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Gesundheit: Gesetzliche Kassen wollen niedrigere Preise beim Zahnarzt


Berlin (dpa) – Kunststoff-Füllungen, Kronen oder gar eine Brücke: Ein Besuch beim Zahnarzt ist oft nicht nur schmerzhaft, sondern wegen privater Zuzahlungen auch teuer.

Die gesetzlichen Krankenkassen möchten nun diesen privaten Teil der Zahnarzt-Abrechnung stärker kontrollieren. So soll verhindert werden, dass die Ärzte beim Eigenanteil der Patienten zu deren Lasten tricksen. Die Zahnärzte sperren sich jedoch gegen die Pläne. Auch das Gesundheitsministerium hält die derzeitige Regelung für ausreichend.

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Bisher ist es so: «Die Kassen bezahlen den Festzuschuss, aber die tatsächliche Rechnung, die der Patient für den privaten Anteil erhält, sehen sie nie», erklärte der Vizevorsitzende des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Johann-Magnus von Stackelberg, in der «Süddeutschen Zeitung». Wer mehr will als die Regelversorgung, etwa aufwendige Vollkeramik- statt Metallkronen, muss tiefer ins Portemonnaie greifen.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Viele Versicherte klagen darüber, dass es zu teuer ist.» Der Verwaltungsbeirat des Spitzenverbandes hat Ende März beschlossen, eine Änderung der Abrechnungskontrolle abzustreben, um Tricksereien zu verhindern.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums müssten Zahnärzte den Kassen bereits jetzt vor der Behandlung eine Aufstellung der Kosten vorlegen – nicht jedoch danach. «Wir halten die derzeitige Regelung aber für ausreichend», sagte ein Sprecher. Das Ministerium prüfe den Kassen-Vorschlag zwar. Er machte aber zunächst wenig Hoffnung auf eine Gesetzesänderung.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, unterstützte den Kassen-Vorstoß hingegen. «Es gibt enorme Preisunterschiede für vergleichbare Leistungen», erklärte er. «Einige Zahnärzte kassieren ihre Patienten systematisch ab.»

Lanz sagte: «Wenn die Krankenkassen regelmäßig erfahren würden, was mit den Rechnungen passiert, dann würden die Zahnärzte sich zweimal überlegen, ob in dem konkreten Fall wirklich eine höhere Rechnung angemessen ist.»

Die Kassen wollen die Abrechnung der Zahnärzte aber nicht nur prüfen, sondern auch neu regeln – mit einen eigenen Preiskatalog für die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten. «Wenn wir die Preise mit den Zahnärzten aushandeln würden, dann würde es bestimmt billiger, als wenn ein Versicherter alleine in der Arztpraxis mit dem Zahnarzt sitzt und ihm faktisch ausgeliefert ist», sagte Lanz.

Neben dem Gesundheitsministerium wandten sich auch die betroffenen Ärzte gegen das Vorhaben: «Bereits jetzt ist es ja so, dass die Abrechnung immer nach verschiedenen staatlichen Gebührenordnungen stattfindet», sagte der Vizevorsitzende des Freien Verbandes der Zahnärzte, Reiner Zajitschek, der Nachrichtenagentur dpa. Patienten könnten im Zweifel mit der Rechnung zur Krankenkasse oder zum Verbraucherschutzverband gehen.

Auch die Bundeszahnärztekammer kritisierte die Pläne: «Gesetzliche Kassen bezuschussen nur von ihnen festgelegte Grundleistungen – dadurch gegebenenfalls nötig gewordene Zuzahlungen können nicht den Medizinern angekreidet werden», sagte Kammer-Präsident Peter Engel.

GKV-Spitzenverband zum Festzuschuss

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Gesund bleiben bis ins hohe Alter

Gesund und fit bis ins hohe Alter bleiben

Gesund bis ins hohe Alter

08.04.2012

Der Präsident des World Health Summit, Professor Detlev Ganten, hat im Interview mit „Welt Online“ dargestellt, welche Maßnahmen dazu beitragen können, dass Menschen bis ins hohe Alter fit bleiben. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung ist hier ebenso zu nennen, wie die allgemeine Funktionsfähigkeit der nationalen Gesundheitssysteme.

Die Selbstverantwortlichkeit der Bevölkerung müsste nach Ansicht des Präsidenten vom World Health Summit deutlich gestärkt werden, um der im Zuge des demografischen Wandels stark alternden Bevölkerung gerecht zu werden. Hier ist jede/r Einzelne aufgeforderte, durch eine gesunde Lebensweise sein individuelles Erkrankungsrisiko zu minimieren. Auf diese Weise könnte viele Menschen ein hohes Alter erreichen, ohne unter chronische Krankheiten zu leiden, erklärte Prof. Detlev Ganten..

Demografischer Wandel als Herausforderung für das Gesundheitssystem
Der 71-Jährige Präsident des World Health Summit, Professor Detlev Ganten, erläuterte, dass der demografische Wandel eine „große Herausforderung für Wissenschaft und Gesellschaft“ sei. Damit die Tatsache, dass im Jahr 2050 in Deutschland ein Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre ist, nicht zu einer „erheblichen finanziellen Belastung“ für die Jüngeren wird, müsse die Gesundheitsvorsorge gewährleisten, „dass jeder, der im Alter noch arbeiten will, auch arbeiten kann und so ein aktives Mitglied der Gesellschaft bleibt“, betonte Prof. Ganten gegenüber „Welt Online“. Schon heute zeige sich, „dass 70-Jährige genauso arbeitsfähig, arbeitswillig und arbeitsbereit sind wie einst 50-Jährige.“ Der Präsident des World Health Summit bezieht sich dabei nicht nur auf Erwerbsarbeit, sonder auch auf das „Engagement in einem Ehrenamt“, was laut Aussage des Experten ebenfalls eine wichtige und wertvolle Bedeutung hat.

Selbstverantwortlichkeit entscheidend für erfolgreiche Krankheitsprävention
Um den drohenden Belastungen durch die Verschiebungen der Altersstruktur und dem hiermit verbundenen Anstieg von Erkrankungen zu begegnen, bedarf es nach Ansicht des Experten in erster Linie einer Stärkung der „Selbstverantwortlichkeit“ in der Bevölkerung. Denn eine „bewusste Lebensführung, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung können Krankheiten verhindern“, wodurch die Menschen auch bis in hohe Alter aktiv bleiben., erklärte der Experte. Allerdings sollte mit den eigenverantwortlichen Vorbeugemaßnahmen am besten schon im Kindesalter begonnen werden. Den Kindern müssten Informationen und Hilfestellungen zu einem gesunden Lebensstil an die Hand gegeben werden, um sie von Anfang an zu „Selbstverantwortlichkeit“ zu erziehen. Dabei werde auch der natürliche Bewegungsdrang und die Freude an gesundem Essen stimuliert, erläuterte Prof. Ganten.

Aktiv und gesund Leben schützt vor Krankheiten im Alter
Insgesamt lasse sich durch eine gesunde Lebensweise auch die Phase des gesunden Alterns deutlich verlängern, so die Einschätzung des Experten. Laut Prof. Ganten liegen „verlässliche Daten“ vor, die bestätigen, „dass jemand, der gesund und aktiv lebt, einige chronische Erkrankungen vermeiden, die Krankheitsgrenze hinausschieben und die Krankheitsdauer verkürzen kann.“ So schütze beispielsweise der „Verzicht auf das Rauchen vor Lungenkrebs, weniger Alkohol verhindert Erkrankungen der Leber und regelmäßiger Sport beugt Osteoporose, Muskelverspannungen und Rückenschmerzen vor“, erläuterte der Präsident des World Health Summit. Veranstaltungen wie der Weltgesundheitstag seien in diesem Zusammenhang hilfreich, um auf das Thema der Selbstverantwortlichkeit aufmerksam zu machen. „Zu viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie Gesundheit nicht vom Arzt einfordern können, sondern dass sie selber etwas dafür tun können und sollten“, betonte der Experte und ergänzte: „Die Gesundheit ist noch immer das höchste Gut des Menschen.“

Erhöhtes Erkrankungsrisiko durch ungesunde Lebens- und Umweltbedingungen
Als einen wesentlichen Grund für die Zunahme verschiedener Erkrankungen nannte der Präsident des World Health Summit auch die veränderten Lebens- beziehungsweise Umweltbedingungen. „Wir leben in einer modernen Welt“ und „während vor 100 Jahren nur zehn Prozent der Bevölkerung in Städten gelebt haben, sind es heute etwa 50 Prozent“, erläuterte Prof. Ganten. Im Jahr 2030 werde voraussichtlich ein Anteil von 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Zahlen verdeutlichen wie rasant und dramatisch sich unsere Umwelt verändert, während unsere Biologie immer noch die alte ist, so der Präsident des World Health Summit weiter. Unser Organismus ist „evolutionär und biologisch auf körperliche Belastung, Bewegung, Nahrungsmangel und Hunger eingestellt“, doch in den modernen Gesellschaften haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert, erklärte der Experte. Prof. Ganten zufolge bewegen „wir uns wenig, essen zu viel, zu fett, zu süß und zu salzig“, wodurch „es zu den verbreiteten Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden und Diabetes“ kommt.

Prävention statt Behandlung von Krankheiten
Um hier gegenzusteuern, müsse jedoch nicht nur die Selbstverantwortlichkeit der Bevölkerung gestärkt werden, sondern auch auf Seiten der Leistungserbringer und Krankenkassen bedarf es eines Umdenkens, so die Aussage von Prof. Ganten. Weg von der klassischen Behandlungen nach dem Auftreten von Beschwerden, hin zu einer deutlich verbesserten Prävention. Viel zu häufig seien auch die behandelnden Mediziner noch ausschließlich krankheitsorientiert und denken kaum an Prävention. „Dadurch werden Krankheiten zwar behandelt, aber sie werden viel zu selten verhindert“, betonte der Präsident des World Health Summit. In diesem Zusammenhang sei auch das Verhalten der Krankenkassen bisweilen unverständlich. Zwar ist hier häufig schon ein Trend zur Verbesserung der Krankheitsprävention zu erkennen, doch „dass die Krankenkassen zum Beispiel noch immer nicht die Zahnvorsorge bezahlen“, ist nach Ansicht von Prof. Ganten „ein Fehler.“ Denn diese Form der Prävention zahle sich langfristig durch „weniger Karieserkrankungen und entsprechende Behandlungen“ aus. Am Ende „müssen die Kassen weniger zahlen“ und „das Gleiche gilt für andere präventive Maßnahmen“, betonte der Experte.

Deutsches Gesundheitssystem vorbildlich
Letztendlich ist das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich jedoch relativ gut aufgestellt und biete viel Unterstützung beim gesunden Altern, erläuterte Prof. Ganten. „Wir haben ein hervorragendes System der Krankenversorgung und der Kostenerstattung“, dass weltweit als vorbildlich beschrieben wird, betonte der Präsident des World Health Summit. Lediglich „bei der Prävention gibt es Verbesserungsbedarf“, so die Einschränkung des Experten. Hierzulande wird Prof. Ganten zufolge „immer noch zu viel geraucht, zu wenig Sport getrieben und zu viel Alkohol getrunken“ – ansonsten stehe Deutschland mit seinen Gesundheitssystem „ganz vorne“. Allerdings habe ein solches „natürlich auch seinen Preis“, erklärte der Experte. Hier liegt auch eines der wesentlichen Probleme bei der weltweiten Umsetzung vergleichbarer Systeme. Schwellen- und Entwicklungsländern können sich einen entsprechend hohen Standard einfach nicht leisten.

Gesundheitsvorsorge in Entwicklungs- und Schwellenländer ein Problem
Der prognostizierten Anstieg der nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Leiden in Ländern wie Indien, China und auf dem afrikanischen Kontinent ist laut Aussage von Prof. Ganten auch einer der Gründe für den jährlich durchgeführten Weltgesundheitstag. Denn während es uns auch in „einer älter werdenden Gesellschaft noch recht gut geht, verschlechtert sich die Weltgesundheit trotz des rasanten wissenschaftlichen Fortschritts“, erklärte der Präsident des World Health Summit. Allein die Zahl der „Diabetiker wird sich zwischen 2010 und 2030 in den Schwellenländern verdoppeln“, so Prof. Ganten weiter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Vereinten Nationen (UN) „wollen daher besonders in diesen Ländern das Gesundheitsverhalten stärken“, betonte der Experte. Zumal die modernen Industrienationen laut Aussage von Prof. Ganten auch „eine Mitschuld“ an dem ungesunden Lebensstil in den Schwellenländern tragen. „Wir leben einen ungesunden Lebensstil vor und exportieren ihn mit unseren Produkten“, wodurch ein gesundes Altern in den Schwellenländern deutlich erschwert wird, erklärte der Experte.

Krafttraining verjüngt die Muskeln
Prinzipiell bieten sich vielfältige Ansätze, um das Erkrankungsrisiko im hohen Lebensalter zu reduziere und länger fit zu bleiben. So konnten beispielsweise US-Forscher des MC Master University Medical Center in Hamilton erst vor kurzem im Rahmen einer Studie nachweisen, dass ein regelmäßiges Krafttraining viele Muskelgruppen erheblich verjüngen kann. „Selbst Menschen im hohem Alter können ihre Muskeln um Jahrzehnte verjüngen“, so das Resümee der Wissenschaftler. Wenn der Körper altert, altern und schwinden auch die Muskeln. Dies liegt daran, dass dem Gewebe weniger Energie zur Verfügung steht und die Leistung der Mitochondrien kontinuierlich abnimmt. Mitochondrien sind extrem kleine Zellorganellen, die den Muskeln Energie liefern. Bei einer Forschungsarbeit mit 25 ansonsten gesunden 70-jährigen Frauen und Männern stellten die Forscher fest, dass dieser Prozess sich auch im hohem Altern noch stoppen und sogar umkehren lässt. Die Forscher ließen die Probanden sechs Monate lang in einem Fitnessstudio regelmäßig trainieren. Vor und nach der Studie wurden Gewebeproben entnommen und mit einer Vergleichsgruppe von jungen Teilnehmern verglichen. Durch den Sport konnte sich die Muskelkraft der älteren Menschen um 50 Prozent verbessern. Hierzu mussten die Probanden nur zwei mal pro Woche ein Trainingsprogramm absolvieren, bei dem alle Muskelpartien angeregt wurden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass sich bei sportlichen Aktivitäten nicht nur die Muskeln verbesserten, sondern auch die Leistung der Mitochondrien. Diese haben sich „sogar auf das Niveau eines jungen Menschen angeglichen“ konstatierten die Wissenschaftler des University Medical Center in Hamilton. So kann davon ausgegangen werden, dass Sport und eine gesunde Ernährung den Alterungsprozess verlangsamen und das Leben deutlich verlängern kann. (fp)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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Gesundheit: Bundesweite Ermittlungen gegen Pharmafirmen und Ärzte

Erfurt – Bundesweit ermitteln Staatsanwälte gegen Krebsärzte wegen Bestechlichkeit. Wie das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtet, sind auch mindestens drei Pharmafirmen im Visier der Ermittler, die systematisch bestochen haben sollen.

Die Unternehmen sollen Kassenärzten Geld gezahlt haben, wenn sie deren Krebspräparate bevorzugen. Auch gegen Dutzende Ärzte und einige Apotheker wird demnach ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat Anklage erhoben gegen einen Arzt und zwei Apotheker aus Thüringen. Der Arzt soll von den beiden Apothekern Vorteile und Zahlungen in einer Größenordnung von einigen 100 000 Euro erhalten haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Der Thüringer Arzt soll dafür kassiert haben, dass er sogenannte Zytostatika bei diesen Apothekern bezog. Die Medikamente werden zur Chemotherapie bei Krebserkrankungen eingesetzt, sagte Grünseisen. Die Vereinbarungen zwischen dem Arzt und den beiden Apothekern sollen nicht zeitgleich, sondern nacheinander getroffen worden sein. “Es gab aber die gleiche Vorgehensweise”, sagte Grünseisen. Nach seinen Angaben wurde die Anklage gegen das Trio wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung bereits vor einiger Zeit erhoben. Die Anklage sei dem Landgericht Mühlhausen zugeleitet worden. Zum Verhandlungstermin konnte Grünseisen nichts sagen.

“Der Spiegel” berichtet außerdem, dass die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen Verantwortliche der Pharmafirma Oncosachs erheben wolle. Die Leipziger Firma soll den Krebsärzten mehrere hundert Euro pro Patient gezahlt haben, wenn die Mediziner ihre Präparate bevorzugten.

Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, sagte dem Magazin, ermittelt würde wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit auch gegen 47 Krebsärzte aus mehreren Bundesländern. Sie sollen bis 2008 vor allem “Mietzuschüsse” von Oncosachs kassiert haben. Später soll das Geld über Scheinstudien geflossen sein. Ein Arzt soll dabei beispielsweise von 2005 bis 2011 mehr als eine halbe Million Euro erhalten haben.

In München hat die Staatsanwaltschaft laut “Spiegel” ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit gegen den Geschäftsführer von Ribosepharm eröffnet (Krebssparte der Pharmafirma Hikma). Ein Sprecher der AOK Niedersachsen bestätigte der dpa, dass man bereits im November eine entsprechende Meldung an die Staatsanwaltschaft München gemacht habe.

In Hamburg ermittelt laut “Spiegel” die Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des Krebsmittelherstellers Zyo Pharma wegen des Verdachts der Ärztebestechung.

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Gesundheit: Dioxin-Eier: Nach Großbetrieb zwei Kleinerzeuger betroffen

Düsseldorf/Minden – Nach dem Dioxinfund in den Bio-Eiern eines nordrhein-westfälischen Erzeugers ist das Gift jetzt auch bei zwei kleinen Direktvermarkter in Duisburg gefunden worden.

Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium warnte vor deren Eiern und wies die Stadt Duisburg an, die Betriebe zu sperren. Es handele sich um einen Direktvermarkters mit 120 Bio-Hennen und einen weiteren Betrieb mit 150 Legehennen. Es sieht allerdings bislang keinen Zusammenhang mit der Dioxinverseuchung in einem großen Betrieb in Ostwestfalen, die am Vorabend bekannt wurde.

Dieser Hof liegt im Kreis Minden-Lübbecke, wie die Kreisverwaltung bestätigte. Die Behörden gehen davon aus, dass die Eier längst verkauft sind. Verbraucher und Handel sollen Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 schnellstmöglich entsorgen, hieß es, obwohl keine akute Gefährdung gesehen wird.

Details zu der Verseuchung in Duisburg nannte das Ministerium nicht. Sie sei bei amtlichen Routinekontrollen aufgefallen. Eier von dem ostwestfälischen Hof mit rund 25 000 Legehennen hatten eine bis zu sechsmal über dem Grenzwert liegende Konzentration des Dioxin-ähnlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) aufgewiesen. Letztmalig seien dessen Eier am 7. März an einen Verpacker ausgeliefert worden. Sie hatten das Mindesthaltbarkeitsdatum 31. März. Der Betrieb beliefert nach Angaben des Ministeriums vor allem Supermärkte.

“Wir kennen die Ursache noch nicht”, sagte der Sprecher des Ministeriums. In dem auf dem Hof aktuell verwendeten Futter seien keine Verunreinigungen gefunden worden. Genauere Erkenntnisse erhoffe man sich von der Analyse der Rückstellproben des älteren Futters. Der Lieferant des Futters sitze in Niedersachsen. Die dortigen Behörden seien eingeschaltet worden. “Auf dem Hof sind auch Bodenproben genommen worden.”

Weil das Mindesthaltbarkeitsdatum der letztmalig vom Hof ausgelieferten Eier abgelaufen sei, liegt nach Einschätzung des Ministeriums vermutlich keine belastete Ware mehr in den Supermärkten. Die belieferten Supermärkte sollen dennoch die Stempelnummer ihrer Eier kontrollieren.

Auf dem Hof werden die Legehennen in vier Ställen gehalten. Bei Eiern aus zwei Ställen seien deutlich überhöhte Dioxinwerte festgestellt worden, bei Eiern aus den beiden anderen Stallungen leicht erhöhte Werte. Ergebnisse der Dioxinanalysen sollen voraussichtlich nicht vor Freitag vorliegen. Der Hof wurde nach dem Fund vorerst gesperrt.

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Wissenschaft – Gesundheit: Krankheitsprognose durch DNA-Lesen begrenzt

Baltimore/Washington (dpa) – Aus dem gesamten Erbgut eines Menschen lässt sich nur begrenzt das Risiko für häufige Krankheiten wie Krebs vorhersagen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher nach der Auswertung Tausender Daten von eineiigen Zwillingen aus früheren Erhebungen.

«Wir glauben, dass Genomtests kein Ersatz für gängige Strategien zur Krankheitsvorbeugung sein werden», sagte Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center (Baltimore, USA). Das Team um Vogelstein, Kenneth Kinzler und Nicholas J. Roberts präsentiert seine Daten im Fachjournal «Science Translational Medicine» und auf einer Krebstagung in Chicago.

«Vorausblickendes Screening, frühe Diagnose- und Präventionsstrategien, wie nicht zu rauchen, und die Entfernung von Krebs in frühen Stadien, werden die Schlüssel dazu sein, die Sterberaten durch Krankheiten zu senken», ergänzt Vogelstein.

Vogelstein und Kollegen nahmen Daten zu 24 Krankheiten genauer unter die Lupe, dazu gehören Krebsarten, Alzheimer, Diabetes, Autoimmunerkrankungen, sowie Herzkreislauf- und neurologische Krankheiten. Zwar könnte bei 90 Prozent der Menschen ein genetisches Risiko für mindestens eine Krankheit benannt werden (positives Testergebnis). Doch die meisten Menschen würden für 23 Krankheiten negative Testergebnisse erhalten, obwohl sie dennoch im Verlauf des Lebens daran erkranken könnten. Die Autoren warnen vor falschem «Wohlbehagen».

Für Menschen, in deren Familie kein Krebs vorkomme, sei die Entzifferung des gesamten Erbguts nicht sehr informativ, hieß es. «Erbliche Krebsarten sind selten. Die meisten Krebsarten entstehen durch Mutationen durch Umwelteinflüsse, Lebensstil und zufällige Genfehler bei der Zellteilung», sagte Kenneth Kinzler vom Ludwig Center (Johns Hopkins).

Auf der anderen Seite könnten theoretisch bei vier Krankheiten mehr als drei Viertel der potenziellen Patienten erkannt werden: Darunter fallen nach Angaben der Johns Hopkins Medical Institutions Erkrankungen der Herzkranzgefäße bei Männern, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, Typ-1-Diabetes und Alzheimer.

Die Bedeutung von Gentests für das individuelle Krankheitsrisiko sei auch wichtig für die Wissenschaft, Politik und Industrie, erläuterte Vogelstein. Seit der Entzifferung des gesamten Erbguts von Menschen sind die Kosten für Genanalysen erheblich gesunken.

erschienen am 02.04.2012 um 20:58 Uhr

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Gesundheit: Rotwein in Maßen kann vor Infarkten schützen – n

Freitag 30. 03. 2012, 16:20 Uhr

Frankfurt/Main (dpa/tmn) – Ob Alkoholgenuss positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, hängt von der Dosis ab. Maßvoller Genuss von Rotwein kann vor der Verkalkung der Blutgefäße schützen. Klar ist aber auch: Man muss nicht trinken, um gesund zu bleiben.

Maßvoller Rotweingenuss kann die Blutgefäße schützen. In kleinen Dosen helfe der Rebensaft, die Verkalkung von Arterien vorzubeugen, sagt Thomas Meinertz, Kardiologe und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt. «Die Antioxidantien im Wein verlangsamen den Abbau von Stickstoffmonoxid im Blut.» Dadurch komme es seltener zu Ablagerungen, welche die Gefäße verengen und zum Infarkt führen können.

Zusätzlich verändere der Alkohol im Wein die Fettwerte im Blut: Sogenanntes schlechtes Cholesterin, das die Verkalkung der Arterien fördert, werde verringert. Zusätzlich verdünne Alkohol das Blut stärker als andere Flüssigkeiten. «Durch den erhöhten Blutfluss werden die Innenwände der Gefäße langsam geweitet und elastischer», sagte Meinertz. Dadurch werde die Gefahr von Infarkten weiter gesenkt.

Die Wirkung von mäßigem Weißwein- und Biergenuss sei ebenfalls gesund, wenn auch nicht ganz so stark wie beim Rotwein, sagt der Arzt weiter. Bei diesem würde sich ein hoher Anteil an entzündungshemmenden Flavonoiden zusätzlich positiv auswirken.

Meinertz bezieht sich dabei auch auf Studien, die zwischen Nord- und Südfrankreich große Unterschiede im Infarktrisiko festgestellt haben. «Im Süden leiden deutlich weniger Franzosen an Herzleiden als im Norden.» In der Bretagne und der Normandie sei der Konsum von Spirituosen etablierter, in der Provence und an der Mittelmeerküste trinken die Bewohner dagegen eher Rotwein.

Als förderlich gelte für Männer der Genuss von 20 Gramm Alkohol pro Tag, dies seien zwei kleine Gläser Rotwein. «Bei Frauen gilt ein Gläschen pro Tag als gesund», sagt Meinertz. Umgerechnet auf Bier entspreche das einem halben beziehungsweise viertel Liter. Doch dies seien nur Richtwerte. «Wer Alkohol schlecht verträgt, für den ist schon das zu viel.»

Der Kardiologe betont daher: «Man muss nicht Rotwein trinken, um gesund zu bleiben.» Gerade Personen mit Nierenleiden, Diabetiker oder Schwangere sollten vom täglichen Glas Rotwein absehen. «Man darf nicht vergessen, das Alkohol immer noch ein Nervengift ist und den Körper schwer schädigen kann.» Meinertz empfiehlt, den Wein abends zu trinken. «Das entspannt und passt gut zu einem gesunden Salat.»

Quelle: n-tv.de /

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Gesundheit: Viele melden sich wegen Arbeitsstress krank

Stress und Depressionen, aber auch alternde Belegschaften treiben den Krankenstand in Betrieben und Verwaltungen in die Höhe. Mit 3,5 Prozent habe der Krankenstand bei erwerbstätigen Mitgliedern der Krankenkasse DAK in Nordrhein-Westfalen vergangenes Jahr den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht, berichtete die Kasse am Donnerstag in ihrem Gesundheitsreport 2012.

Von 1000 Beschäftigten waren pro Tag 35 krankgeschrieben. 2010 waren es 0,2 Prozent weniger.

Rückenkrankheiten auf Platz Eins

Am stärksten stiegen mit einem Plus von 18 Prozent die Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen. Sie schoben sich auf Platz drei nach Rücken- oder Knochenkrankheiten und Atemwegserkrankungen.

Seelische Krankheiten dauern zudem lange: Im Schnitt fehlte ein Betroffener mit diesem Krankheitsbild in NRW 34 Tage.

Besonders besorgt die Ärzte und Forscher der zunehmende Stress am Arbeitsplatz, der als Risikofaktor für Herzinfarkte gilt. Fast jeder zehnte Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen (9,7 Prozent) leidet nach einer repräsentativen DAK-Umfrage unter einer seelischen Krise infolge von Zeitdruck, mangelndem Lob durch den Chef und einer als zu niedrig empfundenen Bezahlung. Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen.

Arbeitsstress abbauen

In NRW starben 2010 fast 12.000 Menschen an einem Herzinfarkt, bundesweit waren es 60.000. Herzinfarkt ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Zwar sei die Zahl der Herzinfarkte seit Jahren deutlich rückläufig, sagte Jörg Marschall vom Berliner IGES-Institut, das die Daten für die DAK erhoben hat. Jedoch müsse die Vorbeugung neben klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Cholesterin und Bluthochdruck auch verstärkt Arbeitsstress ins Visier nehmen.

“Jeder Chef meint, er macht alles richtig”, sagte der DAK-Landeschef Hans-Werner Veen. “Aber er muss auch mal wachgerüttelt werden.” Kassen und Betriebe sollten gemeinsam Modelle zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz entwickeln.

Menschen fühlen sich unter Zeitdruck

Als häufigste Belastungen nannten Beschäftigte in NRW Zeitdruck (23,8 Prozent) und ein vermehrtes Arbeitsvolumen (20,9 Prozent) sowie nicht angemessene Bezahlung (21,8 Prozent) und mangelnde Anerkennung (16 Prozent).

Als Folgen gaben die Betroffenen einen schlechten Gesundheitszustand und Stimmungsschwankungen an. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit kommen bei Gestressten fast doppelt so häufig vor.

Ältere Beschäftige bedeuten höheren Krankenstand

In allen Branchen zeige sich auch der demografische Wandel, sagte Veen. Die Belegschaften in Betrieben seien heute deutlich älter als vor zehn Jahren. Demografiebedingt sei zu erwarten, dass der Krankenstand in den nächsten Jahren weiter steigen werde. Die rund 1,2 Millionen DAK-Versicherten in NRW erstrecken sich nach Angaben der Kasse über alle Berufsfelder.

Untersucht wurden die Krankschreibungen von rund 427.000 erwerbstätigen DAK-Mitgliedern. 



Günther Jauchs Talk zu Stress und Burn-out



Wie hoher Blutdruck dem Körper schadet



So kümmern sich Firmen um das Wohl ihrer Mitarbeiter



Stars äußern sich zum Thema Burn-out

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Gesundheit: Politik will Betrug in Medizinbranche eindämmen


Berlin (dpa) – Milliardenschäden gehen auf das Konto von Betrügern im Gesundheitswesen. Zwei von fünf geprüften Klinikrechnungen haben Fehler oder sind ungerechtfertigt. Strengere Gesetze sollen helfen.

Die Politik setzt auf höhere Strafen für falsche Klinikrechnungen und Ärztebetrug. Vorstöße von Union, SPD sowie Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zielen auf Sanktionen für Krankenhäuser, die bei Krankenkassen falsche oder ungerechtfertigte Leistungen abrechnen.

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Die SPD will im Falle eines Wahlsiegs bei der Bundestagswahl gesetzliche Grundlagen schaffen, um Ärzte als korrupt bestrafen zu können, die Zuwendungen der Pharma- oder Medizinprodukte-Industrie annehmen. Das sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Fast die Hälfte (45 Prozent) der 2,3 Millionen geprüften Krankenhausrechnungen hätten sich 2011 als fehlerhaft oder ungerechtfertigt erwiesen, berichtete der dafür zuständige Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Die Koalition erwägt genauere Prüfungen mit Strafmöglichkeiten. «Werden bei den Prüfungen Abrechnungsfehler zu Lasten einer Krankenkasse festgestellt, hat das Krankenhaus den Differenzbetrag und zusätzlich einen Betrag in halber Höhe des Differenzbetrages an die Krankenkasse zu zahlen», heißt es in den Plänen von Bahr und der Unionsfraktion. Von der FDP-Fraktion war hierzu keine Position in Erfahrung zu bringen.

MDK-Geschäftsführer Peter Pick sagte, die Schäden könnten auf diese Weise verkleinert werden. Sie werden auf rund 900 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro pro Jahr taxiert. Die Chefin des Spitzenverbands der Krankenkassen, Doris Pfeiffer, sagte: «Wenn man durch eine gute Regelung Anreize etabliert, richtig abzurechnen, kann man den Prüfaufwand minimieren.»

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft reagierte empört. «Es ist unverschämt, den Krankenhäusern strafbewehrtes Verhalten zu unterstellen», sagte Präsident Alfred Dänzer der «Süddeutschen Zeitung.»

Lauterbach kritisierte: «Bahr springt viel zu kurz.» Ein weitergehender SPD-Antrag gegen Korruption im Gesundheitswesen wird an diesem Mittwoch im Bundestag öffentlich erörtert. SPD-Justiz- und Gesundheitsexperte Edgar Franke sagte: «Zwischen 5 und 18 Milliarden Euro pro Jahr gehen der Versichertengemeinschaft durch Korruption, Abrechnungsbetrug und Falschabrechnungen jedes Jahr verloren.»

Die SPD will einen neuen Straftatbestand schaffen. Wenn ein niedergelassener Arzt Korruptionshandlungen begehe, gelte dies heute nicht als Straftat. «In viele Fällen bekommen niedergelassene Ärzte Vergütungen von einem Pharma- oder Medizintechnikhersteller, wenn sie deren Produkte verschreiben», sagte Franke.

Seit Monaten wartet die Branche mit Spannung auf eine Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe zu dieser Frage. Der Große Senat für Strafsachen will klären, ob Ärzte als Amtsträger einzustufen sind.

Der niedersächsische Oberstaatsanwalt Marcus Röske, der das Verfahren mit angestoßen hatte, hatte bereits im Oktober der dpa gesagt: «Stuft der BGH die Ärzte als Amtsträger ein, machen sie sich bei der Annahme von unerlaubten Zuwendungen strafbar, auch wenn diese Zuwendungen nicht nachweisbar zu einer Beeinflussung des Verordnungsverhaltens geführt haben.»

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sagte, die KBV und die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen hätten ein großes Interesse, jeden Fall von Betrug zu entlarven. Sie arbeiteten eng mit den Staatsanwaltschaften zusammen. «Das vorhandene Instrumentarium reicht aus», sagte Köhler der dpa. Das zeige die hohe Zahl von 500 Millionen Abrechnungen jährlich, die bis auf Ausnahmen absolut korrekt seien.

Transparentere Regeln forderte Köhler für die derzeit rund 300 sogenannten Anwendungsbeobachtungen, bei denen Ärzte im Auftrag von Pharmaherstellern neue Medikamente untersuchten. «So sollte die Pharmaindustrie die Ergebnisse der Studien veröffentlichen müssen.»

Laut dem SPD-Antrag sollen die Länder zudem mehr besonders qualifizierte Staatsanwaltschaften und Ermittlungsgruppen bei der Polizei einrichten. Sie könnten Korruption im Gesundheitswesen besser verfolgen.

SPD-Antrag

Stellungnahmen Experten

Termin Anhörung Bundestag

BGH-Verfahren

Artikel über Pharma-Einfluss auf Ärzte

Interview mit TK-Ermittler Keller

Fälle Freiwillige Pharma-Selbstkontrolle

Koalitionsplan zu Falschabrechnung Kliniken

Rechnungshof zu Falschabrechnung Kliniken

Über Röske

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Gesundheit: Regierung: Orientierungswechsel in der Pflege


Berlin (dpa) – Nach mehr als einem Jahr Vorbereitung will die Bundesregierung ihre Pflegereform beschließen und damit den Startschuss für eine grundlegende Neuausrichtung geben.

Nötig sei ein «Orientierungswechsel, was unter Pflege zu verstehen ist», heißt es im Entwurf für das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz. Das Kabinett will diesen Entwurf aus dem Ressort von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Mittwoch passieren lassen.

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Der Beitrag soll dafür zum 1. Januar 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent steigen. Dies soll 2013 rund 1,14 Milliarden Euro bringen und in den Jahren darauf 1,18 und 1,22 Milliarden. Das meiste zusätzliche Geld soll in höhere Leistungen vor allem für Demenzkranke fließen. Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung, die von Angehörigen zu Hause betreut werden und in keiner Pflegestufe sind, sollen statt heute 100 Euro im Monat (bei besonderem Bedarf 200) künftig 220 (beziehungsweise 320) Euro bekommen. Werden sie von einem Pflegedienst betreut, sollen es 325 beziehungsweise 425 Euro sein. Auch in Pflegestufe 1 und 2 soll es mehr geben.

Auch sollen Pflege-Wohngemeinschaften gefördert und die Leistungen flexibler gehandhabt werden. Zudem soll die Begutachtung von Pflegefällen reibungsloser laufen.

Pflegeverbände hatten die Reform als völlig unzureichend kritisiert. Mit dem Gesetz soll der weitere Reformkurs als Ziel festgeschrieben werden. Neu definiert werden müsse, wer als pflegebedürftig anzusehen sei. Geklärt werden müsse, welche Hilfen Demenzkranke bräuchten. «Mit diesem Gesetz wird dieser Orientierungswechsel eingeleitet; die Umsetzung wird einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen», heißt es in dem Entwurf.

Der Entwurf beschreibt die Lage nicht anders als dies auch die Kritiker der Koalition aus der Pflegebranche tun: Die Zahl von 2,4 Millionen Pflegebedürftigen wird laut zitierten Prognosen in wenigen Jahrzehnten auf über 4 Millionen steigen. «Gleichzeitig sinkt die Bevölkerungszahl insgesamt, so dass der prozentuale Anteil der pflegebedürftigen Menschen noch schneller ansteigen wird.» Viele Bedürftige seien an Demenz erkrankt. «Auch ihre Zahl wird deutlich ansteigen.» Neben Grundpflege sei hier Betreuung zentral. Bei Einführung der Pflegeversicherung 1995 habe es Demenz noch nicht so oft gegeben – deshalb seien keine darauf zugeschnittenen Hilfen eingeführt worden. Heute erhalten viele der rund 1,2 Millionen Altersverwirrten keine oder nur wenig Hilfe.

Bahr lässt derzeit in einem Expertenbeirat eine grundsätzlich neue Einstufung der Menschen in die Pflegeversicherung ausarbeiten. Das Vorhaben soll aber nach bisherigen Aussagen nicht mehr in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

Experten und Opposition verlangten mehr Tempo. Regierungsberater legten bereits Anfang 2009 erste Vorschläge vor. Eine umfassende Besserstellung von Demenzkranken könnte demnach einige Milliarden Euro mehr kosten.

Der Gesetzentwurf betont, dass die Umlagefinanzierung durch eine steuerlich geförderte, freiwillige, kapitalgedeckte Pflege-Vorsorge ergänzt werde. «Das bedarf noch einer gesetzlichen Regelung.» Wie die Förderung konkret aussehen soll, war zwischen Bahr und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zuletzt umstritten.

Gesetzentwurf Pflegereform

Ratgeber zur Pflege

Erste Schritte für Pflegebedürftige

Von der Diagnose zur Betreuung

Ratgeber zur häuslichen Pflege

Auswahl eines Pflegeheims

Leistungen heute

Aktuelle Zahlen zur Pflegeversicherung

Prognose Demenzkranke

Referentenentwurf Pflegereform Stand Januar

Aktueller Bericht zur Pflegeversicherung

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Gesundheit: Verbesserte Therapien für Kinder mit Hirntumoren


Hamburg (dpa) – Die Diagnose Hirntumor bei Kindern ist niederschmetternd. Doch die Überlebensraten haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Auf einer Tagung in Hamburg lassen sich Eltern von Ärzten auf den neuesten Stand der Therapien bringen.

Kurz vor Weihnachten 1997 traf es die Familie Marx wie ein Schlag: Bei der noch nicht einmal einjährigen Tochter wurde ein Hirntumor entdeckt. Zuvor hatte das Mädchen ein auffälliges Augenzittern gehabt. «Ich dachte erst einmal, das Kind ist in sechs Wochen tot», sagt der Vater. So ist es nicht gekommen. Vater, Mutter und die 15-jährige Tochter sitzen am Tisch im Congress Center Hamburg. Aus Hessen sind sie angereist, um sich Freitag und Samstag auf einer Tagung mit anderen Familien und Experten auszutauschen.

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Dieses vergleichsweise einzigartige Treffen des Behandlungsnetzwerks HIT für Kinder und Jugendliche mit Hirntumoren gibt es in dieser Form alle zwei Jahre. Diesmal sind etwa 450 Menschen angemeldet, darunter 24 Kinder. Neue Therapien und Techniken werden unter die Lupe genommen: Sind sie der rettende Strohhalm?

Hirntumore sind selten, nach Angaben des Netzwerks erkranken jährlich mindestens 400 Kinder und Jugendliche in Deutschland. Nach der Leukämie sind sie die zweithäufigste Krebsform bei Kindern. Doch weil sie so rar sind, gibt es auch nur wenige Experten, und die sind auf das ganze Land verteilt. Die Tumore unterscheiden sich außerdem stark untereinander, was Wachstum, Metastasen und Ansprechbarkeit auf Therapien angeht. «Viele Familien haben monatelang Ungewissheit, bis die richtige Diagnose gestellt wird», sagt Renate Heymans von der Deutschen Kinderkrebsstiftung (Bonn), die das Netzwerk fördert.

Nachdem verschiedene Mediziner die Bilder vom Kopf ihrer Tochter gesehen hatten, gab es mehr Klarheit für Familie Marx. Es stellte sich heraus, dass der Tumor wenig bösartiger Natur war, und vom Sehnerv ausging. Das hieß aber auch: Eine Operation ist nicht möglich. Die Expertin für diese Tumorart arbeitete in Augsburg, Familie Marx lebte damals in München. Das Mädchen machte zwei Chemotherapien, im Alter von acht bekam sie noch eine Bestrahlung. «Seither ist Ruhe», sagt die Mutter. «Doch es bleibt die Angst, dass in oder nach der Pubertät ein neuer Schub kommt.»

Weil die Therapien in den vergangenen Jahren immer besser geworden sind, befassen sich die Mediziner zunehmend mit der Erkennung und Vermeidung von Spätfolgen durch Strahlen- oder Chemotherapien. «Schert man alle über einen Kamm, dann werden 60 bis 70 Prozent der Kinder gesund», sagt Prof. Stefan Rutkowski, Kinderonkologe vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. «Es gibt natürlich Untergruppen, da liegt die Prognose nur bei 20 Prozent Heilungschance, bei anderen bei 80 bis 90 Prozent. Das kommt auch immer darauf an, wie früh solch ein Tumor erkannt wird», ergänzt Mediziner, der auch Sprecher des HIT-Netzwerks ist.

Rutkowski zufolge leidet etwa die Hälfte der Kinder nach der erfolgreichen Bekämpfung des Krebses an Spätfolgen. «Die Ursachen sind vielfältig, es können Intelligenzdefizite auftreten, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Verlangsamungen, Seh- und Hörstörungen, aber auch Störungen des Hormonhaushaltes und Unfruchtbarkeit, sowie Zweittumoren. Die Bestrahlung des gesamten Gehirns gilt beispielsweise als Hauptursache für spätere Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten.»

Um einen Überblick zu haben, gebe es daher eine Studie, bei der Kinder nach einer Hirntumor-Behandlung auf ihre geistigen Fähigkeiten gezielt getestet werden, berichtet Rutkowski. Auch gebe es eine Pilot-Studie zu Gedächtnistraining bei betroffenen Kindern und Jugendlichen. Für die Behandlung eines bösartigen Tumors, dem Medulloblastom, wurde zudem eine Therapievariante für Kleinkinder etabliert. Weil die kleinen Patienten besonders empfindlich auf Strahlen reagieren, soll eine neuartige Chemotherapie die Bestrahlung ersetzen. «Es ist viel in Bewegung, zielgerichtete Therapien wie Antikörper oder spezielle Hemmstoffe der Tumorzellen werden vermutlich in der Zukunft zu noch weniger Nebenwirkungen führen, doch bis dahin wird es noch Jahre dauern.»

Aber wer ist hier Arzt, und wer Angehöriger? Die Eltern diskutieren versiert mit den Medizinern. «Viele Eltern von Hirntumorkindern möchten möglichst viel über die Erkrankung ihres Kindes erfahren. Bei dieser Diagnose ändert sich das Leben der gesamten Familie meist schlagartig», sagt Rutkowski. Im ersten Stock sitzt Familie Marx in einem Workshop in der ersten Reihe. «Wir wollen einfach auf dem neuesten Stand sein», sagt der Vater.

Mitteilung zur Tagung

Behandlungsnetzwerk HIT

Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg

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