Archiv der Kategorie: Pandemie

Pandemie

Welttag des Händewaschens

Unter dem Motto „Mehr als nur ein Tag“ setzen sich Kinder, Eltern und Lehrer in aller Welt gemeinsam mit UNICEF für eine bessere Hygiene im Alltag ein. Die Beteiligten aus über 80 Ländern nehmen den Welttag des Händewaschens am 15.Oktober zum Anlass, über Zusammenhänge von Hygiene und Krankheiten aufzuklären, teilte UNICEF mit.

Wenn Händewaschen mit Seife zu einer Gewohnheit wird, reduziere dies das Risiko von Durchfallerkrankungen um mehr als 40 %, hieß es bei UNICEF. Die Organisation könne ein Stück Seife schon für 15 Cent bereitstellen.

Pferde-Seuche

In Burggen ist ein Fall von infektiöser Anämie bei einem Pferd aufgetreten. Die Krankheit ist nicht auf den Menschen übertragbar. Aber das Pferd muss getötet werden.

Vor einem Jahr hatte die Pferdebesitzerin, die noch ein weiteres Tier besitzt, das Tier in Rumänien gekauft – alles ordnungsgemäß, wie Konrad Renner, Veterinäramtsleiter in Weilheim, betont. Doch laut bayerischem Gesundheitsministerium gibt es in Rumänien Gebiete, in denen die Seuche fest verwurzelt ist. Dort hatte sich offenbar auch das Pferd der Burggenerin angesteckt, ohne dass es bemerkt wurde.

Doch zuletzt hatten sich im Bundesgebiet die Fälle von infektiöser Anämie gehäuft. Die Krankheit tritt eigentlich nur sporadisch auf, doch plötzlich gab es innerhalb der vergangenen vier Wochen mehrere Fälle in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz – und Bayern. Im Freistaat waren Pferdehöfe in den Regionen Main-Spessart, Würzburg und Tirschenreuth betroffen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Bei der Überprüfung der Fälle stellte sich die Verbindung zu Rumänien heraus – offenbar wurde die Seuche von dort eingeschleppt.

Deshalb forderte das Ministerium alle Veterinärämter am 20. September auf, eine von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung übermittelte Liste aller aus Rumänien stammenden Pferde zu überprüfen. „Von den geschätzt 10 000 bis 20 000 Tieren im Landkreis war das genau eines“, so Renner – und das erwies sich als Treffer. Am Mittwoch vergangene Woche wurde das Tier, das keine Symptome der Krankheit zeigte, untersucht und Blut abgenommen. Am Montag bestätigte das Landesamt für Gesundheit: Das Pferd ist tatsächlich erkrankt. „Der Betrieb wurde sofort gesperrt, und nachdem auch der Endbefund durch das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems positiv war, musste die Tötung des Tieres angeordnet werden“, sagte Renner. Es handele sich um ein normales Reitpferd in klassischer Hobbyhaltung. „Die Besitzerin ist natürlich am Boden zerstört“, so der Veterinäramtsleiter. Sie hoffe jetzt, dass ihr anderes Pferd gesund ist. Dessen Blut werde derzeit untersucht, ein Ergebnis soll am Dienstag vorliegen.

„Wir hoffen, dass der Fall glimpflich abgeht“, sagte Renner. Denn es habe kein Kontakt zu anderen Pferdehaltern bestanden, und ganz so einfach sei die Krankheit nicht übertragbar. Dennoch verbreitete sich die Nachricht über die Seuche wie ein Lauffeuer: „Wir haben sehr viele Anfragen bekommen, ein Pferd ist eben für die Besitzer etwas Besonderes.“ Das Veterinäramt wird unmittelbare Kontakttiere untersuchen und rät allen Pferdehaltern im Gemeindebereich Burggen, dasselbe zu tun. Ob das Burggener Pferd tatsächlich der einzige Rumänien-Import im Landkreis ist, kann Renner aber nicht sagen: „Hundertprozentige Sicherheit hat man da nicht.“ Es könnten also noch weitere ungeahnte Fälle in den Ställen schlummern.

Stichwort „Infektiöse Anämie“

-Die infektiöse Anämie ist eine virusbedingte Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe. Es ist nur für Einhufer (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras), nicht aber für andere Tierarten infektiös. Auch auf den Menschen ist es nicht übertragbar. Einmal infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger und potentielle Virusausscheider, auch wenn sie keinerlei Krankheitserscheinungen erkennen lassen. Diese „stummen“ Virusträger stellen für die Verbreitung der Erkrankung eine große Gefahr dar.

-Direkte Kontaktinfektionen von Tier zur Tier sind äußerst selten. Hauptüberträger sind blutsaugende Insekten (Bremsen, Stechmücken und Stechfliegen). Die zur Infektion notwendige Virusmenge wird dabei wohl nur durch mehrmaliges Stechen des Virusträgers und -empfängers erreicht.

-Der Zeitraum vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten von Krankheitsanzeichen (Inkubationszeit) schwankt zwischen einigen Tagen und sechs Wochen. Äußere Krankheitsanzeichen sind: Fieber bis 42°C, Appetitlosigkeit, Schwäche, Zittern, schwankender Gang, angelaufene Gliedmaßen bzw. Flüssigkeitsansammlung am Unterbauch oder Schlauch und dadurch bedingte Schwellungen, Abmagerung, Konditionsverlust, gelbe bis blasse Schleimhäute, punktförmige Blutungen auf den Schleimhäuten. Das Fieber tritt in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. In den fieberfreien Zeiten können die infizierten Pferde völlig unauffällig erscheinen, so dass die Erkrankung meist erst spät erkannt wird. Sie führt früher oder später zum Tod des Tieres.

-Einen Impfstoff gibt es nicht, auch keine Behandlungsmöglichkeit, es bleibt nur die Tötung infizierter Pferde sowie Quarantänemaßnahmen des Bestandes. Wichtig sind Hygienemaßnahmen wie unter anderem Sauberkeit im Stall, Vermeiden vom gemeinsamen Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten und regelmäßige Entfernung von Pferdeäpfeln und Mist.

Saisonaler Influenza-Impfstoff aus Zellkultur

Österreich ist das erste Land, in dem der weltweit erste Verozell-Impfstoff gegen die saisonale Grippe zugelassen wird

Wien – 400.000 Erkrankte, rund 1.600 Spitalsaufnahmen und – virologisch bestätigt – 40 Todesfälle forderte die „Schweinegrippe“-Pandemie im vergangenen Jahr. Was die saisonale Influenza – nun mit dem A(H1N1)-Virusstamm der Pandemie in den kommenden Monaten bewirkt, weiß derzeit noch niemand. Experten stellten bei einer Pressekonferenz in Wien eine Weltpremiere vor: den ersten saisonalen Influenza-Impfstoff aus Zellkulturen.

Impfstoff mit drei Virusstämmen

„Österreich ist das erste Land der Welt, in dem dieser Impfstoff zugelassen wurde. Er enthält alle drei für dieses Jahr empfohlenen Virusstämme und etabliert einen neuen Standard, was die Reinheit betrifft. Er enthält kein Hühnereiweiß, keine Antibiotika und kein Konservierungsmittel“, sagte Hartmut Ehrlich, Vorstand der Baxter AG.

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine Technologie entwickelt, bei der Viren in geschlossenen Zellkultur-Behältern durch Infektion sogenannter Verozellen gezüchtet, dann abgetötet und als Ganzvirus-Antigene für Vakzine verwendet werden können. Vergangenes Jahr produzierte das Unternehmen damit seinen A(H1N1)-Pandemieimpfstoff, der in Österreich verwendet wurde. Der Wiener Reisemediziner Herwig Kollaritsch: „Für das herkömmliche Herstellungsverfahren braucht man Hühnereier. Für 300 Mio. Dosen Impfstoff sind das 300 Mio. Hühnereier. Außerdem verwendet man dabei genetisch veränderte Viren, also ein artifizielles Produkt. Die Zeit bis zur Produktion eines neuen Influenza-Impfstoffes sinkt von 22 auf 12 Wochen.“

Gute Verträglichkeit

Baxter lag offenbar auch vergangenes Jahr bei der Pandemie mit seinem Zellkultur-Impfstoff in diesem Bereich. Allerdings benötigten scheinbar die europäischen Zulassungsbehörden dann lange bis zur Freigabe, wodurch sich der zeitliche Vorsprung wieder reduzierte.

Der neue Impfstoff ist jedenfalls hoch wirksam und gut verträglich. Das ergab eine Studie mit rund 7.200 Probanden im vergangenen Jahr in den USA. Ehrlich: „Insgesamt traten 73 Influenza-Erkrankungen auf, 60 davon in der Placebo-Gruppe, der kein wirksamer Impfstoff verabreicht wurde. Insgesamt reduzierte der Impfstoff die Infektionsrate um 78,5 Prozent.“

Impfung für Risikogruppen empfohlen

Der Chef des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates, Ingomar Mutz: „Die Influenza ist keine harmlose Erkrankung. Unsere Empfehlungen sind seit Jahren hervorragend. Alle Menschen über 50, Kinder im ersten Lebensjahr ab sechs Monaten, Betreuungspersonal der Neugeborenen, Schwangere und alle Altersgruppen mit chronischen Leiden sollten sich auf jeden Fall impfen lassen bzw. geimpft werden. Und dann gibt es den moralischen und sozialen Aspekt des Pflegepersonals und der Ärzte.“

Freilich, mit einem Anteil der Impfungen von über 65-Jährigen bei 37 Prozent, bei unter 65-jährigen Risikopersonen von 24 und bei den Angehörigen der Gesundheitsberufe von gar nur 17 Prozent lag Österreich in den vergangenen Jahren in Europa an drittletzter Stelle. Der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze: „So geht’s nicht. Dass die Ärzte sich nicht gegen die Influenza impfen lassen und die Anderen (Patienten, Anm.) anstecken.“

H1N1-Virus zirkuliert noch immer

Im August 2010 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO die H1N1-Pandemie für beendet. Das Schweinegrippe-Virus zirkuliert aber noch immer, die Immunisierung gegen H1N1 ist deshalb auch Teil der heutigen Impfung gegen die saisonale Grippe, berichten Forscher in einer Analyse.

Die vielfach geäußerte Kritik, dass die Entscheidungen der WHO in Zusammenhang mit H1N1 massiv von den Interessen der Pharmaindustrie beeinflusst worden wären, relativieren Gabriel Leung vom Gesundheitsamt Hong Kong und Angus Nicoll vom European Center for Disease Prevention and Control in Stockholm:

Zum einen sei klar, dass die kompetentesten Berater jene sind, die – großteils in Kooperation mit der Pharmaindustrie – Impfstoffe entwickeln. Andererseits sei aber die WHO gefordert, von Anfang an die Interessen ihrer Berater offen zu legen.

Chikungunya-Fieber in Frankreich

In Südfrankreich sind zwei Fälle des gefährlichen Chikungunya-Fiebers gemeldet worden, bei denen die Infektion nicht aus dem Ausland eingeschleppt wurde. Nach Angaben der Behörden erkrankte ein 12 Jahre altes Mädchen aus Frejus nahe der Cote d’Azur. Das Kind stand in Kontakt mit der ersten Patientin, die sich in Frankreich angesteckt hatte und deren Fall zuvor bekannt geworden war. Beide Mädchen seien zu Hause, es gebe keinen Anlass zur Sorge, hieß es. Die Krankheit wird von der Tigermücke übertragen, die in tropischen Ländern lebt.

West-Nil-Virus kaum zu bremsen

Bereits 13 Todesopfer hat der Ausbruch des West-Nil-Fiebers in Griechenland und Rumänien gefordert. Experten befürchten, dass sich der Erreger in Europa bis nach Deutschland ausbreiten könnte.

13 Menschen sind in Europa nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus gestorben.

Elf Tote und 150 schwere Fälle des West-Nil-Fiebers hat das griechische Gesundheitsministerium gezählt, zwei Tote und fünf Erkrankte meldeten die Behörden in Rumänien. Weitere Patienten werden zurzeit noch untersucht.

Da die Krankheit bei weniger als einem Prozent einen schweren Verlauf nimmt, muss man allein in Griechenland von etwa 15.000 Betroffenen ausgehen. Zum Glück ist der Erreger für die meisten Infizierten nicht lebensbedrohlich – von einem Killer-Virus lässt sich nicht sprechen. Betroffene leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen, dazu können Erbrechen und Durchfall kommen. In schweren Fällen droht eine Gehirn- oder eine Hirnhautentzündung. Ältere Menschen oder Patienten mit schwachem Immunsystem können nach einer Infektion sterben. Medikamente oder einen Impfstoff gibt es bislang nicht.

Da das West-Nil-Fieber jedoch in den meisten Fällen ohne Behandlung wieder abklingt, wird eine Infektion häufig gar nicht festgestellt. Die Patienten sind danach in der Regel immun gegen das Virus. Das gilt seit der Epidemie 1996 in Rumänien zum Beispiel für 4,1 Prozent der Einwohner Bukarests und für 0,9 Prozent der Bevölkerung in anderen Landesteilen, wie Staatssekretär Adrian Streinu-Cercel vom Gesundheitsministerium der Deutschen Presseagentur zufolge erklärt hat.

Nach Infektionswellen 1996 in Bukarest und in Russland 1999 mit jeweils etlichen hundert Patienten, nach 20 schweren Krankheitsfällen in Ungarn 2008 und der Identifizierung des Virus in Österreich in Vögeln im vergangenen Jahr wächst nun die Sorge, dass sich das Virus weiter in Europa ausbreitet.

„Die Zahl der Fälle wird in Europa wahrscheinlich zunehmen“, erklärt Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. „Das Virus wird sich nach Norden ausbreiten, es ist kaum zu bremsen. Und nichts spricht dagegen, dass auch Deutschland betroffen sein wird.“

Auch Klaus Stark vom Robert-Koch-Institut in Berlin schließt das nicht aus. Allerdings scheinen die Bedingungen für eine massive Virusausbreitung in Deutschland im Unterschied zu den USA, wo in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen an dem Virus gestorben sind, bisher nicht gegeben zu sein. „Infektionen von Menschen kennen wir zum Beispiel auch aus Italien oder Portugal, aber das waren immer kleinere Ausbrüche oder Einzelfälle“, so Stark. „Und der Erreger dürfte über Zugvögel in der Vergangenheit auch vereinzelt schon nach Deutschland eingeschleppt worden sein.“ Passiert ist bislang jedoch nichts.

„Das Virus wird sich nach Norden ausbreiten“

Gerade die Erfahrungen aus den USA deuten darauf hin, wie wichtig die regionalen Bedingungen gerade bei den Vögeln zu sein scheinen, die ein sogenanntes Erregerreservoir für die Vermehrung der Viren darstellen. In Nordamerika konnte sich das Virus mit rasanter Geschwindigkeit ausbreiten. Erst 1999 wurde das West-Nil-Virus in New York identifiziert, nachdem im Cenral Park Vögel tot von den Bäumen gefallen waren. Sieben Tote meldeten die Behörden bald darauf. Eingeschleppt worden war der Erreger vermutlich mit einem Passagierflugzeug aus Israel.

Danach tauchte das Virus in immer mehr Bundesstaaten auf. 2002 und 2003 kam es zu einer Epidemie, die Gesundheitsbehörde CDC zählte in diesem Zeitraum etwa 5800 sehr schwere Krankheitsfälle, etwa 560 Menschen starben. Bis 2007 forderte das Virus jedes Jahr 100 bis 200 Todesopfer. Danach sank die Zahl auf unter 50 – vermutlich weil sich die Amerikaner inzwischen des Risikos bewusst sind und einfache, aber effekte Gegenmaßnahmen gegen die Überträger ergriffen haben. So empfiehlt die Gesundheitsbehörde zum Beispiel dringend den Einsatz von Anti-Mücken-Mitteln, Wasserbehälter im Freien, in denen Mücken ihre Eier ablegen können, sollten abgedeckt sein oder regelmäßig geleert werden.

Schweinegrippe in diesem Jahr noch tödlicher

Die Time-News schreibt: Schweinegrippe in diesem Jahr noch tödlicher: Zweite Welle erwartet

Schweinegrippe in diesem Jahr noch tödlicher: Zweite Welle erwartet

Experten zufolge könnte ein Wiederauftauchen der Schweinegrippe in diesem Jahr noch verheerender und tödlicher verlaufen als im vergangenen Jahr. Im letzten Jahr starben weltweit etwa 18 000 Menschen an den Folgen der Infektion, die erstmals in Mexiko auftrat.

In diesem Jahr könnte der H1N1-Virus noch fatalere Auswirkungen zeigen, befürchten die Wissenschaftler. Sie berufen sich dabei auf die Erkenntnis, dass jede Grippe-Epidemie in einer noch tödlicheren Form zurückgekehrt war. Im Jahr 1918/19 starben an den Folgen einer H1N1 Epidemie 50 Millionen, dabei war die zweite Welle tödlicher als die erste. Ein weiteres Problem könnte ferner die Mutation des Virus sein, wenn dieser im Winter zurückkehrt.
Laut schottischen Wissenschaftlern erholen sich die meisten Patienten schnell von einer Grippe, Probleme wird es allerdings für die körperlich Schwächeren und die Kinder geben können.
Impfungen gegen den Schweinegrippe-Virus sind ein aprobates Mittel, doch wie aus der Presse zu erfahren ist, herrscht in Deutschland eine gefährliche Impfmüdigkeit.

Experten gemäβ läβt sich in Deutschland nur jeder Vierte gegen Grippe impfen. Dabei sterben alljährlich zwischen 3000 bis 5000 Patienten an den Folgen der verschiedenen Grippearten.

Gibt es die Vogelgrippe noch?

Ist die Vogelgrippe ausgestanden? Wer das Risiko dieser Erkrankung einschätzen will, muss die menschliche Unvernunft einkalkulieren.

12 März 2010: Ägypten meldet zwei neue Vogelgrippe-Fälle. Eine der Erkrankten, eine 20-jährige Schwangere, starb an der Infektion. 4. März 2010: Vietnam informiert die WHO über drei neue H5N1-Infektionen. Eine verlief tödlich. Ägypten gibt am gleichen Tag fünf neue Fälle bekannt, einer der Erkrankten, ein 53-Jähriger Mann, stirbt kurze Zeit später. 12. Februar 2010: Indonesien meldet den Tod einer 25-jährigen Frau. Ursache: H5N1. Die Liste ließe sich lang fortsetzen.

Immer noch erkranken Menschen an dem Virus, das 2006 die Welt aufschreckte. Nach wie vor wird die Vogelgrippe so gut wie niemals von Mensch zu Mensch übertragen, nur durch einen engen Kontakt zu Vöglen infizieren sich Menschen mit H5N1. Doch von denen, die sich infizieren, stirbt wie ehedem jeder Zweite bis Dritte.

Doch während die insgesamt 115 Erkrankten vor vier Jahren enorme Panik auslösten, nahm von den 73 Vogelgrippe-Kranken im vergangenen Jahr hierzulande kaum jemand Notiz. Der Grund könnte ein einfacher sein: Deutschland und Europa sind augenscheinlich im Moment vogelgrippe-frei.

Dabei hätte das H5N1-Virus in den vergangenen Monaten gute Bedingungen gehabt, sich zu verbreiten. Der lange Winter ließ auch dieses Jahr Gewässer zufrieren und zwang hungrige und entkräftete Vögel auf engstem Raum zusammen. Die Situation ähnelte der von 2006, als man zuerst tote Schwäne auf Rügen, und bald auch weitere an H5N1 verendete Tiere in anderen deutschen Regionen fand. In diesem Winter aber wurde laut Friedrich-Loeffler-Institut keine einzige Infektion bei einem Wildvogel registriert. Das letzte Mal, dass die Diagnose H5N1 in Deutschland gestellt wurde, liegt ein Jahr zurück: Damals war eine Stockente in Bayern dem Virus erlegen. Auch aus dem Rest Europas wurden so gut wie keine erkrankten Vögel gemeldet. Mehr noch: Weltweit finden die Behörden immer weniger infizierte Wildvögel. Also alles im Abklingen?

Entwarnung will das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut nicht geben. Institutsleiter Thomas Mettenleiter schränkt ein: Die Tatsache, dass weniger infizierte Vögel gefunden werden, „heißt nicht, dass das Virus nicht mehr aktiv ist. Einige Arten wilder Wasservögel können offenbar gut mit einer H5N1-Infektion leben, ohne Krankheitssymptome zu zeigen“. Er will nicht ausschließen, dass das Virus noch auf geringem Niveau vorhanden ist, ohne dass wir es bemerken. Die künftige Entwicklung dieser Seuche bleibt damit schwer kalkulierbar. Hinzu kommt aber noch ein weiterer – und noch größerer – Unsicherheitsfaktor: Die Unvernunft der Menschen.

Denn auch Reisende sind es, die permanent riskieren, das Virus einzuschleppen: Obwohl es verboten ist, bringen sie immer wieder Geflügelprodukte aus Vogelgrippegebieten wie Ägypten und Indonesien mit.

Reisende auf dem Weg nach Europa hatten schon lebende Greifvögel im Gepäck. Immer wieder bringen sie zudem rohes Geflügelfleisch, Eier, Federn oder Trophäen aus Hochrisikogebieten ins Land. Allein im Dezember 2009 wurden am Frankfurter Flughafen 550 Kilogramm Lebensmittel beschlagnahmt, ein großer Teil davon Geflügelprodukte. Landen Reste dieser Produkte beispielsweise auf einem deutschen Komposthaufen, können sich auch einheimische Vögel damit anstecken. Passiert ist dies 2007 in Brandenburg. Seitdem gab es noch zweimal Ausbrüche auf deutschen Geflügelhöfen. Zuletzt im Oktober 2008 in Sachsen. Bei jedem dieser Ausbrüche steigt das Risiko, dass Menschen, die auf den Höfen arbeiten oder leben, infiziert werden. Bislang ist dies zum Glück in Europa noch nie geschehen.