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Das Vogelgrippe und Geflügelpest A B C

Bei einer toten Reiherente, die in Isernhagen gefunden wurde, hat sich der Verdacht auf Geflügelpest bestätigt. Um den Fundort wird ab Dienstag ein Sperrbezirk gezogen. Hunde im Umkreis von rund 10 Kilometern müssen an die Leine, Katzen im Haus bleiben. Das müssen Anwohner jetzt noch wissen.

Können Hunde und Katzen sich anstecken?  

Bisher sind keine Fälle bekannt, bei denen Hunde oder Katzen durch das Geflügelpestvirus krank geworden sind. Hunde und Katzen können das Virus aber aufnehmen und weiterverbreiten, ohne selber zu erkranken. Damit können sie das Virus weitertragen und sollten daher von erkranktem Geflügel fern gehalten werden.

Kann ich meinen Hund oder meine Katze impfen lassen?

Eine Impfung gegen Geflügelpest ist nicht verfügbar und wäre durch die große Variabilität des Virus auch nur bedingt sinnvoll.

Worin besteht genau die Gefahr?  

Mit dem Freilaufverbot für Hunde und Katzen soll verhindert werden, dass sie tote Wildvögel finden und durch die Gegend schleppen, sodass sich das Virus H5N8 weiter ausbreitet. Manche Hunde fressen auch gern Aas. Erkrankte Tiere lassen sich zudem in der Regel einfacher jagen, sodass sie für Katzen zu einer leichten Beute werden.

Gilt das Freilaufverbot auch für Jagdhunde?  

Jäger dürfen ihre Hunde nur noch angeleint mit ins Revier nehmen. Auch alle anderen Hundehalter müssen ihre Tiere wie zur Brut- und Setzzeit wieder an der Leine führen – und das nicht nur in der freien Landschaft, sondern auch in den Ortschaften.

Was können Katzen- und Hundehalter tun, damit ihre Tiere sich auch mal im Freien tummeln können?

Sie können bei der Region Hannover unter  www.hannover.de/vogelgrippe einen Ausnahmeantrag stellen. Die Halter müssen genau begründen, warum sie für ihre Katze oder ihren Hund eine Ausnahmegenehmigung haben wollen und wie sie den Freilauf gestalten wollen. Gute Chancen, dass der Antrag genehmigt wird, haben beispielsweise Katzenhalter, die sich dazu verpflichten ,ihre Tiere nur unter Aufsicht frei laufen zu lassen. Man kann auch eine Katze an der Leine spazieren führen – wenn sie es sich gefallen lässt.

Haben Sie Tipps für Katzenhalter, deren Tiere an Freilauf gewöhnt sind?

Katzen, die an Freilauf gewöhnt sind, lassen sich nur schwer längerfristig in der Wohnung halten. Wichtig ist, die Tiere zu beschäftigen und sie auszulasten. Da Katzen das Virus übertragen können, ist es wichtig, Infektionsketten zu unterbrechen. Katzen sollten daher von den Nutzgeflügelbeständen ferngehalten werden. Sie sollten auf keinem Fall Zugang zu den Stallungen haben, oder dort als „Schädlingsbekämpfung“ gegen Mäuse oder Ratten eingesetzt werden.

Wie wichtig ist es, dass sich jeder an die Auflagen in der Beobachtungszone hält?  
Das ist sehr wichtig. Das gilt vor allem auch für private Geflügelhalter mit nur wenigen Tieren. Auch sie müssen ihre Hühner, Enten oder Gänse im Stall lassen und die Hygienevorschriften beachten. Würde ein Vogelgrippefall in solch einem Kleinbestand auftreten, hätte das große Auswirkungen auf die Geflügelbetriebe sowie Hunde- und Katzenhalter im weiten Umkreis.

Was sollte man tun, wenn man Tierhalter beobachtet, die sich nicht an die Auflagen halten?  
Die Region hat ein großes Interesse daran, dass sich alle daran halten und eventuelle Verstöße gemeldet werden.

Weitere Hinweise für Anwohner

Was sollen Bürger tun, die eine verendete Ente an einem See oder eine verendete Meise im Garten finden?

Singvögel und Tauben sind von der Vogelgrippe äußerst selten betroffen und müssen nicht gemeldet werden. Bei Wildvögeln können Wasservögel, Greifvögel, Eulen, Störche, Kraniche, Krähen, Elstern, Fasane und Rebhühner an der Geflügelpest sterben. Wer einen verendeten Vogel entdeckt, sollte ihn nicht berühren. Finder sollten in der Landeshauptstadt die Feuerwehr und im Umland die Veterinärbehörde der Region unter (05 11) 61 62 20 95 verständigen.

Welche Regeln sind bei der Winterfütterung von Vögeln im Garten zu beachten?

Singvögel tragen das Virus normalerweise nicht in sich. Derzeit finden die Gartenvögel ausreichend Nahrung ohne eine besondere Fütterung. Grundsätzlich empfiehlt die Veterinärbehörde der Region, Futterschalen regelmäßig zu reinigen – unabhängig von der Geflügelpest. Der beste Schutz vor Krankheitserregern ist es, sich regelmäßig und gründlich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen.

Was müssen Besitzer von Wellensittichen und Kanarienvögeln beachten?

Das Risiko für Wellensittiche und Kanarienvögel, sich mit der Vogelgrippe zu infizieren, ist gering, zumal die Tiere meist im Haus gehalten werden. Auch für Volieren im Außenbereich gibt es keine besonderen Vorschriften.

Gelten die verschärften Hygieneregeln wie das Desinfizieren nach Stallbesuchen auch für private Geflügelhalter, die vier Hühner oder zwei Enten haben?

Ja, die strengen Hygieneregeln gelten für alle Geflügelhalter.

Wie kontrollieren die Behörden die Einhaltung?

Die Region hat festgestellt, dass Nachbarn sehr aufmerksam verfolgen, wie Geflügelhalter mit den Tieren angesichts der Vogelgrippe umgehen, berichtet Sprecherin Christina Kreutz. Daher gebe es derzeit viele Hinweise auf Tiere, bei denen die Stallpflicht nicht eingehalten werde.

Welche Sanktionen drohen Geflügelhaltern, wenn sie gegen die Vorschriften verstoßen?

Möglich sind gebührenpflichtige Verwaltungsmaßnahmen und Ordnungswidrigkeitsverfahren von bis zu 30.000 Euro. Möglich wären auch privatrechtliche Haftungsforderungen von anderen Geflügelhaltern oder der Wirtschaft.

Vogelgrippe: In immer mehr Kommunen gilt Stallpflicht

Mehr als 300.000 Hühner, Enten, Gänse und Puten müssen jetzt eingesperrt werden müssen. Betroffen sind Züchter in Dortmund, Hagen und dem Kreis Unna. Grund ist der Fund einer toten Wildente mit Vogelgrippe-Virus am Hengsteysee. Der Umkreis von einem Kilometer um die Fundstelle des toten Tieres wurde zudem zum Sperrbezirk erklärt. Das  heißt, alle Züchter dort dürfen erstmal keine Tiere und zum Beispiel auch keine Eier mehr verkaufen.

Die Behörden wollen auf diese Weise verhindern, dass die Krankheit auf Nutztiere überspringt. Die Schutzmaßnahmen kurz vor dem Weihnachtsgeschäft erfordern von den Züchtern einiges an Improvisationstalent: Wer nicht genügend Platz in den Ställen hal, muss Zelte oder Ähnliches organisieren.

  • Mehr als 300.000 Tiere müssen in den Stall
  • Manche Geflügelzüchter brauchen zusätzlich Zelte
  • Anleinpflicht für Hunde

Dabei werden alle Hühner, Gänse und anderes Geflügel von Tierärzten auf Krankheitsanzeichen hin kontrolliert. In sehr großen Betrieben nehmen sie auch Blutproben, die dann im Labor analysiert werden. Sollte in einem der Ställe der Erreger festgestellt werden, müssten dort alle Tiere notgeschlachtet werden. Bislang wurde der Erreger in NRW allerdings nur bei Wildvögeln gefunden.

Verbreitung auch durch Hunde und Katzen

Auch Hunde- und Katzenbesitzer müssen aufpassen. In den kommenden Wochen sollen sie ihre Hunde an der Leine führen. Freilaufende Katzen sollten in dieser Zeit in der Wohnung bleiben. Die Verhaltensregeln sind eine Vorsichtsmaßnahme, denn die Tiere können sich zwar nicht mit dem H5N8-Erreger anstecken, ihn allerdings weiter verbreiten.

 

Nach Keulung startet Ursachensuche

Nach der Keulung von 30.000 Hühnern auf einem Hof im Kreis Schleswig-Flensburg wollen Experten heute die Ursache für den Ausbruch der Vogelgrippe herausfinden. Wie das Landwirtschaftsministerium in Kiel mitteilte, wird ein Team vom Greifswalder Friedrich-Loeffler-Institut die Massentierhaltung in Grumby untersuchen. Mit der Tötung der Hühner war am Sonntag begonnen worden. Anschließend sollen die Ställe gereinigt und desinfiziert werden.

Bei der Keulung werden die Hühner von einem Spezialbetrieb durch Stromschläge getötet und anschließend entsorgt. In der aktuellen Vogelgrippe-Welle war in Schleswig-Holstein erstmals das hochansteckende H5N8-Virus in einer geschlossenen Tierhaltung nachgewiesen worden. Unklar ist, wie das Virus in den Stall kam. „Die Situation ist besorgniserregend. Wir können nur hoffen, dass es ein Einzelfall ist“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

„Tote Wildvögel melden“

Die Vogelgrippe ist zurück in Deutschland. Wie gefährlich die Seuche ist, erklärt Deutschlands oberster Tierseuchenexperte, Thomas Mettenleiter.

Herr Mettenleiter, ist die Vogelgrippe wieder zurück in Deutschland?

Thomas Mettenleiter: Wir sehen derzeit ein Vogelgrippegeschehen bei Wildvögeln in Deutschland im Norden entlang der Ostseeküste, aber auch im Süden am Bodensee. Dort haben auch Schweiz und Österreich Vogelgrippefälle gemeldet. Die Niederlande, Polen, Ungarn und Kroatien haben ebenfalls Infektionen mit dem hochpathogenen Vogelgrippevirus H5N8 festgestellt. Ein kleiner Putenbestand in Schleswig-Holstein ist ebenfalls betroffen.

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Fälle von Vogelgrippe, nicht nur in Asien auch in Europa, warum erreicht das Virus jetzt wieder Deutschland?

Der jetzt wieder aufgetretene Erreger vom Typ H5N8 wurde schon 2014 und 2015 in Europa nachgewiesen. Jetzt hat er sich möglicherweise etwas verändert, das untersuchen wir gerade. Da sich Influenzaviren aber ständig verändern, wäre das nicht unerwartet.

Was ist dieses Mal anders als bei der letzten großen Vogelgrippe-Welle in Deutschland vor zehn Jahren?

2006 hat das Virus vom Typ H5N1 zu einer Epidemie bei Wildvögeln geführt, jetzt ist es H5N8, also ein anderer Erreger. Beides sind Viren des hochpathogenen Typs, also stark krankmachend für Nutzgeflügel.

Wie groß ist die Gefahr für Menschen sich mit dem Virus anzustecken?

Bisher sind uns keine Infektionen des Menschen mit H5N8 bekannt. Im Gegensatz zu H5N1 ist H5N8 noch nie beim Menschen nachgewiesen worden.

Was raten Sie Bürgerinnen und Bürgern, kann man noch in den Zoo gehen oder Enten füttern?

Derzeit ist es wichtig, Funde von toten Wildvögeln, vor allem Wasservögel wie Enten oder Gänse an die örtliche Veterinärbehörde zu melden. Dann kennen die Behörden die Fundorte genau und können die notwendigen Untersuchungen einleiten. Enten füttern ist nach wie vor möglich.

Einige Umweltschützer sehen die eigentliche Quelle für die Grippe nicht bei den Wildvögeln, sondern bei der kommerziellen Geflügelhaltung, was sagen Sie dazu?

Das nahezu gleichzeitige Auftreten von H5N8 zunächst ausschließlich bei Wildvögeln in Kroatien, Polen, Ungarn, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden deutet klar auf ein primäres Seuchengeschehen im Wildvogelbereich in Europa hin, nicht im Nutzgeflügelbestand. Dies ähnelt der Situation von vor zehn Jahren mit der Wildvogelepidemie durch H5N1.

 

Geflügelpest: Erster Verdacht bei Nutzgeflügel

Die Geflügelpest in Schleswig-Holstein weitet sich nach Angaben des Umweltministeriums aus. Heute wurden erstmals Proben von verendeten Puten aus einer kleinen Geflügelhaltung positiv auf Vogelgrippe-Viren des Subtyps H5 getestet, teilte das Ministerium mit. Eine endgültige Feststellung der Geflügelpest durch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) stehe noch aus. Alle 18 Puten des Halters verendeten. Weitere Tiere des kleinen Betriebes müssen nun vorsorglich gekeult werden. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einer schlechten Nachricht. „Angesichts der hohen Aggressivität des Virus war eine solche Entwicklung aber zu erwarten“, sagte der Minister. Sie sei sehr besorgniserregend. Er unterrichtete bereits das Bundeslandwirtschaftsministerium über die Lage.

Stallpflicht im ganzen Land
Laut Umweltministerium hatte der Tierhalter seine Tiere nach Bekanntwerden des Geflügelpestverdachts bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein ausschließlich im Stall gehalten. Landesweit müssen Hühner, Gänse und alle anderen Geflügelarten im Stall oder einer Volière bleiben. Bei einer Gruppe toter Enten im Kreis Rendsburg-Eckernförde konnten Experten ebenfalls den Geflügelpest-Erreger H5N8 nachweisen. Die fünf toten Vögel lagen nach Angaben der Kreisverwaltung am Ufer der Schlei in der Gemeinde Fleckeby. Nach Schleswig-Holstein ist jetzt auch Mecklenburg-Vorpommern von der Vogelgrippe betroffen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) teilte mit, das besonders ansteckende Virus sei bei mehreren toten Wildvögeln im Raum Greifswald nachgewiesen worden. In Mecklenburg-Vorpommern und in Hamburg gilt von Montag an eine Stallpflicht. Auch mehrere Landkreise in Niedersachsen reagierten auf den Ausbruch und verhängten mit sofortiger Wirkung vorsorglich eine Stallpflicht.

Vogelgrippe ist zurück in Deutschland

Die Vogelgrippe ist zurück in Deutschland: Für das Sterben von mehr als 200 Vögeln in Schleswig-Holstein ist das Virus H5N8 verantwortlich. Auch aus Süddeutschland und Nachbarländern wurden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Bisher sind nur Wasservögel und keine Geflügelbestände betroffen. Experten sind in großer Sorge und raten zur Vorsicht.

Eine gefährliche Form der Vogelgrippe ist in Schleswig-Holstein ausgebrochen. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erließ am Dienstag im ganzen Bundesland eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel. Betroffen sind rund 12 000 Geflügelhalter mit fast fünf Millionen Hühnern, Puten, Enten oder Gänsen. Dies sei ein harter Eingriff, sagte Habeck. «Aber der Ausbruch in einem Bestand hätte noch gravierendere Folgen.» Bei einem Befall müsste ein Bestand komplett gekeult werden. Auch aus Polen, Kroatien, Ungarn und am Bodensee wurden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang zwischen den Ausbrüchen gibt.

Im Kreis Plön in Schleswig-Holstein wurde bei toten Wildvögeln Vogelgrippe festgestellt. Das Veterinäramt richtete einen Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein.
Durch Zugvögel könnte die Verbreitung des Virus kaum mehr kontrollierbar werden Insbesondere an toten Reiherenten, aber auch Blässhühnern, Schwänen, Gänsen sowie Möwen an mehreren Plöner Seen wurde erstmals in Schleswig-Holstein der Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Das bestätigte das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Dienstag auf der Ostseeinsel Riems (Mecklenburg-Vorpommern).
„Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend“, sagte Habeck. Angesichts der akuten Vogelgrippe-Fälle in Polen, Kroatien, Ungarn und am Bodensee sehe er ein großes Krisenszenario. Es bestehe der Verdacht, dass es sich um den gleichen Erreger handeln könnte, auch wenn das Ergebnis vom Bodensee noch ausstehe. In Polen ist es der gleiche Erreger. Das polnische Veterinäramt schloss einen Zusammenhang zu den jüngst entdeckten Vogelgrippe-Fällen in Deutschland nicht aus. Das Ausbreiten des Virus durch Zugvögel sei nicht zu kontrollieren. Auf die Frage, ob er eine bisher nicht dagewesene Dimension der Vogelgrippe befürchte, antwortete Habeck: „Ja, die Sorge ist da.“

250 tote Vögel in mehreren Seen bei Plön
Es handelt es sich um eine Geflügel stark krankmachende Variante, die deswegen auch Geflügelpest genannt wird. Bei fast jedem untersuchten Kadaver sei das Virus festgestellt worden, ergänzte ein Experte des Ministeriums. Sämtliche zu untersuchenden Kadaver waren per Kurierdienst schnellstmöglich zum FLI gebracht worden.

Seit dem Wochenende wurden mehr als 200 tote Vögel im Großen Plöner See und angrenzenden Seen entdeckt. Am Dienstag bargen mit Mundschutz und Gummihandschuhen geschützte Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke etwa 50 weitere Kadaver. Die Situation ändere sich ständig, sagte ein Experte des Ministeriums. Die Entwicklung sei nicht absehbar. Sollten weitere Kadaver aus anderen Seen ebenfalls belastet sein, müssten die Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete ausgeweitet werden.
Für Menschen besteht wahrscheinlich keine Gefahr
Das Risiko für Menschen durch den H5N8-Erreger gilt als sehr gering.

„Infektionen des Menschen mit H5N8 Viren sind bislang nicht bekannt“, zitierte Habeck das Bundesinstitut für Risikobewertung. „Eine Übertragung des Erregers (H5N8) über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.“

Aus den Sperrbezirken dürfe 21 Tage und aus Beobachtungsgebieten 15 Tage Geflügel nicht gebracht werden. Auch der Handel in den Bezirken sei verboten. Die Bestände im Sperrbezirk müssen zudem regelmäßig untersucht werden. Außerdem müssen Proben genommen werden und es gelten strenge Maßnahmen etwa zu Stallhygiene und Desinfektion.
Aufstallungsgebot in ganz Schleswig-Holstein.

Das landesweite Aufstallungsgebot begründete Habeck damit, dass verschiedene Wildvogelarten betroffen sind, die nicht nur am Wasser bleiben. Der Geflügelwirtschaftsverband Schleswig-Holstein und Hamburg begrüßte das landesweite Aufstallungsgebot, „wenngleich diese Maßnahme kontinuierlich auf Basis der sich stets ändernden Risikoabschätzung überprüft werden sollte“.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) Schleswig-Holstein appellierte, Wildvögel nicht einseitig als Ursache in den Fokus zu rücken. „Die Erfahrungen bei den vergangen Fällen von Vogelgrippe haben gezeigt, dass die größten Infektionsherde häufig rund um die industriellen Geflügelhaltungen zu finden waren“, sagte Ole Eggers, Bund-Landesgeschäftsführer in Schleswig-Holstein. Die Übertragungswege müssten unvoreingenommen aufgeklärt werden.
Zuletzt traten im Winter 2014 Fälle der Vogelgrippe H5N8 in Deutschland auf. Damals waren vor allem Mastbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, aber auch in den Niederlanden betroffen. Als wahrscheinlichster Übertragungsweg wurden 2014 laut Bund die internationalen Handelsströme, insbesondere zu den Massentierhaltungsanlagen in Asien, identifiziert.

H5N1 – die Vogelgrippe

Seit 1996 wird die Vogelgrippe international sehr aufmerksam beobachtet, auch von der Weltgesundheitsorganisation. Denn es besteht der Verdacht, dass die hochpathogene A-Variante des Virus auf den Mensch und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Damit wäre eine neuerliche Pandemie der Influenza zu befürchten.

In südchinesischen Provinzen brach die Vogelgrippe zuerst aus, etwa 40 Prozent des dortigen Federviehs waren infiziert. Damals infizierten sich auch 19 Menschen mit dem Virus, die Behörden reagierten mit einer Massentötung des gesamten Hühnerbestands. Dies wurde als Erfolg ausgewiesen.

Doch das Virus breitete sich ab 2005 massiv weiter aus, zunächst Richtung Osteuropa. In mehreren Wellen erreichte es 2006 Mitteleuropa. Danach gab es nur noch vereinzelte Vorkommen der Vogelgrippe in Europa. In den USA und in Kanada tauchte die Vogelgrippe 2015 erstmals auf.

Vor zehn Jahren erreichte die Vogelgrippe Überlingen

Das weiße Blatt war damals nur in Folie eingeschweißt und mit Kabelbindern am Ortsschild befestigt. Es war nur Makulatur, denn es wusste aus den Nachrichten ohnehin jeder, was passiert war: Vor zehn Jahren, am 24. Februar 2006, wurde bestätigt, dass eine in Überlingen aufgefundene Tafelente an dem Vogelgrippe-Virus H5N1 verendet war, sie hatte sich mit der gefährlichen Asia-Variante infiziert. Neun Tage nach dem Fund rückte damals die Feuerwehr aus und desinfizierte die östliche Promenade vor den Seeschulen. Bilder der Männer in den ABC-Schutzanzügen gingen um die Welt, besser hätte man die Gefahr der Vogelgrippe nicht darstellen können. Dabei sollten die Schutzanzüge nur vor den Dämpfen des Desinfektionsmittels schützen.

Die Vogelgrippe musste damals an den Bodensee kommen, das war klar. Die Vogelgrippe wird von Zugvögeln übertragen, nach dem Ausbruch der Grippe im Jahre 2005 in China war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zugvögel sie an den Bodensee importieren würden: Im Durchschnitt überwintern am Bodensee 100 000 Zugvögel. Der Bodensee lag damals im Bereich der dritten Ausbreitungswelle, die von Osteuropa über Griechenland kam. Anfang 2006 war es dann soweit, und plötzlich hatte niemand mehr Appetit auf Geflügel und Eier.

„Seit zehn Jahren haben wir kein Geflügel mehr“, sagt Wilfried Möcking. Er hat damals zwar schon vorausschauend reagiert und bereits im Jahr vor dem Ausbruch der Vogelgrippe sein Geflügel reingeholt und in Ställen untergebracht. Aber mit der Einrichtung der Drei-Kilometer-Sperrzone um Überlingen war er dann trotzdem direkt betroffen. Fortan konnte er sein Geflügel nicht mehr auf dem Überlinger Markt anbieten. „Wir haben unsere Geflügelzucht dann aufgegeben.“ Die Aufgabe des Federviehs war die eine Sache, aber wie ging es weiter? „Wir haben uns komplett umgestellt“, erklärt Möcking. Die Räumlichkeiten wurden anders verwendet, in den ehemaligen Stallungen kam die neue Hofbäckerei unter.

Das war eine richtige Entscheidung, wie sich langfristig herausstellen sollte. Denn auch heute noch, zehn Jahre nach Ausbruch der Vogelgrippe, gilt noch die Einstellungspflicht für Geflügel im Bereich von 800 Metern vom Uferbereich des Bodensees – Möckings Hof in Seefelden wäre heute direkt davon betroffen, wenn er noch Geflügel hätte. Stattdessen gibt es heute frisches Möcking-Brot auf dem Überlinger Bauernmarkt.

„Die Vogelgrippe gibt es immer noch“, so die Information von Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte in Radolfzell. „Es ist zwar ruhig hier, aber in Südostasien kocht das Thema noch.“ Der Ausbruch der Vogelgrippe basiert nach seinen Worten auf der Geflügelzucht, dem Transport und auch auf den Wildtieren. „Wie das allerdings genau zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar.“ Eine Trennung dieser drei Parameter ist schon ein sehr wirksames Mittel. „So wie wir leben, besteht keine Gefahr“, betont er. Auch die „vernünftige Anwendung der Regeln“ stellt eine wirksame Prävention dar, explizit nennt er die 800-Meter-Regelung entlang des Bodenseeufers.

Die betrifft nicht unbedingt den Neuhof von Uwe und Gerhard Plessing in Bambergen hinter Überlingen, der liegt deutlich im Hinterland, weit hinter der 800-Meter-Linie. Vor zehn Jahren hielten sie hauptsächlich Gänse. „Das war kritisch damals“, sagt Gerhard Plessing rückschauend, auch wenn sie damals nicht direkt betroffen waren, da sie nicht auf dem Überlinger Wochenmarkt vertreten waren. Die Plessings sind immer noch Geflügelzüchter, heute halten sie Puten. „Die Vogelgrippe ist für uns heute kein Thema mehr“, betont er. Auch gibt es keine besonderen Vorkehrungen mehr, die sie beachten und umsetzen müssten. Für das Federvieh haben sie schon vor langer Zeit eine Überdachung gebaut. „Unsere Vögel sind die ganze Zeit im Stall oder unter Dach. Von der Seite haben die kein Kontakt zu den Wildtieren“, erläutert Gerhard Plessing. So gesehen sind auch die Maßnahmen auf dem Neuhof ein wirksamer Schutz gegen die Vogelgrippe.

Für mögliche Influenza-Pandemie: Bayern wappnet sich

Bayern will sich für den Fall einer Pandemie durch ein neuartiges Grippevirus rüsten. Der Bayerische Influenza-Pandemie-Rahmenplan soll dahingehend überarbeitet werden, wie das Bayerische Gesundheitsministerium mitteilte.

Einfließen sollen vor allem die Erfahrungen der jüngsten Pandemie, der sogenannten Schweinegrippe. «Auch wenn die Pandemie 2009/10 weitgehend moderat verlief, dürfen wir die potenzielle Bedrohung durch ein neuartiges, pandemisches Grippevirus keinesfalls unterschätzen», sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Eine Influenza-Pandemie bezeichnet eine international um sich greifende Epidemie durch ein Grippevirus. Durch die große Zahl von Erkrankten kann in einem solchen Fall das Gesundheitssystem an seine Grenzen stoßen. Der bayerische Rahmenplan setzt die Regelungen, die im Nationalen Pandemieplan von Bund und Ländern getroffen wurden, für Bayern um.