„Tote Wildvögel melden“

Die Vogelgrippe ist zurück in Deutschland. Wie gefährlich die Seuche ist, erklärt Deutschlands oberster Tierseuchenexperte, Thomas Mettenleiter.

Herr Mettenleiter, ist die Vogelgrippe wieder zurück in Deutschland?

Thomas Mettenleiter: Wir sehen derzeit ein Vogelgrippegeschehen bei Wildvögeln in Deutschland im Norden entlang der Ostseeküste, aber auch im Süden am Bodensee. Dort haben auch Schweiz und Österreich Vogelgrippefälle gemeldet. Die Niederlande, Polen, Ungarn und Kroatien haben ebenfalls Infektionen mit dem hochpathogenen Vogelgrippevirus H5N8 festgestellt. Ein kleiner Putenbestand in Schleswig-Holstein ist ebenfalls betroffen.

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Fälle von Vogelgrippe, nicht nur in Asien auch in Europa, warum erreicht das Virus jetzt wieder Deutschland?

Der jetzt wieder aufgetretene Erreger vom Typ H5N8 wurde schon 2014 und 2015 in Europa nachgewiesen. Jetzt hat er sich möglicherweise etwas verändert, das untersuchen wir gerade. Da sich Influenzaviren aber ständig verändern, wäre das nicht unerwartet.

Was ist dieses Mal anders als bei der letzten großen Vogelgrippe-Welle in Deutschland vor zehn Jahren?

2006 hat das Virus vom Typ H5N1 zu einer Epidemie bei Wildvögeln geführt, jetzt ist es H5N8, also ein anderer Erreger. Beides sind Viren des hochpathogenen Typs, also stark krankmachend für Nutzgeflügel.

Wie groß ist die Gefahr für Menschen sich mit dem Virus anzustecken?

Bisher sind uns keine Infektionen des Menschen mit H5N8 bekannt. Im Gegensatz zu H5N1 ist H5N8 noch nie beim Menschen nachgewiesen worden.

Was raten Sie Bürgerinnen und Bürgern, kann man noch in den Zoo gehen oder Enten füttern?

Derzeit ist es wichtig, Funde von toten Wildvögeln, vor allem Wasservögel wie Enten oder Gänse an die örtliche Veterinärbehörde zu melden. Dann kennen die Behörden die Fundorte genau und können die notwendigen Untersuchungen einleiten. Enten füttern ist nach wie vor möglich.

Einige Umweltschützer sehen die eigentliche Quelle für die Grippe nicht bei den Wildvögeln, sondern bei der kommerziellen Geflügelhaltung, was sagen Sie dazu?

Das nahezu gleichzeitige Auftreten von H5N8 zunächst ausschließlich bei Wildvögeln in Kroatien, Polen, Ungarn, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden deutet klar auf ein primäres Seuchengeschehen im Wildvogelbereich in Europa hin, nicht im Nutzgeflügelbestand. Dies ähnelt der Situation von vor zehn Jahren mit der Wildvogelepidemie durch H5N1.

 

Geflügelpest: Erster Verdacht bei Nutzgeflügel

Die Geflügelpest in Schleswig-Holstein weitet sich nach Angaben des Umweltministeriums aus. Heute wurden erstmals Proben von verendeten Puten aus einer kleinen Geflügelhaltung positiv auf Vogelgrippe-Viren des Subtyps H5 getestet, teilte das Ministerium mit. Eine endgültige Feststellung der Geflügelpest durch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) stehe noch aus. Alle 18 Puten des Halters verendeten. Weitere Tiere des kleinen Betriebes müssen nun vorsorglich gekeult werden. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einer schlechten Nachricht. „Angesichts der hohen Aggressivität des Virus war eine solche Entwicklung aber zu erwarten“, sagte der Minister. Sie sei sehr besorgniserregend. Er unterrichtete bereits das Bundeslandwirtschaftsministerium über die Lage.

Stallpflicht im ganzen Land
Laut Umweltministerium hatte der Tierhalter seine Tiere nach Bekanntwerden des Geflügelpestverdachts bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein ausschließlich im Stall gehalten. Landesweit müssen Hühner, Gänse und alle anderen Geflügelarten im Stall oder einer Volière bleiben. Bei einer Gruppe toter Enten im Kreis Rendsburg-Eckernförde konnten Experten ebenfalls den Geflügelpest-Erreger H5N8 nachweisen. Die fünf toten Vögel lagen nach Angaben der Kreisverwaltung am Ufer der Schlei in der Gemeinde Fleckeby. Nach Schleswig-Holstein ist jetzt auch Mecklenburg-Vorpommern von der Vogelgrippe betroffen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) teilte mit, das besonders ansteckende Virus sei bei mehreren toten Wildvögeln im Raum Greifswald nachgewiesen worden. In Mecklenburg-Vorpommern und in Hamburg gilt von Montag an eine Stallpflicht. Auch mehrere Landkreise in Niedersachsen reagierten auf den Ausbruch und verhängten mit sofortiger Wirkung vorsorglich eine Stallpflicht.

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Vogelgrippe ist zurück in Deutschland

Die Vogelgrippe ist zurück in Deutschland: Für das Sterben von mehr als 200 Vögeln in Schleswig-Holstein ist das Virus H5N8 verantwortlich. Auch aus Süddeutschland und Nachbarländern wurden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Bisher sind nur Wasservögel und keine Geflügelbestände betroffen. Experten sind in großer Sorge und raten zur Vorsicht.

Eine gefährliche Form der Vogelgrippe ist in Schleswig-Holstein ausgebrochen. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erließ am Dienstag im ganzen Bundesland eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel. Betroffen sind rund 12 000 Geflügelhalter mit fast fünf Millionen Hühnern, Puten, Enten oder Gänsen. Dies sei ein harter Eingriff, sagte Habeck. «Aber der Ausbruch in einem Bestand hätte noch gravierendere Folgen.» Bei einem Befall müsste ein Bestand komplett gekeult werden. Auch aus Polen, Kroatien, Ungarn und am Bodensee wurden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang zwischen den Ausbrüchen gibt.

Im Kreis Plön in Schleswig-Holstein wurde bei toten Wildvögeln Vogelgrippe festgestellt. Das Veterinäramt richtete einen Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein.
Durch Zugvögel könnte die Verbreitung des Virus kaum mehr kontrollierbar werden Insbesondere an toten Reiherenten, aber auch Blässhühnern, Schwänen, Gänsen sowie Möwen an mehreren Plöner Seen wurde erstmals in Schleswig-Holstein der Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Das bestätigte das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Dienstag auf der Ostseeinsel Riems (Mecklenburg-Vorpommern).
„Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend“, sagte Habeck. Angesichts der akuten Vogelgrippe-Fälle in Polen, Kroatien, Ungarn und am Bodensee sehe er ein großes Krisenszenario. Es bestehe der Verdacht, dass es sich um den gleichen Erreger handeln könnte, auch wenn das Ergebnis vom Bodensee noch ausstehe. In Polen ist es der gleiche Erreger. Das polnische Veterinäramt schloss einen Zusammenhang zu den jüngst entdeckten Vogelgrippe-Fällen in Deutschland nicht aus. Das Ausbreiten des Virus durch Zugvögel sei nicht zu kontrollieren. Auf die Frage, ob er eine bisher nicht dagewesene Dimension der Vogelgrippe befürchte, antwortete Habeck: „Ja, die Sorge ist da.“

250 tote Vögel in mehreren Seen bei Plön
Es handelt es sich um eine Geflügel stark krankmachende Variante, die deswegen auch Geflügelpest genannt wird. Bei fast jedem untersuchten Kadaver sei das Virus festgestellt worden, ergänzte ein Experte des Ministeriums. Sämtliche zu untersuchenden Kadaver waren per Kurierdienst schnellstmöglich zum FLI gebracht worden.

Seit dem Wochenende wurden mehr als 200 tote Vögel im Großen Plöner See und angrenzenden Seen entdeckt. Am Dienstag bargen mit Mundschutz und Gummihandschuhen geschützte Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke etwa 50 weitere Kadaver. Die Situation ändere sich ständig, sagte ein Experte des Ministeriums. Die Entwicklung sei nicht absehbar. Sollten weitere Kadaver aus anderen Seen ebenfalls belastet sein, müssten die Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete ausgeweitet werden.
Für Menschen besteht wahrscheinlich keine Gefahr
Das Risiko für Menschen durch den H5N8-Erreger gilt als sehr gering.

„Infektionen des Menschen mit H5N8 Viren sind bislang nicht bekannt“, zitierte Habeck das Bundesinstitut für Risikobewertung. „Eine Übertragung des Erregers (H5N8) über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.“

Aus den Sperrbezirken dürfe 21 Tage und aus Beobachtungsgebieten 15 Tage Geflügel nicht gebracht werden. Auch der Handel in den Bezirken sei verboten. Die Bestände im Sperrbezirk müssen zudem regelmäßig untersucht werden. Außerdem müssen Proben genommen werden und es gelten strenge Maßnahmen etwa zu Stallhygiene und Desinfektion.
Aufstallungsgebot in ganz Schleswig-Holstein.

Das landesweite Aufstallungsgebot begründete Habeck damit, dass verschiedene Wildvogelarten betroffen sind, die nicht nur am Wasser bleiben. Der Geflügelwirtschaftsverband Schleswig-Holstein und Hamburg begrüßte das landesweite Aufstallungsgebot, „wenngleich diese Maßnahme kontinuierlich auf Basis der sich stets ändernden Risikoabschätzung überprüft werden sollte“.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) Schleswig-Holstein appellierte, Wildvögel nicht einseitig als Ursache in den Fokus zu rücken. „Die Erfahrungen bei den vergangen Fällen von Vogelgrippe haben gezeigt, dass die größten Infektionsherde häufig rund um die industriellen Geflügelhaltungen zu finden waren“, sagte Ole Eggers, Bund-Landesgeschäftsführer in Schleswig-Holstein. Die Übertragungswege müssten unvoreingenommen aufgeklärt werden.
Zuletzt traten im Winter 2014 Fälle der Vogelgrippe H5N8 in Deutschland auf. Damals waren vor allem Mastbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, aber auch in den Niederlanden betroffen. Als wahrscheinlichster Übertragungsweg wurden 2014 laut Bund die internationalen Handelsströme, insbesondere zu den Massentierhaltungsanlagen in Asien, identifiziert.

Küssen im Winter ist gefährlich

Insgesamt stecken sich jedes Jahr etwa 10 bis 20 Prozent der Deutschen an, und zwar quer durch alle Alterschichten, wobei nicht jeder Infizierte erkrankt. In den meisten Fällen wird die Influenza durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Viren werden beim Niesen, Sprechen, Husten, Küssen weitergegeben. Sie können sich für eine gewisse Zeit aber auch auf Kontaktflächen wie beispielsweise Türklinken halten und werden dann beim Händeschütteln übertragen.

Nachgewiesenermaßen fassen sich Menschen bis zu hundert Mal am Tag in ihr Gesicht, die Finger gelangen dabei an die Augen, die Nase, den Mund. Über die Bindehäute der Augen oder über die Schleimhäute der Nase und des Mundes wandern die Viren in den Mund-Rachen-Raum. Dort besiedeln sie die Zellen der Schleimhaut und vermehren sich in ihnen.

In diesem frühen Moment der Infektion fühlen sich die Betroffenen noch gar nicht krank. Dennoch sind sie schon ansteckend für ihre Mitmenschen. Sie bleiben es noch etwa drei bis fünf Tage lang, dann ist die Gefahr für andere vorüber.

Wer sichergehen will, dass er sich nicht mit einer Grippe ansteckt, sollte Menschenmengen meiden – oder ein paar einfache Hygieneregeln, etwa gründliches Händewaschen, beherzigen.

Einfallstor Flughafen: Forscher wollen Pandemien verhindern

Flughäfen sind faszinierende und geheimnisvolle Orte. Doch die Tore der Welt bergen auch Gefahren: Terroristen, Waffen und Viren können ins Land kommen. Um die Terroristen und die Waffen kümmern sich Polizei und Zoll. Doch was ist mit den Viren? Diesem Thema widmet sich seit Kurzem eine Forschungsgruppe am Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen an der TU Braunschweig.

Die Wissenschaftler unter Leitung der Architekten Wolfgang Sunder und Jan Holzhausen wollen Flughäfen dabei helfen, sich für den Ernstfall vorzubereiten. Dann etwa, wenn bei einer Pandemie ein Flugzeug mit einem oder gleich mehreren hochinfizierten Passagieren ankommt. „Dann muss es ein System geben, das in solchen Fällen anläuft“, sagt Holzhausen.

Entscheidend sei eine darauf ausgerichtete Infrastruktur, bei der sich ganze Bereiche schnell vom Rest des Flughafens abtrennen lassen. „Die Anforderungen sind dabei ähnlich wie an ein Krankenhaus, wo ja auch niemand weiß, wie ansteckend der Patient im nächsten Transport für andere ist.“

Pandemie – immer wenn an einem Ort dieser Welt ein Virus massiv zuschlägt, geht dieses Wort vielen schnell von den Lippen. Aber was ist das eigentlich? „Eine Pandemie ist eine sich schnell weiter verbreitende, ganze Landstriche, Länder und Kontinente erfassende Krankheit“, schreibt die Bundesärztekammer.

Vor zwei Jahren war die Angst davor in Europa besonders präsent. Damals raffte Ebola in einigen westafrikanischen Ländern innerhalb weniger Monate Tausende Menschen dahin. Es lässt sich darüber streiten, wie berechtigt diese Angst war und ist. In jedem Fall können sich Viren in einer vernetzten und globalisierten Welt leichter verbreiten als jemals zuvor.

„Flughäfen sind dabei natürlich stets ein besonders empfindlicher Ort“, sagt Dirk Brockmann vom Robert Koch-Institut in Berlin. Der Wissenschaftler hat Modelle entwickelt, mit denen sich Verbreitungswege von Infektionen über Flughäfen nachvollziehen lassen. „So können wir erkennen, welche Kontinente und Städte besonders gefährdet sind, je nachdem an welchem Ort der Welt sich infizierte Menschen in ein Flugzeug setzen“, sagt Brockmann.

So wütete etwa Ebola besonders heftig in den Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea. „Deshalb war die Importwahrscheinlichkeit an französischen und englischen Flughäfen, also in den Ländern der ehemaligen Kolonialmächte, besonders hoch“, sagt Brockmann.

Die Architekten in Braunschweig wollen mit ihrem Forschungsprojekt aber auch herausfinden, wie sich Erreger innerhalb der Flughäfen verbreiten. „Wie bewegen sich die Menschen und damit auch die Erreger durch das Gebäude? Wo sind die Risikozonen?“, erklärt Sunder. Dabei geht es ihnen nicht nur um die bauliche Beschaffenheit der Flughäfen. Mit im Boot sitzen neben weiteren Forschungsinstitutionen auch Reinigungsfirmen und Kunststoffhersteller.

H5N1 – die Vogelgrippe

Seit 1996 wird die Vogelgrippe international sehr aufmerksam beobachtet, auch von der Weltgesundheitsorganisation. Denn es besteht der Verdacht, dass die hochpathogene A-Variante des Virus auf den Mensch und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Damit wäre eine neuerliche Pandemie der Influenza zu befürchten.

In südchinesischen Provinzen brach die Vogelgrippe zuerst aus, etwa 40 Prozent des dortigen Federviehs waren infiziert. Damals infizierten sich auch 19 Menschen mit dem Virus, die Behörden reagierten mit einer Massentötung des gesamten Hühnerbestands. Dies wurde als Erfolg ausgewiesen.

Doch das Virus breitete sich ab 2005 massiv weiter aus, zunächst Richtung Osteuropa. In mehreren Wellen erreichte es 2006 Mitteleuropa. Danach gab es nur noch vereinzelte Vorkommen der Vogelgrippe in Europa. In den USA und in Kanada tauchte die Vogelgrippe 2015 erstmals auf.

Vor zehn Jahren erreichte die Vogelgrippe Überlingen

Das weiße Blatt war damals nur in Folie eingeschweißt und mit Kabelbindern am Ortsschild befestigt. Es war nur Makulatur, denn es wusste aus den Nachrichten ohnehin jeder, was passiert war: Vor zehn Jahren, am 24. Februar 2006, wurde bestätigt, dass eine in Überlingen aufgefundene Tafelente an dem Vogelgrippe-Virus H5N1 verendet war, sie hatte sich mit der gefährlichen Asia-Variante infiziert. Neun Tage nach dem Fund rückte damals die Feuerwehr aus und desinfizierte die östliche Promenade vor den Seeschulen. Bilder der Männer in den ABC-Schutzanzügen gingen um die Welt, besser hätte man die Gefahr der Vogelgrippe nicht darstellen können. Dabei sollten die Schutzanzüge nur vor den Dämpfen des Desinfektionsmittels schützen.

Die Vogelgrippe musste damals an den Bodensee kommen, das war klar. Die Vogelgrippe wird von Zugvögeln übertragen, nach dem Ausbruch der Grippe im Jahre 2005 in China war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zugvögel sie an den Bodensee importieren würden: Im Durchschnitt überwintern am Bodensee 100 000 Zugvögel. Der Bodensee lag damals im Bereich der dritten Ausbreitungswelle, die von Osteuropa über Griechenland kam. Anfang 2006 war es dann soweit, und plötzlich hatte niemand mehr Appetit auf Geflügel und Eier.

„Seit zehn Jahren haben wir kein Geflügel mehr“, sagt Wilfried Möcking. Er hat damals zwar schon vorausschauend reagiert und bereits im Jahr vor dem Ausbruch der Vogelgrippe sein Geflügel reingeholt und in Ställen untergebracht. Aber mit der Einrichtung der Drei-Kilometer-Sperrzone um Überlingen war er dann trotzdem direkt betroffen. Fortan konnte er sein Geflügel nicht mehr auf dem Überlinger Markt anbieten. „Wir haben unsere Geflügelzucht dann aufgegeben.“ Die Aufgabe des Federviehs war die eine Sache, aber wie ging es weiter? „Wir haben uns komplett umgestellt“, erklärt Möcking. Die Räumlichkeiten wurden anders verwendet, in den ehemaligen Stallungen kam die neue Hofbäckerei unter.

Das war eine richtige Entscheidung, wie sich langfristig herausstellen sollte. Denn auch heute noch, zehn Jahre nach Ausbruch der Vogelgrippe, gilt noch die Einstellungspflicht für Geflügel im Bereich von 800 Metern vom Uferbereich des Bodensees – Möckings Hof in Seefelden wäre heute direkt davon betroffen, wenn er noch Geflügel hätte. Stattdessen gibt es heute frisches Möcking-Brot auf dem Überlinger Bauernmarkt.

„Die Vogelgrippe gibt es immer noch“, so die Information von Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte in Radolfzell. „Es ist zwar ruhig hier, aber in Südostasien kocht das Thema noch.“ Der Ausbruch der Vogelgrippe basiert nach seinen Worten auf der Geflügelzucht, dem Transport und auch auf den Wildtieren. „Wie das allerdings genau zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar.“ Eine Trennung dieser drei Parameter ist schon ein sehr wirksames Mittel. „So wie wir leben, besteht keine Gefahr“, betont er. Auch die „vernünftige Anwendung der Regeln“ stellt eine wirksame Prävention dar, explizit nennt er die 800-Meter-Regelung entlang des Bodenseeufers.

Die betrifft nicht unbedingt den Neuhof von Uwe und Gerhard Plessing in Bambergen hinter Überlingen, der liegt deutlich im Hinterland, weit hinter der 800-Meter-Linie. Vor zehn Jahren hielten sie hauptsächlich Gänse. „Das war kritisch damals“, sagt Gerhard Plessing rückschauend, auch wenn sie damals nicht direkt betroffen waren, da sie nicht auf dem Überlinger Wochenmarkt vertreten waren. Die Plessings sind immer noch Geflügelzüchter, heute halten sie Puten. „Die Vogelgrippe ist für uns heute kein Thema mehr“, betont er. Auch gibt es keine besonderen Vorkehrungen mehr, die sie beachten und umsetzen müssten. Für das Federvieh haben sie schon vor langer Zeit eine Überdachung gebaut. „Unsere Vögel sind die ganze Zeit im Stall oder unter Dach. Von der Seite haben die kein Kontakt zu den Wildtieren“, erläutert Gerhard Plessing. So gesehen sind auch die Maßnahmen auf dem Neuhof ein wirksamer Schutz gegen die Vogelgrippe.

Pest-Erreger – Ein Skelett für die Wissenschaft

Aus einem bereits vor 50 Jahren in Süddeutschland geborgenen Skelett ist es nun erstmals gelungen, das Genom des Erregers der Justinianischen Pest vollständig zu rekonstruieren.

Das Forschungsteam um Johannes Krause und Michal Feldman vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena sowie Michaela Harbeck von der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München, hat damit eine Referenz geschaffen, die neue Einblicke in evolutionäre Schlüsselereignisse, Adaptionen und die Pathogenität eines Bakteriums erlaubt, das bis heute in vielen Teilen der Welt zu Pestausbrüchen führt.
Gesamte DNA isoliert

Die Justinianische Pest war die erste große historische Pest-Epidemie. Sie tötete zur Zeit des Byzantinischen Reichs bis zu 50 Millionen Menschen und trug möglicherweise zum Untergang des oströmischen Reiches bei. Bis heute sind die geografische Ausbreitung, die Mortalität und die Folgen der Justinianischen Pandemie nicht gänzlich geklärt.

Neuere archäogenetische Studien haben jedoch gezeigt, dass für beide Pest-Pandemien am Ende des 8. und im 14. Jahrhundert der gleiche Erreger, das Bakterium Yersinia pestis, ursächlich war.

Den Forschern ist es nun erstmals gelungen, die gesamte DNA des Bakteriums aus einem Skelett zu isolieren. Die betreffende Person war im 6. Jahrhundert im bayerischen Altenerding Opfer der Pest geworden. Das so gewonnene Genom datiert an den Anfang der Pandemie. Das Skelett wurde aus einem Reihengräberfeld in Altenerding-Klettham nahe München geborgen und seit der Ausgrabung vor 50 Jahren in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München (SAPM) verwahrt.

Vor der DNA-Analyse werden die Skelette dort morphologisch untersucht, dabei konnte der Anthropologe Bernd Trautmann feststellen, dass es sich bei dem Opfer um einen jungen Mann handelt, der gemeinsam mit einer jungen Frau in einem Grab bestattet wurde, weshalb die Vermutung nahe lag, dass sie Opfer einer schnell tötenden Infektionskrankheit wurden. Jetzt ist es Gewissheit, dass sie Opfer der Pest wurden.
Über 30 Mutationen

„Altenerding ist neben dem nur wenige Kilometer entfernten Gräberfeld Aschheim nun erst der weltweit zweite Fundplatz, auf dem der Erreger der Justinianischen Pest eindeutig nachgewiesen werden konnte“, sagt Andreas Rott, der zahlreiche Skelette aus Altenerding molekularbiologisch auf Pest prüfte, bevor er die DNA des Erregers gefunden hatte. „Wir freuen uns, dass wir nach der gelungenen Pest-Detektion in Aschheim, erneut die DNA von Yersinia pestis in unserem Sammlungsmaterial finden konnten“ sagt Michaela Harbeck.

Der erneute Fund des Erregers in Süddeutschland bestätigt, dass die Justinianische Pest weit über die historisch überlieferten Regionen hinausreichte und erlaubt neue Einsichten in die Evolutionsgeschichte von Yersinia pestis. „Damit wird das enorme Potenzial der Rekonstruktion von Genomen vergangener Pathogene demonstriert.

Diese bieten nicht nur Einsichten in historische Prozesse, sondern vertiefen auch unser Verständnis der Erregerevolution“, sagt Michal Feldman. Ein vor kurzem veröffentlichter Entwurf des Genoms der justinianischen Pest wird durch die neue Sequenz ergänzt und revidiert. „Wir konnten 30 zusätzliche Mutationen und strukturelle Umlagerungen identifizieren, die einzigartig für den Justinianischen Erregerstamm sind“, erklärt Studienleiter Johannes Krause. „Drei davon sind in Genen lokalisiert, die essenziell für die Virulenz des Bakteriums sind.“

Außerdem zeigen die Daten, dass der Erregerstamm genetisch deutlich diverser war, als ursprünglich angenommen.
Neue Richtlinien könnten folgen

Die neuen Erkenntnisse erlauben es den Autoren, neue Richtlinien zu entwickeln, die dabei helfen könnten, die Qualität und Authentizität genomischer Daten, die von potenziellen früheren Krankheitserregern gewonnen wurden, zu verbessern.

Mit der Rekonstruktion des kompletten Genoms ist es zudem gelungen, eine wichtige Referenz zu schaffen, mit deren Hilfe neue Einblicke in evolutionäre Schlüsselereignisse, Adaptionen und die Auswirkungen des Bakteriums auf den Menschen gewonnen werden können.

Das erscheint umso bedeutsamer, als auch heute noch die Pest in vielen Teilen der Welt zahlreiche Opfer fordert.

Für mögliche Influenza-Pandemie: Bayern wappnet sich

Bayern will sich für den Fall einer Pandemie durch ein neuartiges Grippevirus rüsten. Der Bayerische Influenza-Pandemie-Rahmenplan soll dahingehend überarbeitet werden, wie das Bayerische Gesundheitsministerium mitteilte.

Einfließen sollen vor allem die Erfahrungen der jüngsten Pandemie, der sogenannten Schweinegrippe. «Auch wenn die Pandemie 2009/10 weitgehend moderat verlief, dürfen wir die potenzielle Bedrohung durch ein neuartiges, pandemisches Grippevirus keinesfalls unterschätzen», sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Eine Influenza-Pandemie bezeichnet eine international um sich greifende Epidemie durch ein Grippevirus. Durch die große Zahl von Erkrankten kann in einem solchen Fall das Gesundheitssystem an seine Grenzen stoßen. Der bayerische Rahmenplan setzt die Regelungen, die im Nationalen Pandemieplan von Bund und Ländern getroffen wurden, für Bayern um.