Ebola: Kanada gibt Entwarnung

Guinea kämpft mit einer Ebola-Epidemie. Der Verdacht, es könne einen ersten Erkrankten außerhalb Afrikas geben, bestätigte sich zunächst nicht.

Der Ebola-Verdachtsfall in Kanada hat sich nach Behördenangaben nicht bestätigt. Entsprechende Tests seien negativ ausgefallen, sagte der Sprecher des kanadischen Gesundheitsministeriums, Michael Bolkenius, am Dienstag.

Es wäre der erste Fall außerhalb Afrikas gewesen. Ein vor kurzem aus Guineas Nachbarland Liberia zurückgekehrter Mann sei schwer krank und weise entsprechende Symptome auf, hatte das kanadische Gesundheitsministerium zunächst mitgeteilt.

Verdachtsfall in Kanada

Der kanadische Patient befinde sich in einem Krankenhaus in Saskatoon, erklärte das Gesundheitsministerium der kanadischen Provinz Saskatchewan.

Er leide an hohem Fieber und anderen Symptomen, die denen von Ebola ähnelten. Der Mann habe sich beruflich in Liberia aufgehalten.

Der Patient wurde isoliert. Seine Angehörigen befänden sich vorerst in Quarantäne. Die Symptome seien bei dem Mann erst nach dessen Rückkehr nach Kanada aufgetreten.

Zunächst dachte niemand an Ebola

Inzwischen gibt es auch im afrikanischen Liberia im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie im benachbarten Guinea mehrere Verdachtsfälle. Als Anfang Februar die ersten Patienten in Guinea unter Durchfall, Fieber und Blutungen litten, dachten die Verantwortlichen im Gesundheitsministerium noch nicht an Ebola. Lassa-Fieber vielleicht. Oder Cholera. Vorsichtshalber schickten sie zwölf Proben an das französische Referenzzentrum für Hämorrhagische Fieber in Lyon. Die Experten schlugen am Samstag Alarm: Bei sechs Proben hatten sie das Ebola-Virus nachgewiesen. Wahrscheinlich handelt es sich um den besonders tödlichen Stamm Ebola-Zaire.

Guinea kämpft somit mit dem ersten Ebola-Ausbruch seiner Geschichte, vor allem im Städtedreieck Guéckédou, Macenta und Kissindougou. Wie viele Menschen das Virus bereits infiziert hat, ist unklar. Die Behörden in Guinea berichten von 80 Verdachtsfällen und 59 Toten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt bisher 49 Fälle und 29 Verstorbene. Sorgen bereitet den Experten, dass Ebola die etwa 400 Kilometer entfernte Hafenstadt Conakry erreicht haben könnte. Dort leben fast zwei Millionen Menschen. Drei Verdachtsfälle haben sich angeblich bisher nicht bestätigt. Weitere Proben aus Sierra Leone und Liberia werden derzeit noch untersucht.

Ebola – ein grausamer Tod

Wer sich über Blut, Körperflüssigkeiten oder Gewebe mit Ebola-Zaire ansteckt, stirbt mit 80- bis 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen grausamen Tod. Zuerst gleicht die Krankheit einer Malaria: Muskelschmerzen, Schwäche, Fieber. Dann geht es rasant bergab. Die fadenförmigen Viren befallen nicht nur die Atemwege. Sie greifen den ganzen Körper an – und nutzen dabei Immunzellen als Trojanische Pferde. Das Blut verklumpt und verstopft winzige Gefäße, so dass die Organe zu wenig Sauerstoff bekommen. Später bluten alle Schleimhäute. Zuletzt versagen Herz und Lunge.

„Die Epidemie in Guinea ist für den Rest der Welt keine Bedrohung“, sagt der Ebola-Experte Stephan Becker von der Universität Marburg. Das Virus konnte noch nie einen Flächenbrand auslösen. Selbst der größte Ausbruch in Uganda machte gerade 425 Patienten krank. Die Betroffenen sterben zu schnell, als dass sich viele Menschen infizieren könnten. Meist haben nur wenige Menschen so engen Kontakt zu ihnen, dass sie sich anstecken.

Trotzdem reisen sofort internationale Helfer von den Ärzten ohne Grenzen (MSF) und der WHO nach Guinea, um die Seuche einzudämmen. Je schneller die internationale Gemeinschaft reagiert, desto schneller ist der Albtraum vorbei. Auch für die Nachbarländer. „Das Virus darf nicht in den Krankenhäusern um sich greifen“, sagt Becker. Sonst bricht Panik aus, die Kranken meiden die Kliniken und können kaum isoliert werden. „In afrikanischen Großstädten begünstigen außerdem die hygienischen Verhältnisse die Ausbreitung.“

Das Stigma der Hexerei

Die Helfer richten in Guéckédou, Macenta und Kissindougou Quarantänestationen ein und klären die Bevölkerung gemeinsam mit traditionellen Heilern über Ebola auf: woher die Krankheit kommt, was bei der Krankenpflege und der Bestattung zu beachten ist. Ihre Arbeit nützt auch den Ebola-Überlebenden. An ihnen haftet sonst oft das Stigma der Hexerei. „Wir wissen nicht genau, warum Ebola derart gefährlich ist“, sagt Becker. Sicher ist: Ebola bringt das menschliche Immunsystem völlig durcheinander. Bei manchen Patienten antwortet es zu heftig – nach dem Motto: „Da werfe ich alles drauf, was ich habe!“ Dann stirbt der Mensch an der eigenen Abwehrreaktion. Oder es lässt sich von den Viren täuschen und ignoriert den Fremdkörper. Es folgen bald die typischen Symptome.

Eigentlich ist es nicht im Interesse des Virus, seinen Wirt zu töten. Ebola befällt normalerweise afrikanische Flughunde und Fledermäuse, zum Beispiel rund um den Lake Edwards in Zentralafrika. Diese Tiere werden nicht krank, im Lauf der Evolution haben Virus und Immunsystem ein Gleichgewicht gefunden. Springt das Virus aber auf Affen über, verenden die Tiere genauso wie infizierte Menschen. So erging es auch den Schimpansen im Tai-Nationalpark in Liberia. Je mehr der Mensch auf der Jagd, beim Roden des Regenwalds oder als Tourist in zuvor unberührte Gebiete vordringt, desto öfter kommt er mit wilden Tieren und deren Viren in Kontakt. Bei Ebola gibt es dann kaum Hilfe: Es gibt bisher keine Therapie, die das Virus in die Schranken weist.

Reisewarnung des Auswärtigen Amtes

Das Auswärtige Amt in Berlin rät derzeit dringend von Reisen in die betreffende Region Region Macenta (Waldguinea) ab. Allein in dieser Region starben in den letzten Wochen 50 Menschen. Da eine Ausbreitung der Epidemie nicht auszuschließen sei, gilt der Reisehinweis des Auswärtigen Amtes auch für die Grenzgebiete zu Liberia und Sierra Leone.

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