Ebola: Vermögende Westafrikaner sind eine Gefahr

Dem Ebola-Virus in Westafrika fallen immer mehr Menschen zum Opfer: Binnen eines Monats hat sich die Zahl der Toten um fast 130 erhöht. Wie groß ist die Gefahr, dass Ebola in Deutschland auftaucht?

Seit dem Ausbruch der Ebola-Seuche in Westafrika sind 467 Menschen dem Virus erlegen. In Guinea, Liberia und Sierra Leone seien bislang 759 Fälle von hämorrhagischem Fieber verzeichnet worden, darunter 544 bestätige Ebola-Fälle, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Von den Infizierten seien 467 Menschen gestorben. Die Zahl der Toten ist binnen einem Monat um fast 40 Prozent gestiegen.

„Das macht den derzeitigen Ausbruch zum schwersten aller Zeiten, nicht nur was die Zahl der Fälle und der Toten betrifft, sondern auch bezüglich der geografischen Verbreitung“, so die WHO. Der bisher tödlichste Ausbruch der Krankheit war 1995 im Kongo mit 254 Toten verzeichnet worden.

Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass sich das hoch ansteckende Ebola-Virus in der Region ausbreitet. Bei der Krankheit leiden die Infizierten an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie in heftigen Fällen an inneren Blutungen und Organversagen. Gegen die Krankheit existieren bislang keine Medikamente. Bei manchen Erregern verläuft die Seuche in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich.

Ebola-Ansteckung von Touristen unwahrscheinlich

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika hat für Deutschland indes keine weiteren Vorbeugemaßnahmen zur Folge. „Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand die Erkrankung einschleppt, ist Deutschland bereits bestens ausgerüstet“, betonte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), in Berlin.

„Zudem ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Touristen sich anstecken.“ Eine Ansteckung sei nur möglich, wenn man mit Erkrankten, deren Körperflüssigkeiten oder Menschen, die an Ebola gestorben sind, direkten Kontakt habe.

„Solche Kontakte sind leicht zu vermeiden, denn während der Inkubationszeit, in der die Betroffenen noch keine Symptome zeigen, sind weder sie selbst noch ihre Ausscheidungen ansteckend“, sagte Schaade. Darüber hinaus kann man sich durch den Verzehr erkrankter Wildtiere („Bushmeat“) anstecken.

In den rund 40 Jahren, in denen der Ebola-Erreger in Afrika bekannt ist, wurde er kein einziges Mal nach Europa eingeschleppt. Nur ein Importfall des verwandten Marburg-Virus ist bekannt.

Neun spezielle Behandlungszentren in Deutschland

„Wir haben neun spezielle Behandlungszentren bundesweit verteilt, die sind jederzeit einsatzbereit“, ergänzte Schaade. Diese Sonderisolierstationen sind auf den Umgang mit gefährlichen Infektionskrankheiten spezialisiert. Dort geht es darum, die Weiterverbreitung zu stoppen und die Patienten zu stabilisieren.

„Es kommt immer wieder mal vor, dass dort bei Menschen ein Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber, wie Lassa- oder Ebola-Fieber, ausgeschlossen und stattdessen Malaria diagnostiziert wird“, sagte Schaade. Wichtig sei es jedoch, dass auch ein niedergelassener Arzt immer mitdenke, wenn ein Reisender aus den betroffenen Regionen mit Fieber oder unklaren Beschwerden zu ihm komme.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hält es ebenfalls für unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass Touristen sich anstecken. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die betroffenen Regionen von Guinea, Sierra Leone und Liberia vorsichtshalber ab.

Westafrikaner könnten das Virus mitbringen

Eine Gefahr durch Touristen sieht auch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (Hamburg) nicht. „Die betroffenen Regionen sind keine Touristendestinationen. Allenfalls könnten vermögende Westafrikaner, die das Land aus Angst vor Ebola verlassen, das Virus mitbringen“, sagte Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik. Am Frankfurter Flughafen gebe es beispielsweise bestimmte Vorsichtsmaßnahmen, um fiebernde Reisende ausfindig zu machen, etwa mittels Wärmekameras.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf warnte ihre Landsleute eindringlich vor einer weiteren Ausbreitung von Ebola. Im Kampf gegen das Virus stellt das Land das „Verstecken“ von Infizierten mittlerweile unter Strafe.

Jeder Fall werde von der Staatsanwaltschaft verfolgt, sagte Sirleaf im staatlichen Radio. Es gebe Fälle, in denen Patienten in Häusern oder Kirchen untergebracht würden, anstatt dass man sie zur medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus bringe.

An diesem Mittwoch und Donnerstag treffen sich in Ghanas Hauptstadt Accra die Gesundheitsminister der betroffenen Regionen und zahlreiche internationale Experten zu einer Krisensitzung. Auf Einladung der WHO wollen sie über Maßnahmen zur Eindämmung des hämorrhagischen Fiebers beraten.

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