“Ja”, “Nein”, oder auch egal – die Frage nach der Spendenbereitschaft erhält jeder Bürger bald regelmäßig per Post ins Haus. Die Parteien sind sich diesmal einig.
Im Wesentlichen war die Neuregelung der Organspende schon seit Monaten klar, nun einigten sich die Parlamentarier im Bundestag auf letzte Details: Jeder Erwachsene in Deutschland wird künftig regelmäßig per Brief aufgefordert, sich für oder gegen eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden.
Angesichts des drastischen Organmangels soll diese grundlegende Reform die geringe Zahl der Spender spürbar und schnell erhöhen. Einen Zwang zur Entscheidung soll es nicht geben.
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Nach mehr als 15 Jahren Debatte mit vielen Rückschlägen erzielten Spitzenvertreter und Fachpolitiker aller im Bundestag vertretenen Fraktionen sowie die Bundesregierung jetzt den Durchbruch. Sobald der geplante Gruppenantrag im Sommer Gesetz geworden ist, sollen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Menschen schriftlich nach ihrer Spendenbereitschaft fragen.
Ablauf einer Organspende
Ehe jemand als Spender infrage kommt, müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Dieser tritt ein, sobald im Großhirn, im Kleinhirn und im Hirnstamm keinerlei Aktivität mehr gemessen werden kann. Damit die Organe nicht geschädigt werden, muss der Spender künstlich beatmet werden.
Wenn geklärt ist, dass Organe entnommen werden dürfen, wird der hirntote Spender auf Tumorerkrankungen und Infektionen untersucht. Das soll sicherstellen, dass der Empfänger eines Organs nicht gefährdet wird.
Die Daten des Spenders werden an die europäische Vermittlungsstelle “Eurotransplant” geschickt. Hier wird auf den Wartelisten nach passenden Empfängern gesucht.
Anschließend werden dem Verstorbenen die Organe entnommen, die er bereit war zu spenden. Der Leichnam wird dann für eine Aufbahrung vorbereitet und kann bestattet werden.
Die Organe werden gekühlt und verpackt und an ihren Bestimmungsort gebracht. Sie werden mit dem Krankenwagen transportiert oder in dringenden Fällen auch per Flugzeug ausgeflogen.
Zustimmung
Wer in Deutschland nach dem Hirntod seine Organe spenden möchte, muss einer Entnahme ausdrücklich zustimmen. Das ist am einfachsten mit einem Organspendeausweis möglich. Darin kann jeder festlegen, ob er generell mit einer Organ- und Gewebespende einverstanden ist oder auch nicht. Die Bereitschaft lässt sich aber auch einschränken: Wer etwa nicht möchte, dass sein Herz entnommen wird, kann dies auf dem Ausweis vermerken.
Wenn ein möglicher Spender zu Lebzeiten nichts verfügt hat, wird nach seinem Tod mit den Angehörigen gesprochen und gefragt, ob sie einer Spende zustimmen.
In Österreich und Belgien gilt eine Widerspruchslösung: Hier zählt jeder von Geburt an als Organspender. Wer gegen eine Entnahme von Gewebe und Organen ist, muss dies ausdrücklich erklären. Allerdings wird auch in diesen Ländern immer auch mit den Angehörigen gesprochen und geklärt, ob Einwände gegen die Spende bestehen.
Gesetzeslage
In Deutschland regelt seit 1997 das Transplantationsgesetz die Organspende sowohl für Spenden während des Lebens als auch nach dem Tod. Wer zeitlebens etwa eine Niere spenden will, muss volljährig sein und über alle Risiken aufgeklärt werden. Ein Organ kann allerdings nur Verwandten, Ehegatten, Lebenspartnern oder engen Freunden gespendet werden.
Organe dürfen nur in den deutschlandweit gut 40 Transplantationszentren übertragen werden. Wer als Empfänger infrage kommt, ist auf einer Warteliste vermerkt. Bei jedem Organ wird geprüft, wer es am dringendsten benötigt und bei wem die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung am größten erscheinen. Dabei ist es unabhängig, ob eine Person arm oder reich, berühmt oder der Öffentlichkeit unbekannt ist.
Das Gewebegesetz ergänzt das Transplantationsgesetz und regelt unter anderem die Entnahme von Knochen, Knorpeln, Augenhornhäuten und Herzklappen.
Der Handel mit Organen ist nach dem Gesetz verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Abgeschwächte Strafen gelten für den Verkauf und Erwerb von Produkten, die aus Gewebe und Organen hergestellt worden sind.
Man kann dann die Bereitschaft erklären (Ja), sie verneinen (Nein) oder das Anschreiben einfach wegwerfen. Auch die Bereitschaft, nur bestimmte Organe zu spenden, soll man erklären können, zudem soll man bestimmte Organe ausdrücklich ausschließen können. Die Erklärung soll wie bisher auf einem Organspendeausweis aus Papier dokumentiert werden.
Erste Post bis Mitte 2013
Wenn dies technisch möglich ist, soll die Entscheidung auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können. Diesen Eintrag sollen die Versicherten selbst an Terminals etwa beim Arzt vornehmen. Sie sollen das aber auch ihren Ärzte oder ihrer Krankenkasse überlassen können.
Der erste Schwung an Aufforderungen soll binnen eines Jahres bis Mitte 2013 verschickt sein. Dann sollen die Bürger den jetzigen Planungen zufolge ab Mitte 2015 und dann im Weiteren alle zwei Jahre auf dieselbe Weise nach ihrer Spendebereitschaft gefragt werden.
“Jeder Organspender ist ein Lebensretter”, warb Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) für das neue Verfahren. Wichtig sei aber: “Kein Zwang”. Die Zahl der Organspender solle steigen. Dazu sei die Politik gegenüber den rund 12.000 Patienten auf den Wartelisten verpflichtet. “Uns ist wichtig, dass mit der Post die Diskussion auch in die Familien getragen wird”, sagte die Grünen-Fachpolitikerin Elisabeth Scharfenberg.
“Wir wollen die Menschen deutlich öfter mit dem Thema Organspende konfrontieren”, sagte der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. Sie hoffe, dass damit die Bereitschaft deutlich steigt, sagte die SPD-Expertin Carola Reimann.
Bisher nur durch eigene Initiative
Parallel soll das bereits auf den Weg gebrachte Transplantationsgesetz den Bundestag passieren. Damit soll in den Kliniken die Organentnahme vorangetrieben werden. Kritiker der Zustände in deutschen Krankenhäusern halten dies für eine Zunahme an Spenderorganen für noch wichtiger als die Reform zur Entscheidung.
Heute müssen die Menschen ihre Bereitschaft zur Spende aus eigener Initiative erklären – per Organspendeausweis oder gegenüber den Angehörigen. Fast 70 Prozent der Menschen sind laut Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Aber nur weniger als 20 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Spendeausweis dokumentiert.
Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation hatte die Zahl der Organspenden 2010 einen Rekordwert erreicht, ist aber im vergangenen Jahr wieder deutlich zurückgegangen. 2011 spendeten etwa 1.200 Menschen nach ihrem Tod Organe – 7,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
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…solange ich nicht bestimmen kann wohin meine Spende geht.
Und vor allem nicht, solange dieses System asozial ist. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis eine Organhadel AG (plus Staatlicher Förderung) die dicken Geschäfte macht.
Sofort der erste Kritiker da mit irrationalen Argumenten. Worauf basieren Sie bitte die Behauptung, dass Organhandel in naher Zukunft legalisiert werden sollte? Das Ziel dieser Gesetzesänderung ist es, mehr Menschen dazu zu bringen, ihren Willen zur Organspende (70% würden da zustimmen laut Statistiken, einen Ausweis haben bisher nur 20%) in eine gesetzlich verwertbare Form zu bringen. Dadurch sollen mehr Organe verfügbar sein. Würde nicht ein (in Deutschland zu Recht verbotener) Handel mit Organen unter dieser “Angebotsschwemme” leiden, um mal wirtschaftlich zu bleiben in einem Bereich, wo Wirtschaftlichkeit nicht das oberste Ziel sein sollte.
Und was Ihren ersten Punkt angeht: Es ist gut, dass die Spenden anonym sind. Die nach verschiedenen Scores aufgelisteten Patienten auf den Wartelisten sollen Organe nach Dringlichkeit und bestmöglichem Nutzen bekommen, und nicht nach persönlichen Sym- und Antipathien der Spender. Sonst könnte ja auch jemand daher kommen und sagen, meine Organe kriegt kein Schwarzer, oder kein Moslem, oder kein Schwuler, oder keine Frau… Für derartige Kleingeister in in diesem sensiblen Thema kein platz.
Und warum genau ist das System (welches genau?) doch gleich “asozial”?
Sofort der erste Kritiker da mit irrationalen Argumenten. Worauf basieren Sie bitte die Behauptung, dass Organhandel in naher Zukunft legalisiert werden sollte? Das Ziel dieser Gesetzesänderung ist es, mehr Menschen dazu zu bringen, ihren Willen zur Organspende (70% würden da zustimmen laut Statistiken, einen Ausweis haben bisher nur 20%) in eine gesetzlich verwertbare Form zu bringen. Dadurch sollen mehr Organe verfügbar sein. Würde nicht ein (in Deutschland zu Recht verbotener) Handel mit Organen unter dieser “Angebotsschwemme” leiden, um mal wirtschaftlich zu bleiben in einem Bereich, wo Wirtschaftlichkeit nicht das oberste Ziel sein sollte.
Und was Ihren ersten Punkt angeht: Es ist gut, dass die Spenden anonym sind. Die nach verschiedenen Scores aufgelisteten Patienten auf den Wartelisten sollen Organe nach Dringlichkeit und bestmöglichem Nutzen bekommen, und nicht nach persönlichen Sym- und Antipathien der Spender. Sonst könnte ja auch jemand daher kommen und sagen, meine Organe kriegt kein Schwarzer, oder kein Moslem, oder kein Schwuler, oder keine Frau… Für derartige Kleingeister in in diesem sensiblen Thema kein platz.
Und warum genau ist das System (welches genau?) doch gleich “asozial”?
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Sofort der erste Kritiker da mit irrationalen Argumenten. Worauf basieren Sie bitte die Behauptung, dass Organhandel in naher Zukunft legalisiert werden sollte? Das Ziel dieser Gesetzesänderung ist es, mehr Menschen dazu zu bringen, ihren Willen zur Organspende (70% würden da zustimmen laut Statistiken, einen Ausweis haben bisher nur 20%) in eine gesetzlich verwertbare Form zu bringen. Dadurch sollen mehr Organe verfügbar sein. Würde nicht ein (in Deutschland zu Recht verbotener) Handel mit Organen unter dieser “Angebotsschwemme” leiden, um mal wirtschaftlich zu bleiben in einem Bereich, wo Wirtschaftlichkeit nicht das oberste Ziel sein sollte.
Und was Ihren ersten Punkt angeht: Es ist gut, dass die Spenden anonym sind. Die nach verschiedenen Scores aufgelisteten Patienten auf den Wartelisten sollen Organe nach Dringlichkeit und bestmöglichem Nutzen bekommen, und nicht nach persönlichen Sym- und Antipathien der Spender. Sonst könnte ja auch jemand daher kommen und sagen, meine Organe kriegt kein Schwarzer, oder kein Moslem, oder kein Schwuler, oder keine Frau… Für derartige Kleingeister in in diesem sensiblen Thema kein platz.
Und warum genau ist das System (welches genau?) doch gleich “asozial”?
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- FranL.
- 01.03.2012 um
20:25 Uhr
Ich trage schon seit über einem Jahr einen “Nichtorganspenderausweis” mit mir herum, das ist Bekenntnis genug. Wer tatsächlich spenden will hat die Möglichkeit dies zu dokumentieren, liegt keine schriftliche Zustimmung vor bleiben die Organe im Körper, wo ist das Problem? Wie lange will man die Befragungen überhaupt durchführen? Wer mit “nein” oder “weiß nicht” antwortet wird regelmäßig mit Anfragen bombardiert, wer, wie offenbar gewünscht, mit “ja” antwortet bekommt nie wieder die Frage gestellt, denn er könnte sich ja wieder anders entscheiden?
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