: Fieber bis 42°C, Appetitlosigkeit, Schwäche, Zittern, schwankender Gang, angelaufene Gliedmaßen bzw. Flüssigkeitsansammlung am Unterbauch oder Schlauch und dadurch bedingte Schwellungen, Abmagerung, Konditionsverlust, gelbe bis blasse Schleimhäute, punktförmige Blutungen auf den Schleimhäuten. Das Fieber tritt in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. In den fieberfreien Zeiten können die infizierten Pferde völlig unauffällig erscheinen, so dass die Erkrankung meist erst spät erkannt wird. Sie führt früher oder später zum Tod des Tieres.

-Einen Impfstoff gibt es nicht, auch keine Behandlungsmöglichkeit, es bleibt nur die Tötung infizierter Pferde sowie Quarantänemaßnahmen des Bestandes. Wichtig sind Hygienemaßnahmen wie unter anderem Sauberkeit im Stall, Vermeiden vom gemeinsamen Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten und regelmäßige Entfernung von Pferdeäpfeln und Mist.

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