Shortlink

Gesundheit- Analyse: Der Zusatzbeitrag ist noch nicht tot

In trauter Einigkeit mit Bahr verbreitete Kassenverbandschefin Doris Pfeiffer vor Branchenvertretern nüchterne Stimmung: Nur für 17 Tage reiche die Reserve. Die offiziellen Mahnungen haben einen ernsten Hintergrund: Schon bald könnte es ein neues Finanzloch bei der Krankenversicherung geben – wieder drohen Zusatzbeiträge mit ihren Problemen.

Die Kassenmanager mögen sich alles andere als beruhigt von der guten Finanzlage zeigen. „Das ist nur ein Zwischenhoch“, sagt Barmer-GEK-Chef Christoph Straub. Deutlich höhere Ausgaben und niedrigere Einnahmen werden den Gesundheitsfonds laut Straub 2013 unter Druck setzen. Die Ausgaben könne dieser dann wohl nicht zu 100 Prozent abdecken. Ähnlich sehen das Mitspieler auf dem Kassenmarkt wie die KKH-Allianz und die Betriebskrankenkassen.

Einige Monate nach der im neuen Jahr flächendeckend einsetzenden Schonfrist für die Versicherten dürfte der Streit um die Zusatzbeiträge wieder einsetzen. Die DAK und andere Kassen streichen sie nach gut zwei Jahren im Frühjahr wieder. Wenn Versicherungen wieder mehr Geld brauchen als sie aus dem Fonds bekommen, müssen sie den Aufschlag aber erneut erheben.

„Wir haben jetzt eine Regierung, die sagt: Bleiben wir im Amt, werden wir 2014 den Zusatzbeitrag flächendeckend einführen“, sagt KKH-Allianz-Chef Ingo Kailuweit. SPD und Grüne wollen die Konstruktion abschaffen. Die Extra-Aufschläge sollten und sollen den Wettbewerb um bessere Leistung fördern. Doch Kailuweit zieht eine vernichtende Bilanz nach den ersten Langzeit-Erfahrungen: „Viele Kassen sorgen sich wieder stärker um die Gesunden als um die Kranken. Das ist das Gegenteil von dem, was wir wollen.“

Woran krankt der Zusatzbeitrag? Der höchste Kassen-Aufseher der Republik, Maximilian Gaßner, Präsident des Bundesversicherungsamts, schreibt der Regierung ins Stammbuch: Die Mitgliederabwanderungen von Kassen mit dem Aufschlag seien größer als ökonomisch eigentlich gerechtfertigt. „Das liegt daran, dass der Zusatzbeitrag die ihm zugedachte Funktion als objektives Preissignal im Wettbewerb bisher nicht erfüllen konnte.“ Der direkt zu überweisende Betrag schreckt die Betroffenen eher ab als eine Beitragssteigerung, die man nur auf dem Lohnzettel sieht. Die Betriebskrankenkassen warnen schon vor neuen Kassenpleiten.

Kann etwas getan werden, damit das ungeliebte Instrument als Förderer des Wettbewerbs funktioniert? Strittig ist etwa, ob die Kassen nicht einen noch stärkeren Finanzausgleich untereinander brauchen. Versicherungen mit vielen Älteren und Kranken könnten so gleiche Startchancen im dann noch verbleibenden Wettbewerb um bessere Angebote bekommen.

Shortlink

Gesundheit: Fahndung nach Gründer der Silikonimplantat-Firma

Eine entsprechende „Red Notice“ – ein Steckbrief mit Fotos des 72-Jährigen Jean-Claude Mas – wurde auf Antrag Costa Ricas auf der Internetseite der Internationalen Polizeibehörde veröffentlicht. Als Delikt werden Vergehen in der Kategorie „Leben und Gesundheit“ genannt.

Die von Mas gegründete Firma Poly Implant Prothese (PIP) soll Silikon, das eigentlich in Matratzen eingesetzt wird, zur Herstellung von Brustimplantaten verwendet haben, die dadurch zu reißen drohen. PIP war 2010 pleitegegangen. Zuvor war der Firma die Vermarktung, der Vertrieb und die weitere Verwendung der Implantate untersagt worden.

Am Freitag hatte das französische Gesundheitsministerium in einer beispiellosen Aktion 30 000 Frauen eine vorsorgliche Entfernung der Billig-Implantate empfohlen. In Frankreich waren acht Krebsfälle nach gerissenen Implantaten bekanntgeworden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) riet betroffenen deutschen Frauen, „zur individuellen Risikoabwägung“ mit ihrem Arzt zu sprechen.

Shortlink

Gesundheit: Brustimplantat-Risse: Bundesinstitut warnt vor Panik – n

Donnerstag 22. 12. 2011, 10:34 Uhr

Bonn – In Frankreich ziehen Frauen wegen Brustimplantaten mit einem möglicherweise erhöhten Krebsrisiko vor Gericht. In Deutschland geben Experten vorsichtig Entwarnung. Es gebe keinen nachgewiesenen Zusammenhang.

Angesichts der Diskussion um ein mögliches Krebsrisiko durch Brustimplantate aus Frankreich warnt die zuständige Bundesbehörde vor Panik. In Deutschland seien 19 Fälle von Rissen in solchen Brustimplantaten bekanntgeworden, «aber diese Fälle stehen in keinerlei Zusammenhang mit einer Krebserkrankung», sagte der Sprecher des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Maik Pommer, mit Verweis auf eine frühere Erhebung. Wie viele Frauen in Deutschland Implantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèses (PIP) erhalten haben, sei dem Bonner Institut nicht bekannt.

In der Regel bekomme eine Frau nach einem solchen Eingriff einen Implantat-Pass mit Angaben zum Hersteller. «Verunsicherte Frauen sollten auf jeden Fall noch mal ihren implantierenden Arzt ansprechen», riet Pommer. Derzeit werde in Frankreich geprüft, ob es einen konkreten Zusammenhang beispielsweise zwischen gerissenen Implantaten und einer Krebserkrankung gebe. «In Deutschland sind uns jedoch keine Verdachtsfälle von Krebserkrankungen im Zusammenhang mit diesen Implantaten gemeldet worden.»

In Frankreich haben etwa 30 000 Frauen ein solches Implantat. Dort gab es acht Fälle von Krebserkrankungen bei Frauen, deren Implantate gerissen waren und sich durch den Körper verbreiteten. Das Gesundheitsministerium in Paris denkt nach Medien-Angaben vom Dienstag über eine Empfehlung nach, dass diese Frauen ihren Arzt konsultieren und die Brustimplantate möglicherweise entfernen lassen sollen.

Auch das französische Ministerium betonte, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den minderwertigen Implantaten und den Krebserkrankungen noch nicht hergestellt sei. Mehr als 2000 Frauen haben seit März 2010 in Frankreich gegen die defekten Implantate vor Gericht geklagt.

«Vielleicht ist es ein Krebsrisiko, das in diesem Umfang ohnehin bei einer so großen Gruppe von Frauen da ist», meinte Pommer. Oder es gebe eine bestimmte Gruppe von Frauen mit bestimmten Krebs-Risikofaktoren.

Auch die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen glaubt nicht, dass die PIP-Implantate für Deutschland sehr bedeutend sind. «Wir haben im April 2010 die Warnung an unsere Mitglieder weitergeleitet. Darauf haben sich zwei Chirurgen bei uns gemeldet, die mit PIP gearbeitet haben», sagte Chirurgen-Sprecherin Kerstin van Ark Zeitungen der WAZ-Mediengruppe.

Das bereits im März 2010 aufgelöste französische Unternehmen PIP soll wegen rückläufiger Umsätze mehr als sechs Jahre ein minderwertiges Silikon verwendet haben, wodurch etwa eine Million Euro pro Jahr eingespart worden sein sollen.

Quelle: n-tv.de /

Shortlink

DAK Gesundheit ab April 2012 ohne Zusatzbeitrag

DAK Gesundheit ab April 2012 ohne Zusatzbeitrag

Dienstag, 20. Dez 2011, 12:22

DAK, BKK Gesundheit und BKK Axel Springer werden fusionieren

Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) bereitet sich auf die Fusion mit den Betriebskrankenkassen BKK Gesundheit und der BKK Axel Springer vor. Der Zusammenschluss soll den drei Kassen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und mit hunderten Servicestellen und der BKK-Beratung ihre Versicherten zufriedenstellen. Mit rund 6,6 Millionen Versicherten soll die DAK Gesundheit mit Sitz in Hamburg nach der Barmer GEK und der Techniker Krankenkasse (TK) die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse werden. Dies wird auch die betroffenen Versicherten munter stimmen, denn auf den bisherigen Zusatzbeitrag aller drei Krankenkassen in Höhe von acht Euro wird mit Sicherheit zum 1. April des kommenden Jahres verzichtet.

Wahl des neuen Vorstands im Januar 2012

Wie DAK-Chef Herbert Rebscher gegenüber der “Ärzte Zeitung” mitteilte, werde der Vorstand der neuen Kasse erst Anfang Januar gewählt. Mit großer Wahrscheinlichkeit aber werde er Vorstandsvorsitzender der neuen DAK Gesundheit. Auch sein bisheriger Vize Claus Moldenhauer behalte vermutlich seinen Posten. Neu hinzu käme Thomas Bodmer, der bisher zusammen mit Udo Sennlaub den Vorstand der BKK Gesundheit bildet. Die BKK Axel Springer mit derzeit lediglich etwa 10.000 Mitgliedern werde dagegen nicht im Vorstand vertreten sein, heißt es weiter.

DAK Gesundheit: Ab April 2012 ohne Zusatzbeitrag


Die drei Krankenkassen wollen mit der Fusion, die “Vorteile der beiden Geschäftsmodelle” verknüpfen, so Rebscher. Das Ergebnis sei ein flächendeckender Service sowie die betriebsbezogene Beratung der Betriebskrankenkassen. Schließlich sei die DAK Gesundheit künftig in bundesweit 850 Servicezentren präsent und zugleich in vielen großen Unternehmen verankert. Momentan erheben noch alle drei Kassen einen Zusatzbeitrag von acht Euro. Damit soll aber bis zum 1. April 2012 Schluss sein. “Damit es keine Missverständnisse gibt: Das haben wir bereits ausgiebig mit der Kassenaufsicht besprochen, versichert Rebscher weiter.

Mögliche Überschüsse in Höhe von 350 Millionen Euro

Der Haushalt der neuen Kasse könne allerdings erst Anfang 2012 eingereicht werden. Die neue Kranekenkasse erwarte aber Überschüsse von etwa 350 Millionen Euro für das Jahr 2011. Der Zusammenschluss der drei Kassen war zunächst an den Unstimmigkeiten mit der BKK Gesundheit gescheitert. Noch im Juli 2010 hatten die Gremien der BKK Gesundheit der DAK abgesagt. Man wolle an der Eigenständigkeit festhalten, hieß es damals, ehe es dann doch zur Fusion zur DAK Gesundheit kam.

Shortlink

Gesundheit ist nicht das höchste Gut

Das Streben nach Gesundheit sei eine Ersatzreligion, mit der Menschen ihr religiöses Vakuum zu füllen suchen. Es gebe Menschen, die nur noch vorbeugend leben und nicht begreifen, dass Gesundheit nur eine Rahmenbedingung für das Leben ist, aber eben nicht das Leben selbst. Im Interview vertritt Manfred Lütz seine provokanten Thesen zur “Gesundheitsreligion” und deren Auswirkungen im Alltag.

Welt am Sonntag: Fördert Weihnachten die Gesundheit?

Manfred Lütz: Weihnachten ist ein christliches Fest, auch wenn das viele Menschen nicht mehr wissen. Es ist das Fest der Menschwerdung Gottes. Da geht es um unsere Erlösung und nicht um Gesundheit. Doch für viele ist heute Gesundheit das höchste Gut, und es gibt weichgespülte Christen, die meinen, man könne Gott näher kommen, indem man jedem Trend hinterherrennt. Die herrschende Gesundheitsreligion feiert ihre Hochämter bei Städtemarathons, die Fitnessstudios sind ihre Wallfahrtskapellen und Diätbewegungen ihre Bußübungen. Gesundheit zum zentralen Thema von Weihnachten zu machen ist absurd. Weihnachten ist ein Fest, und das muss man feiern. Ich jedenfalls esse zu Weihnachten besonders lecker und denke nicht an Kalorien.

Welt am Sonntag: Ein Unternehmen wirbt dieser Tage mit dem Slogan “Weihnachten wird unter dem Baum entschieden”. Was empfinden Sie bei diesem Text?

Manfred Lütz: Er zeugt von Kulturlosigkeit. Auf solche Ideen können nur ungebildete Werbefuzzis kommen. Wer mit einer im Grunde zynischen Botschaft Kasse machen will, schadet sich doch mittel- und langfristig nur selbst.


Welt am Sonntag: Sie haben von der Gesundheitsreligion gesprochen. Was genau verstehen Sie darunter?

Manfred Lütz: Die Menschen sind heutzutage sehr empfänglich für Ersatzreligionen, weil es ein religiöses Vakuum gibt. Die innere Leere versuchen sie dann mit Kunstprodukten zu füllen – zum Beispiel mit Buddhismus aus der Dose oder eben der Gesundheitsreligion. Wenn es keinen lieben Gott gibt und mit dem Tod alles aus ist, dann wird es hektisch im Leben. Mit allen Mitteln versucht man den Tod zu bekämpfen, denn der Tod ist der Todfeind der Gesundheitsreligion. Man versucht quasi das ewige Leben im Diesseits zu produzieren, was natürlich ein völlig aussichtsloses Projekt ist. Es ist höchst anstrengend, sehr kostspielig, sehr asketisch, und am Ende stirbt man leider doch. Freilich, auch wer gesund stirbt, ist definitiv tot. Wenn ein Wissenschaftler am 1. April in der Zeitung schreiben würde, dass man statistisch drei Monate länger lebt, wenn man täglich eine halbe Stunde um eine Eiche rennt, dann werden Sie bald keine Eiche mehr finden, um die nicht irgendein Idiot im Kreis läuft. Ich habe ein Buch geschrieben mit dem Titel “Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen”. Das bestätigt sich tagtäglich.

Welt am Sonntag: Und wenn man sein ganzes Leben im Fitness-Studio verbringt …

Manfred Lütz: … dann versäumt man viele lebenswerte Dinge. Man kann das mit einem Auto vergleichen, das ständig in der Reparaturwerkstatt steht. Dann kann man zwar nach 15 Jahren sagen, mein Auto ist immer noch wie neu, doch man ist eben auch nicht viel herumgekommen. Es gibt Menschen, die leben nur noch vorbeugend. Sie begreifen nicht, dass Gesundheit nur eine Rahmenbedingung für das Leben ist, aber nicht das Leben selbst. Um den Tod zu vermeiden, nehmen sie sich das Leben. Und sterben dann doch.

Welt am Sonntag: Wann ist ein Mensch gesund?

Manfred Lütz: Die WHO hat einmal definiert, Gesundheit sei völliges körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden. Nach dieser inzwischen revidierten Definition ist tatsächlich niemand gesund. Ich halte es da lieber mit Nietzsche. Der hat einmal gesagt: Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen. Heute herrscht jedoch ein geradezu utopischer Gesundheitsbegriff, der von dauerndem Wohlbefinden ausgeht. Die viel diskutierte Burn-out-Welle hängt damit zusammen, dass viele denken, man muss stets ausgeglichen und bestens gelaunt sein, immer gut schlafen und hochbelastbar sein. Und weil niemand offen über diese Dinge redet, denkt jeder für sich, er sei der Einzige, bei dem das nicht richtig funktioniere. Doch jeder Mensch hat irgendwelche Macken und Defizite, aber krank ist man deshalb noch lange nicht. Im Zweifel ist der Mensch gesund – auch wenn er vielleicht merkwürdig ist, wie Sie und ich. Das permanente Beobachten jedes Wehwehchens fördert nicht gerade die Lust am Leben. Wer sich immer nur um die Rahmenbedingungen des Lebens kümmert, der verpasst das Leben.

Welt am Sonntag: Es wird seit Jahren berichtet, dass die Zahl der psychisch Kranken zunimmt. Stimmt das?

Manfred Lütz: Die schweren psychischen Krankheiten wie Schizophrenie und schwere Depressionen haben nicht zugenommen. Bei den Suchtkrankheiten und Persönlichkeitsstörungen gibt es vielleicht etwas mehr Fälle als früher. Neuerdings aber gelten Leute als krank, die gar nicht krank sind. Man sollte eben nicht aus jeder Befindlichkeitsstörung eine Krankheit machen. Doch es gibt wirtschaftliche Interessen, neue Krankheiten auf den Markt zu bringen. Die Sakralisierung des Gesundheitsbegriffs einerseits und die utopische Unerreichbarkeit andererseits bilden eine höchst lukrative Gemengelage. Ein Ziel, das zwar das höchste ist, aber niemals erreicht werden kann, ist der neue Goldesel, sozusagen eine Gelddruckmaschine für die boomende Gesundheitsindustrie. Die Kostensteigerung im Gesundheitswesen hat meiner Meinung nach also letztlich religiöse Gründe. Die absurde pseudoreligiöse Aufladung des Gesundheitsbegriffs führt aber die Gesundheitspolitik in die Sackgasse, denn Politik ist die Kunst des Abwägens. Ein höchstes Gut können Sie aber gar nicht abwägen, dafür müssen Sie immer alles tun oder es wenigstens behaupten. Wer da als Politiker ernsthaft für irgendwelche Einschränkungen eintreten würde, wäre nicht mehr wählbar.

Welt am Sonntag: Und an dieser Situation würden Sie gerne etwas ändern?

Manfred Lütz: Ja, ich habe das Buch “Lebenslust” geschrieben, um eine Debatte anzustoßen. Gerade bei Ärzten treffe ich auf viel Nachdenklichkeit. Wer als Arzt noch alle Tassen im Schrank hat, der wird sich nicht zum Guru der Gesundheitsreligion machen lassen, denn er weiß, dass bei den quasireligiösen Heilswünschen der Menschen an die Hohenpriester der Gesundheitsreligion gilt: Bei Nichterfüllung wird der Arzt verklagt.

Welt am Sonntag: Haben Sie weitere Beispiele für die Auswirkungen dieses Denkens?

Manfred Lütz: Im Moment werden immer neue Süchte erfunden. Neulich habe ich gelesen, dass neun Prozent der Deutschen kaufsüchtig seien. Das führt doch zur völligen Auflösung des Suchtbegriffs. Der Psychiater Klaus Dörner aus Gütersloh hat einmal vorgeblich seriöse Zahlen über psychische Störungen in Deutschland ausgewertet und ausgerechnet, dass danach 210 Prozent der Deutschen psychotherapiebedürftig krank sein müssten. Dann müsste man neben jeden Deutschen einen Therapeuten stellen, und nach einem Jahr können Sie dann die Rollen wechseln, wenn das dann noch geht.

Welt am Sonntag: Viele wünschen sich gegenseitig für das neue Jahr vor allem Gesundheit.

Manfred Lütz: Ich nicht!

Welt am Sonntag: Das habe ich erwartet, doch was wünschen Sie?

Manfred Lütz: Ich wünsche den Menschen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr. Wenn man aller Welt ein “gesundes Neues Jahr” wünscht, dann ist das für chronisch Kranke eine Frechheit. Das Gleiche gilt für den Ausruf: “Hauptsache gesund!” Eine Leserin meines Buches “Lebenslust”, die von Geburt an herzkrank ist, hat sich bei mir bedankt. Wenn der gedankenlose Spruch “Hauptsache gesund” stimmen würde, dann hätte sie in ihrem Leben ja nie die Hauptsache erleben können. Doch sie freue sich ihres Lebens. Weihnachten ist eine sehr gute Gelegenheit dafür, sich zu überlegen, was wirklich wichtig ist im Leben. Mancher Krebspatient lebt intensiver und sinnvoller als jemand, der mit normalen Laborwerten durch sein Leben hechtet und am Ende gar nicht weiß, was er eigentlich gemacht hat.

Shortlink

Gesundheit: Der ungeliebte Obolus

Augsburg Der Aufschrei war groß, als die Bild-Zeitung vergangene Woche in Riesenbuchstaben fragte: „Neue Praxisgebühr: Kostet jeder Arztbesuch bald fünf Euro?“ Obwohl das Gesundheitsministerium sofort dementierte, es gebe in dem Ressort keinerlei Überlegungen für eine derartige Fünf-Euro-Gebühr, brauste über die Koalition eine Welle der Empörung hinweg.

Bei Gesundheitspolitikern der Union und FDP heißt es nun, das Fünf-Euro-Modell wolle niemand. Im Gegenteil, eigentlich würden viele die Praxisgebühr ganz abschaffen, nur weiß keiner, wie man die knapp jährlich zwei Milliarden Euro Einnahmen ersetzen soll, die das heutige Modell in die Kassen des Gesundheitssystems spült. Angeblich hat Kanzlerin Angela Merkel persönlich ein Veto gegen die Idee eingelegt, Milliardenüberschüsse der Krankenkassen als entsprechendes Wählergeschenk zu missbrauchen.


Union und FDP hatten es sich vor gut zwei Jahren in den Koalitionsvertrag geschrieben, die Regelung zu überprüfen, die von der damaligen SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bereits unter Rot-Grün eingeführt wurde. Ziel war es damals, die Zahl der Arztbesuche und damit auch Kosten zu senken. Doch laut Statistiken gehen die Deutschen heute genauso oft zum Arzt wie im Jahr 2003. Und Ärzteverbände klagen über den hohen bürokratischen Aufwand bei der Einziehung der Gebühr und der Verfolgung säumiger Kunden.

Auch die SPD kann mit ihrer Erfindung nichts mehr anfangen. Ihr heutiger Gesundheitsexperte Karl Lauterbach war als Wissenschaftler schon bei der Einführung gegen die Gebühr. Seiner Meinung nach schreckt der Pflichtobolus Geringverdiener vor sinnvollen Arztbesuchen ab und treibe gleichzeitig Gutverdiener in die Hände der Privatversicherungen, weil sie sich ärgern, trotz hoher Gehaltsabzüge nochmals beim Arzt zur Kasse gebeten zu werden. Zudem sagte Lauterbach schon damals voraus, dass die Praxisgebühr die Zahl der Arztbesuche auch nicht mehr dämpfen werde als die üblichen Wartezeiten.

Zwar könnte laut Wissenschaftlern eine Fünf-Euro-Gebühr pro Arztbesuch tatsächlich Patienten vor überflüssigen Arztbesuchen abschrecken. Doch in Koalitionskreisen gilt dieses Modell als ausgeschlossen. „Die Fünf-Euro-Idee ist kein Beitrag zur Entbürokratisierung“, betont etwa der FDP-Gesundheitsexperte Lars Lindemann.

Ursprünglich kam der Fünf-Euro-Vorschlag vergangenes Jahr vom CDU-Politiker Josef Schlarmann im Sommerloch. Damals wies Philipp Rösler als FDP-Gesundheitsminister den Vorstoß mit den Worten zurück: Zusätzliche Belastungen für Patienten seien für die Koalition „kein Thema“.  »Leitartikel Seite 2

Shortlink

Gesundheit: Schluss mit dem Rauchen – Diese Tricks helfen – n

Mittwoch 14. 12. 2011, 09:41 Uhr

Berlin (dpa/tmn) – Viele Raucher würden lieber heute als morgen vom Glimmstängel loskommen. Die meisten haben bereits erfolglos versucht, aufzuhören. Als Vorsatz fürs neue Jahr werden viele es sich wieder vornehmen. Doch die Entwöhnung ist nicht leicht – hier einige Tipps.

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist einer der häufigsten Neujahrsvorsätze. «Jeder weiß, dass Rauchen ungesund ist, und so gut wie jeder Raucher hat schon mal versucht, damit aufzuhören. Das fällt aber vielen schwer, weil Nikotin körperlich abhängig macht», sagt Andreas Kiefer von der Bundesapothekerkammer in Berlin. Rezeptfreie Arzneimittel mit Nikotin können bei der Entwöhnung helfen. Sie reichen aber nicht aus, um vom Glimmstängel dauerhaft weg zu kommen.

Ist das Rauchen an bestimmte Situationen gekoppelt, etwa nach dem Essen, sollte man neue Rituale finden, zum Beispiel nach dem Essen die Zähne putzen. Ist das Verlangen nach der Zigarette an Schlüsselreize wie Kaffee gebunden, hilft es, in der ersten Zeit auf ein anderes Getränk umzusteigen. Wird das akute Verlangen zu groß, helfen drei «A-Tipps». Erstens: aufschieben und zehnmal tief durchatmen. Ausweichen, zum Beispiel den Raucherbereich im Bahnhof meiden. Drittens: ablenken, zum Beispiel jemanden anrufen. Statt einer Zigarette kann man auch einen Lutscher in den Mund nehmen.

Beim Rauchen wird durch Nikotin das Belohnungszentrum im Gehirn innerhalb weniger Sekunden aktiviert. Der Raucher fühlt sich kurzzeitig wacher und gleichzeitig entspannt. Aber nach einiger Zeit entsteht eine körperliche Abhängigkeit: Ohne die regelmäßige Dosis Nikotin entstehen Entzugssymptome wie Unruhe oder Reizbarkeit. Um diesen unangenehmen Empfindungen aus dem Weg zu gehen, stecken sich viele Aufhörwillige dann die nächste Zigarette an. Die rezeptfreien Nikotinersatzmittel können die körperlichen Entzugssymptome mildern. «Sie sind nur für eine Übergangszeit gedacht», sagt Kiefer. Je nach Rauchverhalten sind verschiedene Arzneiformen wie Kaugummis, Tabletten, Pflaster oder Inhaler geeignet.

Kaugummis bieten sich vor allem für Raucher an, die zu bestimmten Gelegenheiten geraucht haben. Die Kaugummis werden langsam gekaut, bis ein pfeffriger Geschmack im Mund entsteht. Anschließend werden sie in der Wangentasche geparkt, bis der Geschmack nachlässt. Dieser Wechsel wird eine halbe Stunde lang wiederholt. Nikotinpflaster eignen sich eher für Raucher, die regelmäßig über den ganzen Tag geraucht haben. Die Pflaster sorgen für eine konstante Nikotinkonzentration im Blut, sie werden je nach Präparat nach 16 bis 24 Stunden entfernt.

Quelle: n-tv.de /

Shortlink

Gesundheit: Koalition denkt über Änderung der Praxisgebühr nach

Weil die Deutschen im internationalen Vergleich häufig zum Arzt gehen, wird in der Koaltion über Änderungen bei der Praxisgebühr schon ab dem Jahr 2012 nachgedacht. Überlegungen, Geld pro Arztbesuch zu verlangen, kommen aber nicht aus dem Gesundheitsministerium, wie ein Sprecher von Minister Daniel Bahr (FDP) am Samstag zu einem Bericht der “Bild”-Zeitung  sagte. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery forderte einen Verzicht auf die Gebühr.

Koalition hatte Reform vereinbart

Union und FDP hatten bei ihrem Regierungsantritt vor zwei Jahren im Koalitionsvertrag vereinbart, über eine Reform der Praxisgebühr zu sprechen. Die “Bild”-Zeitung berichtete nun unter Berufung auf  Koalitionskreise, Bahr wolle ab Frühjahr 2012 Alternativen zur  derzeitigen Ausgestaltung prüfen. Eine Möglichkeit sei auch die  Einführung einer Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch. Bahrs Sprecher  betonte indes, in der Koalition sei über die Reform der Gebühr noch  nicht gesprochen worden.


Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexperte Lars  Lindemann sagte “Bild”, die jetzige Praxisgebühr habe “keinerlei  steuernde Funktion”. Deshalb müssten 2012 Alternativen geprüft  werden. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer sagte dem  Blatt, “der Effekt, die Zahl der Arztbesuche zu dämpfen”, sei mit der jetzigen Gebühr nicht erreicht worden. Deshalb werde eine “unbürokratischere, bessere Lösung” geprüft.

“Fünf Euro machen mehr Sinn”

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sagte der “Bild”-Zeitung , fünf Euro pro Besuch machten “mehr Sinn als die jetzige Gebühr”.  Der Sozialexperte Thomas Drabinski brachte sogar eine  Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten von bis zu zehn Prozent  ins Gespräch. Das seien in der Regel fünf bis zehn Euro pro  Arzttermin. Auch der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert  Klusen, sagte, “als Steuerungsinstrument für weniger Arztbesuche  ist die Praxisgebühr gescheitert”. Sie spüle aber immerhin jährlich  rund 2,8 Milliarden Euro ins Gesundheitssystem.

Montgomery: “Keinerlei Steuerungsfunktion”

Der Präsident der Bundesärztekammer, Montgomery, sagte der  Tageszeitung “Die Welt” (Montagsausgabe): “Die Praxisgebühr hat  keinerlei Steuerungsfunktion, sondern verursacht nur höhere  Bürokratiekosten als sie Einnahmen bringt.” Die Ärzte begrüßten es  deshalb, dass die Koalition die Praxisgebühr jetzt auf den  Prüfstand stelle, sagte Montgomery. Dem Vorstoß, bei jedem  Praxisbesuch künftig fünf Euro zu erheben, erteilte der  Ärztepräsident eine klare Absage: “Diese Lösung wäre Unsinn und  würde noch mehr Bürokratie bedeuten.” Wenn die Koalition die  Eigenverantwortung stärken wolle, sollte sie nicht beim Patienten,  sondern beim Versicherten ansetzen, etwa über eine Ausweitung von  Wahltarifen.

Derzeit müssen alle gesetzlich versicherten Patienten ab 18  Jahren eine Praxisgebühr von zehn Euro bezahlen, wenn sie das erste  Mal in einem Quartal zu einem Arzt, Zahnarzt oder Psychotherapeuten  gehen. Die Gebühr soll die Patienten auch von überflüssigen  Arztbesuchen abhalten. (afp)

Shortlink

Gesundheit: Koalition will Praxisgebühr reformieren


Berlin (dpa) – In den Koalitionsfraktionen von Union und FDP wird über eine Reform der Praxisgebühr nachgedacht, da sie nicht die erhoffte Steuerungswirkung hat.

Möglich wäre etwa, statt der zehn Euro pro Quartal künftig bei jedem Arztbesuch eine Gebühr zu erheben, wie die «Bild»-Zeitung berichtete. Die Zeitung zitiert Gesundheitsökonomen, wonach eine solche Gebühr dann bei bis zu fünf Euro liegen könnte.

Anzeige

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums machte klar: «Überlegungen, die Praxisgebühr pro Arztbesuch zu erheben, stammen nicht aus dem Bundesgesundheitsministerium. Die Koalition hat über dieses Thema noch nicht beraten.» Allerdings steht im schwarz-gelben Koalitionsvertrag, dass die Praxisgebühr überprüft werden soll. Sollte also ein entsprechender Vorstoß aus den Koalitionsfraktionen kommen, wird das Ministerium prüfen.

Die «Bild»-Zeitung hatte unter Berufung auf Koalitionskreise geschrieben, Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) plane, ab Frühjahr 2012 Alternativen zur derzeitigen Ausgestaltung zu prüfen. Der FDP-Abgeordnete und Gesundheitsexperte Lars Lindemann sagte der Zeitung zur Begründung: «Die jetzige Praxisgebühr hat keinerlei steuernde Funktion.»

Die Überlegungen, pro Arztbesuch eine Gebühr zu verlangen, gehen dem Vernehmen nach auf die Union zurück. Der CSU-Abgeordnete Johannes Singhammer erklärte: «Der Effekt, die Zahl der Arztbesuche zu dämpfen, ist mit der jetzigen Gebühr nicht erreicht worden. Deshalb werden wir prüfen, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ob wir eine unbürokratischere, bessere Lösung finden.»

Der Duisburger Gesundheitsökonom Jürgen Wasem regte eine Gebühr von fünf Euro an. «Fünf Euro pro Besuch macht mehr Sinn als die jetzige Gebühr», sagte er der Zeitung. Der Kieler Sozialexperte Thomas Drabinski brachte eine Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten von bis zu zehn Prozent ins Gespräch. Das seien in der Regel fünf bis zehn Euro pro Arzttermin.

Auch der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, unterstützt das Reformvorhaben der Koalition. «Als Steuerungsinstrument für weniger Arztbesuche ist die Praxisgebühr gescheitert», sagte Klusen der Zeitung. Sie spüle jährlich aber rund 2,8 Milliarden Euro ins Gesundheitssystem.

Allerdings wird bezweifelt, dass eine Erhebung der Gebühr pro Arztbesuch mehr Steuerungswirkung erziele, zumal sie erst im Nachhinein erhoben werde. Dar Haupteffekt wären wohl Mehreinnahmen im Gesundheitssystem. Die Krankenversicherung aber hat derzeit kein Geldproblem, denn sie wies zuletzt Überschüsse aus.

Anzeige

Shortlink

Gesundheit: Gesetz zur PID tritt in Kraft

Grund ist eine fehlende Rechtsverordnung. „Jetzt gilt es, die Rechtsverordnung in möglichst kurzer Zeit auf den Weg zu bringen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Ulrike Flach (FDP), der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Sie betreffe die Voraussetzung für die Zulassung der Zentren, in denen PID durchgeführt werden darf, die Qualifikation der Ärzte, die Zusammensetzung der entscheidenden Ethikkommissionen sowie die Ausgestaltung einer Zentralstelle für die Dokumentation der durchgeführten PID-Fälle.

Der Bundestag hatte im Juni der PID-Zulassung in einer großen Debatte ohne Fraktionsdisziplin zugestimmt. Anträge nach einem weitreichenden Verbot und einem Verbot mit kleineren Ausnahmen hatten eine Mehrheit verfehlt. Das Gesetz tritt nun 14 Tage nach der Ausgabe des entsprechenden Bundesgesetzblatts in Kraft.

„Die Entscheidung zur PID war ein zweifacher Erfolg“, sagte Flach. Die Fraktionsgrenzen seien überwunden worden. Das Parlament sei sich mit großer Mehrheit einig gewesen, dass genetisch stark vorbelasteten Eltern mit Hilfe der PID die Möglichkeit gegeben werden sollte, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. „Die Zeit, in der Frauen eine Schwangerschaft auf Probe in Kauf nehmen mussten, obwohl in ihrer Familie schwere Krankheiten erblich sind oder aber immer wieder Totgeburten auftraten, ist endlich vorbei.“