Die gefährlichsten Viren

Platz 1: Marburg-Virus

Das Marburg Virus wurde nach der Stadt Marburg genannt, wo es 1967 fast ein komplettes Labor eliminierte. Die Angestellten hatten mit infizierten Versuchsaffen aus Afrika gearbeitet. Seine Mortalität beträgt bis zu 90 Prozent, je nach Strang.

Epidemiologisch bleibt das Virus auf den afrikanischen Raum begrenzt, hier speziell Angola, Uganda und Kenia. Das Virus ist ein RNA-Virus der Familie Filoviridae (fadenförmig). Sein Reservoir (Tiere, die das Virus beherbergen, aber nicht selbst erkranken) ist nicht bekannt. Man vermutet als Überträger den Nilflughund, der in Afrika, aber auch in Europa vorkommt.

Der hochpathogene Erreger verursacht nach einer Inkubationszeit von fünf bis zehn Tagen ein hämorrhagisches Fieber: Das Virus ist in der Lage, die Blutgerinnung zu stoppen und innere Organe zu schädigen, so dass es zu inneren Blutungen kommt. Sobald diese massiv auftreten, führt das zum Tod des Opfers.

Die Infektion erfolgt über Körperflüssigkeitenaustausch und Schmier- oder Kontaktinfektion. Getrocknetes Blut bleibt noch fast eine Woche lang infektiös.

Aufgrund seiner Gefährlichkeit gewann das Marburg-Virus das Interesse des amerikanischen und russischen Verteidigungsministeriums. 1998 wurde ein Bioterrorismusangriff simuliert mit einer Variola-Marburg-Chimäre. Ergebnis: Ein ökonomischer Schaden von 26 Millarden Dollar pro 100.000 Infizierte.

Platz 2: Ebola-Virus

Gefürchteter Epidemie-Auslöser

Die Silbermedaille bleibt in der Familie. Wie das Marburg-Virus kommt das Ebola-Virus aus der Filoviridae Familie und ist ein RNA-Virus. Beide weisen eine Reihe von Ähnlichkeiten auf. Eine davon ist die Mortalität, die bei 89 Prozent liegen kann. Das Virus verursacht das Ebolafieber beim Menschen und Primaten wie Gorillas und Schimpansen.

Auch dieses Fieber ist ein hämorrhagisches Fieber mit einer Inkubationszeit von acht bis 15 Tagen. Das Herkunftgebiet liegt in Zentralafrika. Aber auch eine südostasiatische Variante (Subtyp Reston, der für Menschen unbedenklich ist) ist bekannt.

Seinen ersten Auftritt hatte das Ebola-Virus im Jahr 1976 in Zaire und im Sudan. Seine Namensgebung erfolgte nach dem kongolesischen Fluss Ebola, in dessen Nähe der erste Ausbruch auftrat. Damals erkrankten 318 Menschen, von denen 280 starben. Dies war gleichzeitig auch die größte Epidemie. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 1995 forderte mit einer Letalität von 80% 245 Todesopfer bei 315 am Ebolafieber erkrankten Personen.

Der Übertragungsweg ist der gleiche wie beim Marburg-Virus plus Tröpfcheninfektion. Das Reservoir ist bis heute nicht zweifelsfrei bestätigt. Auch hier gibt es wieder Hinweise auf den Flughund. Die weitere Übertragung erfolgt durch Fallenlassen von angefressenen Früchten, die von Affen aufgegriffen und verzehrt werden.

Platz 3: Hanta-Virus

Auch in Deutschland verbreitetes Killervirus

Hanta-Virus ist ein Oberbegriff für eine Reihe von humanpathogenen Arten wie das Hantaan-Virus, Seoul-Virus, Korea-Fieber-Virus oder Sin-Nombre-Virus, um nur einige zu nennen. Es handelt sich hier um ein RNA-Virus aus der Bunyaviridae Familie. Es verursacht nach einer Inkubationszeit von 14 bis 28 Tagen Lungenerkrankungen, akutes Nierenversagen und hämorrhagisches Fieber. Die Mortalität liegt bei 62 Prozent.

Hanta-Viren sind nicht lokal begrenzt. In Deutschland sind sie in Regionen wie Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg nachgewiesen worden. In diesem Fall handelt es sich um den Puumala-Virus, der besonders im Frühjahr aktiv wird und zu Erkrankungen führt, die mit plötzlichem Nierenversagen einhergehen.

Seine Namensgebung verdankt das Virus einem koreanischen Fluss, in dessen Nähe in den 1950er-Jahren Tausende von amerikanischen Soldaten während des Koreakrieges mit dem Virus infiziert wurden. Sein Reservoir sind verschiedene Nager, besonders Mäuse, die das Virus in Fäkalien und Urin in großen Mengen ausscheiden. Der Infektionsweg erfolgt durch eine Kontaktinfektion über die Atemwege.

Platz 4: H5N1-Virus, Vogelgrippe

Vogel-Virus zerstört die Lunge

Der Vogelgrippe-Virus is ein Influenza-Virus, ein RNA-Virus aus der Familie der Orthomyxoviren. Die Mortalität liegt bei 60 Prozent. Die Inkubationszeit beträgt nur vier bis acht Tage. Sein Reservoir sind Vögel, die nur von Influenza-A-Viren aus dieser Familie befallen werden. Durch permanente, rasche Mutationen sind neue Varianten entstanden, die in 16 H-Untertypen und neun N-Untertypen aufgeteilt sind.

Der Subtyp A/H5N1 enthält weitere Varianten mit hoher Virulenz. Die asiatische H5N1-Variante ist besonders aggressiv und pathogen. Es bewirkt, dass es bei einem Infizierten in der Lunge zu einer Freisetzung von Zytokinen (Entzündungsmediatoren) kommt, die unter normalen Umständen eine normale Immunantwort auf das Pathogen provozieren. Da diese Zytokinfreisetzung jedoch exzessiv verläuft, kommt es zu einer unangemessen starken Immunantwort, die das Lungengewebe zerstört. Die Folge sind toxischer Schock und Multiorganversagen.

Das Virus kann in Eis gehalten unbegrenzt infektionsfähig bleiben. Bei Temperaturen von 56 und mehr Grad überlebt es nur um drei Stunden. Ab 70 Grad wird es zerstört und verliert jedes Infektionspotential. Der Übertragungsweg von Vögeln auf den Menschen erfolgt über den Umgang mit Vogelblut und -kot.

Auf Grund der großen Datenmenge, die auch der WHO vorliegt, schätzen die Experten das Risiko einer H5N1 Infektion als nicht sehr hoch ein. Seit Ausbruch der Vogelgrippe erkrankten weltweit 502 Menschen, von denen allerdings 298 verstarben. Das Virus ist bereits seit 1959 bekannt.

Platz 5: Lassa-Virus

In Westafrika dauerhaft auftretend

Das Lassafieber tauchte 1969 zum ersten Mal auf. Eine amerikanische Missionsschwester in Lassa, Nigeria starb an einer mysteriösen Infektion. Kurz darauf erkrankte eine Zweite und wurde zur Behandlung in die USA geflogen. Zwei der Wissenschaftler, die das Virus isoliert hatten, erkrankten ebenfalls. Einer dieser Wissenschaftler starb in der Folge. Verursacher der Infektion war ein RNA-Virus aus der Familie der Arenaviridae. Sein Reservoir sind Kleinnager.

Das Verbreitungsgebiet des Lassa-Virus liegt primär in westafrikanischen Ländern. Dort ist die Erkrankung endemisch – räumlich auf eine Region begrenzt, in diesem Gebiet aber zeitlich unbegrenzt auftretend. 15 Prozent der dortigen Kleinnager sind mit dem Virus belastet. Eine Übertragung des Virus erfolgt über Kontakt- und Schmierinfektion über die Ausscheidungen der Reservoirwirte auf Lebensmittel, die anschließend vom Menschen verzehrt werden. Weitere Übertragungswege sind etwa Geschlechtsverkehr, Tröpfcheninfektion oder Wundinfektion.

Die Inkubationszeit liegt bei zehn Tagen. Danach setzt ein schleichender Krankheitsverlauf ein mit grippeähnlichen Symptomen und Dauerfieber von 40 Grad. Es treten im weiteren Verlauf Exantheme (Hautausschlag) im Gesicht und Hals, Durchfälle, kolikartige Bauchschmerzen und Lymphknotenschwellungen auf. Ulzerationen (Geschwürbildungen) und Schwellungen erschweren die Nahrungsaufnahme. Die Blutungsneigungen nehmen vermehrt zu aufgrund von Gefäßwandschäden der Kapillaren. Die Niere wird angegriffen. Während die „normale“ Mortalität bei knapp 20 Prozent liegt, erreicht sie bei Schwangeren 50 Prozent.

Platz 6: Junin-Virus

Killvervirus mit unklaren Symptomen

Das argentinische hämorrhagische Fieber wird verursacht durch das Junin-Virus, einem Arena-Virus. Es führt zu einer Veränderung des vaskulären, neurologischen und immunologischen Systems und hat eine Mortalitätsrate etwa 30 Prozent.

Es erzeugt neben hämorrhagischem Fieber Symptome wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Hautblutungen und gelegentlich Sepsis. Ansonsten sind die Symptome relativ unspezifisch, so dass die Erkrankung oft mit anderen Konditionen verwechselt wird.

Das Virus wurde schon 1958 entdeckt. Sein Verbreitungsgebiet ist seitdem auf Argentinien beschränkt geblieben, obwohl es sein ursprüngliches Einzugsgebiet von 15.000 Quadratkilometer in 1958 auf 150.000 in 2000 hat vergrößern können.

Sein Reservoir sind Nagetiere, deren Ausscheidungen Nahrungsmittel und Wasser verunreinigen. Aber auch die Inhalation von Staubpartikeln mit Urin sind denkbar.

Platz 7: Krim-Kongo-Fieber-Virus

Gefährlichstes aller Zeckenbiss-Viren

Das Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV) ist ein RNA-Virus, das auf Grund seines Übertragungsweges zur Gruppe der Arboviren gehört. Taxonomisch gehört es zur Bunyaviren Familie. Die Mortalität liegt bei 30 Prozent.

Das Virus ist schon seit 1956 bekannt, als es erstmalig in Belgisch-Kongo aus menschlichem Blut isoliert wurde. Ähnliche Erkrankungen wurden in den 1940er Jahre in der Krim beobachtet. Die letzten Vorfälle ergaben sich Sommer 2006 in der türkischen Provinz Corum, wo mehrere Todesfälle auftragen.

Reservoir des Virus sind grasfressende Haus- und Wildtiere, beziehungsweise deren Hyalomma-Zecken. Damit ist das CCHFV das gefährlichste Virus, das über Zeckenbisse übertragen wird. Der Süden des Balkans scheint besonders von diesen Zecken betroffen zu sein. Ein weiterer Übertragungsweg ist der Kontakt mit dem Blut oder Fleisch erkrankter Tiere wie Ziegen oder Kühe. Eine Infektion von Mensch zu Mensch erfolgt durch infiziertes Blut, Speichel, Kot und Urin.

Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei Tagen und zwei Wochen. Wie bei allen hämorrhagischen Fieberformen kommt es zu einer erhöhten Blutungsneigung. Hier stehen Darm und Haut im Vordergrund. Daneben kann es zu Bluterbrechen und einer generalisierten Blutungsneigung kommen.

Weitere Symptome sind neben Fieber, das über fast zwei Wochen konstant sein kann, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Reizbarkeit und Schüttelfrost. Der Tod tritt oft in der zweiten Woche der Erkrankung ein, als Folge von Multiorganversagen.

Platz 8: Der schwarze Tod aus Bolivien

Das Machupo-Virus ist der Verursacher des bolivianischen hämorrhagischen Fiebers, auch „schwarzer Typhus“ genannt. Die Fiebererkrankung wird meist von starken Blutungen begleitet. Das Virus ist ein RNA-Virus der Arenaviridae. Seine Mortalität liegt bei 30 Prozent.

Es wurde erstmalig 1959 identifiziert. Sein Reservoir sind Nager der Gattung Calomys callosus (Vespermäuse), die nur in Nord-Bolivien vorkommen. Die befallenen Tiere erscheinen asymptomatisch. Sie scheiden das Virus in ihren Ausscheidungen aus, die dann über verunreinigte Nahrung und Wasser in den Menschen gelangen.

Junin-Virus und Machupo-Virus zeigen ein gewisses Maß an Kreuzreaktivitäten, was bei einer Immunisierung von Vorteil sein würde: Antikörper, die gegen eines der Viren gebildet werden, sind auch gegen das andere wirksam. Die Symptomatik gleicht der einer Junin-Virus-Infektion.

Platz 9: KFD-Virus

Kurzer, intensiver Krankheitsverlauf

Das KFD-Virus löst das sogenannte Kyasanur-Wald-Fieber aus. Es ist ein RNA-Virus aus der Falviviridae Familie. Es ist verantwortlich für eine Mortalität von etwa 15 Prozent. Sein Vorkommen ist auf Süd-West-Indien und Nord-Ost-Pakistan begrenzt.

Das Virus wurde zwischen 1955 und 1957 in einem Waldgebiet an der Südwestküste Indiens entdeckt. Erst 1990 wurde die Erkrankung als eigenständige Erkrankung erkannt. Das Reservoir ist nicht bekannt, außer dass Zeckenbisse die Erreger auf den Menschen übertragen. Man vermutet jedoch, dass Stachelschweine, Eichhörnchen, Ratten und Mäuse zum Reservoir gehören. Nebenwirte können Vögel und Fledermäuse sein. Sie sorgen vor allem für eine intensivere Verbreitung der Zecken.

Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt drei bis sieben Tage. Neben Fieber, Kopfschmerzen, Glieder- und Muskelschmerzen kann eine hämorrhagische Variante dazukommen. Es kommt dann zu Blutungen aus Mund, Nase und im Magen-Darm-Trakt. Eine eigene Therapie gibt es für diese Krankheit nicht.

Platz 10: Dengue-Virus

Enorm ansteckend und tödlich

Denguefieber oder Knochenbrecherfieber wird durch ein RNA-Virus aus der Falviviridae Familie verursacht, dem Dengue-Virus. Seine Mortalität liegt bei zehn Prozent.

Übertragungswege sind infizierte Mücken, die, ähnlich wie bei der Malaria, vor dem Blutsaugen Speichel in das Blutgefäß des Opfers abgeben, um die Blutgerinnung in der Einstichstelle zu verhindern. Der Speichel enthält die Viren, die sich dann im Organismus des neuen Wirts ausbreiten können. Außer verschiedenen Stechmückenarten sind als Reservoir nur Mensch und Primaten bekannt.

Die Krankheit verläuft meist mit unspezifischen Symptomen oder auch mit Symptomen einer Grippe. Es kann allerdings auch zu inneren Blutungen kommen. Schwere Verläufe erfolgen als Dengue Hämorrhagisches Fieber (DHF) oder als Dengue shock syndrome (DSS).

Von allen aggressiven viralen Erkrankungen scheint das Dengue-Virus das Einzige zu sein, dass in der Lage ist, seine infektiösen Aktivitäten auf eine große Zahl von Opfern auszubreiten. Seine Mortalität liegt mit zehn Prozent weit hinter der Nummer 1, dem Marburg-Virus (90 Prozent Mortalität), zurück. Die Verbreitung ist allerdings ungleich höher: Laut WHO infiziert das Dengue-Virus schätzungsweise jährlich bis zu 100 Millionen Personen weltweit.

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