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Ebola bedroht ganz Afrika

Die Zahl der seit Januar am Ebola-Virus gestorbenen Menschen in Guinea ist auf 95 gestiegen. Insgesamt seien 151 Verdachtsfälle gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium des afrikanischen Landes mit. Vor dem Wochenende hatten die Behörden noch von 86 Toten gesprochen. Bisher war das Virus in der Hauptstadt Conakry und im Süden aufgetaucht. Ob nun auch andere Gegenden betroffen sind, ist unklar. Ärzte befürchten schlimme Entwicklungen.

Eine Ebola-Infektion ist eine der gefährlichsten Krankheiten weltweit. Das Virus wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Infizierte leiden unter anderem an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie in heftigen Fällen an inneren Blutungen und Organversagen. Die Krankheit ist sehr ansteckend und endet meist tödlich. Bisher gibt es weder eine vorbeugende Impfung noch eine Therapie.

Das Virus war bislang fast ausnahmslos in Zentralafrika aufgetreten. Seit Anfang des Jahres registrierten die Gesundheitsbehörden in Guinea dann mehr und mehr mögliche oder bestätigte Ebola-Fälle. Verdachtsfälle traten auch in Sierra Leone, Liberia und Mali auf.

Eine Ausbreitung der Ebola-Epidemie nach Europa ist offenbar nicht zu befürchten. Die Gefahr sei „sehr gering“, sagte Jakob Cramer, Tropenmediziner am Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg. „In Deutschland hat es noch nie einen Fall gegeben.“ Er gehe auch diesmal davon aus, dass es so bleibt.

Gleichwohl zeigt die Ebola-Epidemie, dass es an zweierlei mangelt: an einem Impfstoff und an der Bereitschaft der Pharmafirmen, einen zu entwickeln. Experten glauben, dass sich ein solches Projekt vor der strengen Gewinnoptimierung der Konzerne finanziell nicht rentiere. Sicher ist, dass die Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“, die derzeit in Guinea arbeiten, die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen der westlichen Welt an sich vornehmen müssen – und das bei sengender Hitze. Helfen können sie den Sterbenden nicht; die Gefahr einer Ansteckung ist kurz vor dem Tod des Infizierten am höchsten, weil sich die Viren explosionsartig vermehrt haben.

Ebola-Epidemie kann nicht gestoppt werden

Nach dem Ebola-Ausbruch im westafrikanischen Guinea ist die Zahl der Opfer weiter gestiegen. Bis Montag seien 78 Menschen in dem Land an der Seuche gestorben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Zudem gebe es 122 Verdachtsfälle. Die meisten stammen aus dem Südosten. Aber auch in der Hauptstadt Conakry sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen acht Fälle bestätigt. Eine solche Verbreitung habe man bislang noch nicht erlebt, hieß es.

„Ärzte ohne Grenzen war bei fast allen Ebola-Epidemien der vergangenen Jahre im Einsatz, aber diese waren jeweils örtlich sehr begrenzt und betrafen eher abgelegene Orte“, sagte Mariano Lugli, Koordinator des Ärzte-ohne-Grenzen-Projekts in Conakry. „Dass die jetzigen Fälle so weit über das Land verstreut sind, erschwert die Bemühungen, die Epidemie einzudämmen.“

Auch das südliche Nachbarland Liberia ist betroffen. Fünf Menschen starben bereits in der vergangenen Woche an den Symptomen, vor allem in Regionen, die direkt an Guinea grenzen. Zudem gibt es mehrere Verdachtsfälle. Tests in Frankreich hätten ergeben, dass mindestens zwei der Patienten Ebola hatten, so die Behörden in Monrovia.

Ärzte ohne Grenzen will seine Teams in der Region weiter verstärken. Bis Ende der Woche sollen etwa 60 Mitarbeiter vor Ort sein, die Erfahrung bei der Bekämpfung von hämorrhagischem Fieber haben. Außerdem wurden bereits mehr als 40 Tonnen Ausrüstung per Flugzeug nach Guinea geschickt. „In Guinea haben wir es mit dem Zaire-Stamm des Ebola-Virus zu tun. Dabei handelt es sich um den aggressivsten und tödlichsten: Neun von zehn Infizierten sterben“, betonte Michel Van Herp, ein Epidemiologe der Organisation.

Die gefährlichsten Viren

Platz 1: Marburg-Virus

Das Marburg Virus wurde nach der Stadt Marburg genannt, wo es 1967 fast ein komplettes Labor eliminierte. Die Angestellten hatten mit infizierten Versuchsaffen aus Afrika gearbeitet. Seine Mortalität beträgt bis zu 90 Prozent, je nach Strang.

Epidemiologisch bleibt das Virus auf den afrikanischen Raum begrenzt, hier speziell Angola, Uganda und Kenia. Das Virus ist ein RNA-Virus der Familie Filoviridae (fadenförmig). Sein Reservoir (Tiere, die das Virus beherbergen, aber nicht selbst erkranken) ist nicht bekannt. Man vermutet als Überträger den Nilflughund, der in Afrika, aber auch in Europa vorkommt.

Der hochpathogene Erreger verursacht nach einer Inkubationszeit von fünf bis zehn Tagen ein hämorrhagisches Fieber: Das Virus ist in der Lage, die Blutgerinnung zu stoppen und innere Organe zu schädigen, so dass es zu inneren Blutungen kommt. Sobald diese massiv auftreten, führt das zum Tod des Opfers.

Die Infektion erfolgt über Körperflüssigkeitenaustausch und Schmier- oder Kontaktinfektion. Getrocknetes Blut bleibt noch fast eine Woche lang infektiös.

Aufgrund seiner Gefährlichkeit gewann das Marburg-Virus das Interesse des amerikanischen und russischen Verteidigungsministeriums. 1998 wurde ein Bioterrorismusangriff simuliert mit einer Variola-Marburg-Chimäre. Ergebnis: Ein ökonomischer Schaden von 26 Millarden Dollar pro 100.000 Infizierte.

Platz 2: Ebola-Virus

Gefürchteter Epidemie-Auslöser

Die Silbermedaille bleibt in der Familie. Wie das Marburg-Virus kommt das Ebola-Virus aus der Filoviridae Familie und ist ein RNA-Virus. Beide weisen eine Reihe von Ähnlichkeiten auf. Eine davon ist die Mortalität, die bei 89 Prozent liegen kann. Das Virus verursacht das Ebolafieber beim Menschen und Primaten wie Gorillas und Schimpansen.

Auch dieses Fieber ist ein hämorrhagisches Fieber mit einer Inkubationszeit von acht bis 15 Tagen. Das Herkunftgebiet liegt in Zentralafrika. Aber auch eine südostasiatische Variante (Subtyp Reston, der für Menschen unbedenklich ist) ist bekannt.

Seinen ersten Auftritt hatte das Ebola-Virus im Jahr 1976 in Zaire und im Sudan. Seine Namensgebung erfolgte nach dem kongolesischen Fluss Ebola, in dessen Nähe der erste Ausbruch auftrat. Damals erkrankten 318 Menschen, von denen 280 starben. Dies war gleichzeitig auch die größte Epidemie. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 1995 forderte mit einer Letalität von 80% 245 Todesopfer bei 315 am Ebolafieber erkrankten Personen.

Der Übertragungsweg ist der gleiche wie beim Marburg-Virus plus Tröpfcheninfektion. Das Reservoir ist bis heute nicht zweifelsfrei bestätigt. Auch hier gibt es wieder Hinweise auf den Flughund. Die weitere Übertragung erfolgt durch Fallenlassen von angefressenen Früchten, die von Affen aufgegriffen und verzehrt werden.

Platz 3: Hanta-Virus

Auch in Deutschland verbreitetes Killervirus

Hanta-Virus ist ein Oberbegriff für eine Reihe von humanpathogenen Arten wie das Hantaan-Virus, Seoul-Virus, Korea-Fieber-Virus oder Sin-Nombre-Virus, um nur einige zu nennen. Es handelt sich hier um ein RNA-Virus aus der Bunyaviridae Familie. Es verursacht nach einer Inkubationszeit von 14 bis 28 Tagen Lungenerkrankungen, akutes Nierenversagen und hämorrhagisches Fieber. Die Mortalität liegt bei 62 Prozent.

Hanta-Viren sind nicht lokal begrenzt. In Deutschland sind sie in Regionen wie Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg nachgewiesen worden. In diesem Fall handelt es sich um den Puumala-Virus, der besonders im Frühjahr aktiv wird und zu Erkrankungen führt, die mit plötzlichem Nierenversagen einhergehen.

Seine Namensgebung verdankt das Virus einem koreanischen Fluss, in dessen Nähe in den 1950er-Jahren Tausende von amerikanischen Soldaten während des Koreakrieges mit dem Virus infiziert wurden. Sein Reservoir sind verschiedene Nager, besonders Mäuse, die das Virus in Fäkalien und Urin in großen Mengen ausscheiden. Der Infektionsweg erfolgt durch eine Kontaktinfektion über die Atemwege.

Platz 4: H5N1-Virus, Vogelgrippe

Vogel-Virus zerstört die Lunge

Der Vogelgrippe-Virus is ein Influenza-Virus, ein RNA-Virus aus der Familie der Orthomyxoviren. Die Mortalität liegt bei 60 Prozent. Die Inkubationszeit beträgt nur vier bis acht Tage. Sein Reservoir sind Vögel, die nur von Influenza-A-Viren aus dieser Familie befallen werden. Durch permanente, rasche Mutationen sind neue Varianten entstanden, die in 16 H-Untertypen und neun N-Untertypen aufgeteilt sind.

Der Subtyp A/H5N1 enthält weitere Varianten mit hoher Virulenz. Die asiatische H5N1-Variante ist besonders aggressiv und pathogen. Es bewirkt, dass es bei einem Infizierten in der Lunge zu einer Freisetzung von Zytokinen (Entzündungsmediatoren) kommt, die unter normalen Umständen eine normale Immunantwort auf das Pathogen provozieren. Da diese Zytokinfreisetzung jedoch exzessiv verläuft, kommt es zu einer unangemessen starken Immunantwort, die das Lungengewebe zerstört. Die Folge sind toxischer Schock und Multiorganversagen.

Das Virus kann in Eis gehalten unbegrenzt infektionsfähig bleiben. Bei Temperaturen von 56 und mehr Grad überlebt es nur um drei Stunden. Ab 70 Grad wird es zerstört und verliert jedes Infektionspotential. Der Übertragungsweg von Vögeln auf den Menschen erfolgt über den Umgang mit Vogelblut und -kot.

Auf Grund der großen Datenmenge, die auch der WHO vorliegt, schätzen die Experten das Risiko einer H5N1 Infektion als nicht sehr hoch ein. Seit Ausbruch der Vogelgrippe erkrankten weltweit 502 Menschen, von denen allerdings 298 verstarben. Das Virus ist bereits seit 1959 bekannt.

Platz 5: Lassa-Virus

In Westafrika dauerhaft auftretend

Das Lassafieber tauchte 1969 zum ersten Mal auf. Eine amerikanische Missionsschwester in Lassa, Nigeria starb an einer mysteriösen Infektion. Kurz darauf erkrankte eine Zweite und wurde zur Behandlung in die USA geflogen. Zwei der Wissenschaftler, die das Virus isoliert hatten, erkrankten ebenfalls. Einer dieser Wissenschaftler starb in der Folge. Verursacher der Infektion war ein RNA-Virus aus der Familie der Arenaviridae. Sein Reservoir sind Kleinnager.

Das Verbreitungsgebiet des Lassa-Virus liegt primär in westafrikanischen Ländern. Dort ist die Erkrankung endemisch – räumlich auf eine Region begrenzt, in diesem Gebiet aber zeitlich unbegrenzt auftretend. 15 Prozent der dortigen Kleinnager sind mit dem Virus belastet. Eine Übertragung des Virus erfolgt über Kontakt- und Schmierinfektion über die Ausscheidungen der Reservoirwirte auf Lebensmittel, die anschließend vom Menschen verzehrt werden. Weitere Übertragungswege sind etwa Geschlechtsverkehr, Tröpfcheninfektion oder Wundinfektion.

Die Inkubationszeit liegt bei zehn Tagen. Danach setzt ein schleichender Krankheitsverlauf ein mit grippeähnlichen Symptomen und Dauerfieber von 40 Grad. Es treten im weiteren Verlauf Exantheme (Hautausschlag) im Gesicht und Hals, Durchfälle, kolikartige Bauchschmerzen und Lymphknotenschwellungen auf. Ulzerationen (Geschwürbildungen) und Schwellungen erschweren die Nahrungsaufnahme. Die Blutungsneigungen nehmen vermehrt zu aufgrund von Gefäßwandschäden der Kapillaren. Die Niere wird angegriffen. Während die „normale“ Mortalität bei knapp 20 Prozent liegt, erreicht sie bei Schwangeren 50 Prozent.

Platz 6: Junin-Virus

Killvervirus mit unklaren Symptomen

Das argentinische hämorrhagische Fieber wird verursacht durch das Junin-Virus, einem Arena-Virus. Es führt zu einer Veränderung des vaskulären, neurologischen und immunologischen Systems und hat eine Mortalitätsrate etwa 30 Prozent.

Es erzeugt neben hämorrhagischem Fieber Symptome wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Hautblutungen und gelegentlich Sepsis. Ansonsten sind die Symptome relativ unspezifisch, so dass die Erkrankung oft mit anderen Konditionen verwechselt wird.

Das Virus wurde schon 1958 entdeckt. Sein Verbreitungsgebiet ist seitdem auf Argentinien beschränkt geblieben, obwohl es sein ursprüngliches Einzugsgebiet von 15.000 Quadratkilometer in 1958 auf 150.000 in 2000 hat vergrößern können.

Sein Reservoir sind Nagetiere, deren Ausscheidungen Nahrungsmittel und Wasser verunreinigen. Aber auch die Inhalation von Staubpartikeln mit Urin sind denkbar.

Platz 7: Krim-Kongo-Fieber-Virus

Gefährlichstes aller Zeckenbiss-Viren

Das Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV) ist ein RNA-Virus, das auf Grund seines Übertragungsweges zur Gruppe der Arboviren gehört. Taxonomisch gehört es zur Bunyaviren Familie. Die Mortalität liegt bei 30 Prozent.

Das Virus ist schon seit 1956 bekannt, als es erstmalig in Belgisch-Kongo aus menschlichem Blut isoliert wurde. Ähnliche Erkrankungen wurden in den 1940er Jahre in der Krim beobachtet. Die letzten Vorfälle ergaben sich Sommer 2006 in der türkischen Provinz Corum, wo mehrere Todesfälle auftragen.

Reservoir des Virus sind grasfressende Haus- und Wildtiere, beziehungsweise deren Hyalomma-Zecken. Damit ist das CCHFV das gefährlichste Virus, das über Zeckenbisse übertragen wird. Der Süden des Balkans scheint besonders von diesen Zecken betroffen zu sein. Ein weiterer Übertragungsweg ist der Kontakt mit dem Blut oder Fleisch erkrankter Tiere wie Ziegen oder Kühe. Eine Infektion von Mensch zu Mensch erfolgt durch infiziertes Blut, Speichel, Kot und Urin.

Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei Tagen und zwei Wochen. Wie bei allen hämorrhagischen Fieberformen kommt es zu einer erhöhten Blutungsneigung. Hier stehen Darm und Haut im Vordergrund. Daneben kann es zu Bluterbrechen und einer generalisierten Blutungsneigung kommen.

Weitere Symptome sind neben Fieber, das über fast zwei Wochen konstant sein kann, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Reizbarkeit und Schüttelfrost. Der Tod tritt oft in der zweiten Woche der Erkrankung ein, als Folge von Multiorganversagen.

Platz 8: Der schwarze Tod aus Bolivien

Das Machupo-Virus ist der Verursacher des bolivianischen hämorrhagischen Fiebers, auch „schwarzer Typhus“ genannt. Die Fiebererkrankung wird meist von starken Blutungen begleitet. Das Virus ist ein RNA-Virus der Arenaviridae. Seine Mortalität liegt bei 30 Prozent.

Es wurde erstmalig 1959 identifiziert. Sein Reservoir sind Nager der Gattung Calomys callosus (Vespermäuse), die nur in Nord-Bolivien vorkommen. Die befallenen Tiere erscheinen asymptomatisch. Sie scheiden das Virus in ihren Ausscheidungen aus, die dann über verunreinigte Nahrung und Wasser in den Menschen gelangen.

Junin-Virus und Machupo-Virus zeigen ein gewisses Maß an Kreuzreaktivitäten, was bei einer Immunisierung von Vorteil sein würde: Antikörper, die gegen eines der Viren gebildet werden, sind auch gegen das andere wirksam. Die Symptomatik gleicht der einer Junin-Virus-Infektion.

Platz 9: KFD-Virus

Kurzer, intensiver Krankheitsverlauf

Das KFD-Virus löst das sogenannte Kyasanur-Wald-Fieber aus. Es ist ein RNA-Virus aus der Falviviridae Familie. Es ist verantwortlich für eine Mortalität von etwa 15 Prozent. Sein Vorkommen ist auf Süd-West-Indien und Nord-Ost-Pakistan begrenzt.

Das Virus wurde zwischen 1955 und 1957 in einem Waldgebiet an der Südwestküste Indiens entdeckt. Erst 1990 wurde die Erkrankung als eigenständige Erkrankung erkannt. Das Reservoir ist nicht bekannt, außer dass Zeckenbisse die Erreger auf den Menschen übertragen. Man vermutet jedoch, dass Stachelschweine, Eichhörnchen, Ratten und Mäuse zum Reservoir gehören. Nebenwirte können Vögel und Fledermäuse sein. Sie sorgen vor allem für eine intensivere Verbreitung der Zecken.

Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt drei bis sieben Tage. Neben Fieber, Kopfschmerzen, Glieder- und Muskelschmerzen kann eine hämorrhagische Variante dazukommen. Es kommt dann zu Blutungen aus Mund, Nase und im Magen-Darm-Trakt. Eine eigene Therapie gibt es für diese Krankheit nicht.

Platz 10: Dengue-Virus

Enorm ansteckend und tödlich

Denguefieber oder Knochenbrecherfieber wird durch ein RNA-Virus aus der Falviviridae Familie verursacht, dem Dengue-Virus. Seine Mortalität liegt bei zehn Prozent.

Übertragungswege sind infizierte Mücken, die, ähnlich wie bei der Malaria, vor dem Blutsaugen Speichel in das Blutgefäß des Opfers abgeben, um die Blutgerinnung in der Einstichstelle zu verhindern. Der Speichel enthält die Viren, die sich dann im Organismus des neuen Wirts ausbreiten können. Außer verschiedenen Stechmückenarten sind als Reservoir nur Mensch und Primaten bekannt.

Die Krankheit verläuft meist mit unspezifischen Symptomen oder auch mit Symptomen einer Grippe. Es kann allerdings auch zu inneren Blutungen kommen. Schwere Verläufe erfolgen als Dengue Hämorrhagisches Fieber (DHF) oder als Dengue shock syndrome (DSS).

Von allen aggressiven viralen Erkrankungen scheint das Dengue-Virus das Einzige zu sein, dass in der Lage ist, seine infektiösen Aktivitäten auf eine große Zahl von Opfern auszubreiten. Seine Mortalität liegt mit zehn Prozent weit hinter der Nummer 1, dem Marburg-Virus (90 Prozent Mortalität), zurück. Die Verbreitung ist allerdings ungleich höher: Laut WHO infiziert das Dengue-Virus schätzungsweise jährlich bis zu 100 Millionen Personen weltweit.

Vier Erkrankungen aus Guineas Hauptstadt Conakry gemeldet

In Guineas Hauptstadt Conakry wurden erstmals Infektionen im Zusammenhang mit dem Ebola-Virus gemeldet. Vier Erkrankungen am so genanntem hämorrhagischen Fieber seien in der Metropole mit mehr als zwei Millionen Einwohnern festgestellt worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstagabend unter Berufung auf das Gesundheitsministerium des Landes mit. Eine weitere Person starb, ohne dass die Erkrankung bislang in einem Labor geprüft werden konnte.

Mittlerweile über 100 Todesfälle

Den Angaben zufolge kletterte die Zahl der mutmaßlichen und bestätigten Ebola-Fälle in dem Land auf 103. Bislang war die Krankheit nur im Süden des Landes aufgetreten.

Die meisten gab es im Südosten. Seit Bekanntwerden des Ausbruchs im vergangenen Monat kamen 66 Menschen ums Leben. Auch in Liberia gab es erste Ebola-Fälle.

Derweil hat die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen Ebola gefordert. Die tödliche Fieberepidemie stelle eine „ernste Bedrohung für die regionale Sicherheit dar“, erklärte die Organisation am Freitag.

Tödliche Krankheit

Das Ebola-Virus wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, Infizierte leiden unter anderem an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall und – in heftigen Fällen – an inneren Blutungen und Organversagen. In 25 bis 90 Prozent der Fälle verläuft die Seuche laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) tödlich, die Sterblichkeit ist dabei abhängig vom Erregerstrang. Bis heute gibt es keine Impfung oder Therapie gegen Ebola. Durch Isolierstationen für Infizierte und die gründliche Desinfektion ihrer Häuser kann die Ausbreitung des Virus verhindert werden. Auch deutsche Virologen reisten mittlerweile nach Guinea, um die Krankheit zu bekämpfen.

Ebola-Kranke in Quarantäne

Die Ebola-Epidemie im westafrikanischen Guinea breitet sich aus. Im Nachbarland Liberia gibt es mehrere Verdachtsfälle. Ein Verdachtsfall in Kanada hat sich allerdings nicht bestätigt.

Die Ebola-Epidemie in Guinea droht auf andere Teile Westafrikas überzugreifen. Weitere mögliche Erkrankungen wurden am Dienstag aus dem benachbarten Liberia gemeldet. Ein Verdachtsfall in Kanada bestätigte sich hingegen nicht.

Bisher sind 60 Todesfälle durch das gefährliche Virus bestätigt. „Ärzte ohne Grenzen“ behandelte neun weitere Patienten, die meisten von ihnen in einer Quarantänestation in Guéckédou im Süden Guineas.

Die Ärzteorganisation schickte Einsatzteams in ländliche Gegenden, um dort nach möglichen weiteren Infizierten zu suchen. „Um diese Epidemie einzudämmen, ist es entscheidend, die gesamte Übertragungskette nachzuverfolgen“, sagte die Tropenmedizin-Expertin Esther Sterk.

Sechs der letzten sieben Blutproben, die für Tests von Guinea nach Frankreich geschickt worden waren, wurden positiv auf Ebola getestet, und zwar konkret auf den aus dem Kongo stammenden Zaire-Erregerstamm. Bei diesem verläuft die Krankheit in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich.

Gegen Ebola gibt es keine Impfung oder konkrete Behandlungsmethode. Die ersten Symptome – hohes Fieber, Schwächegefühl und Kopfschmerzen – können auch auf Malaria hindeuten, die in Westafrika weit häufiger vorkommt. Ebola hingegen war in der Region seit zwei Jahrzehnten nicht mehr ausgebrochen. Die Krankheit wird schließlich eindeutig, wenn die Opfer beginnen, Blut zu erbrechen oder aus ihren Augen, Nasen und Ohren zu bluten.

In Liberia wurden am Dienstag acht mögliche Ebola-Fälle geprüft. Fünf der Patienten seien gestorben, nachdem sie aus Guinea eingereist seien, teilten die Behörden dort mit.

Auch bei einem kürzlich von Liberia nach Kanada zurückgekehrten Mann war kurzzeitig der Verdacht einer Ebola-Infektion aufgekommen. Tests hätten aber ergeben, dass es sich nicht um das gefährliche Virus handelte, teilte eine Sprecherin des kanadischen Gesundheitsministeriums mit. Der Mann sei allerdings sehr krank und bleibe auf der Isolierstation des Krankenhauses in Saskatchewan.

 

Ebola: Erste Fälle auch in Liberia

Eine Ebola-Epidemie im westafrikanischen Guinea droht auf das Nachbarland Liberia überzugreifen. Insgesamt gibt in Liberia acht Verdachtsfälle. Fünf der Patienten sind schon gestorben. Bisher sind nur Orte direkt an der Grenze zu Guinea betroffen. Dort sind seit vergangenem Monat fast 60 Menschen an dem Virus gestorben. Um gegen die Epidemie zu kämpfen, sind auch zwei deutsche Virologen nach Guinea gereist, um ein internationales Team zu unterstützen.

Ebola: Kanada gibt Entwarnung

Guinea kämpft mit einer Ebola-Epidemie. Der Verdacht, es könne einen ersten Erkrankten außerhalb Afrikas geben, bestätigte sich zunächst nicht.

Der Ebola-Verdachtsfall in Kanada hat sich nach Behördenangaben nicht bestätigt. Entsprechende Tests seien negativ ausgefallen, sagte der Sprecher des kanadischen Gesundheitsministeriums, Michael Bolkenius, am Dienstag.

Es wäre der erste Fall außerhalb Afrikas gewesen. Ein vor kurzem aus Guineas Nachbarland Liberia zurückgekehrter Mann sei schwer krank und weise entsprechende Symptome auf, hatte das kanadische Gesundheitsministerium zunächst mitgeteilt.

Verdachtsfall in Kanada

Der kanadische Patient befinde sich in einem Krankenhaus in Saskatoon, erklärte das Gesundheitsministerium der kanadischen Provinz Saskatchewan.

Er leide an hohem Fieber und anderen Symptomen, die denen von Ebola ähnelten. Der Mann habe sich beruflich in Liberia aufgehalten.

Der Patient wurde isoliert. Seine Angehörigen befänden sich vorerst in Quarantäne. Die Symptome seien bei dem Mann erst nach dessen Rückkehr nach Kanada aufgetreten.

Zunächst dachte niemand an Ebola

Inzwischen gibt es auch im afrikanischen Liberia im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie im benachbarten Guinea mehrere Verdachtsfälle. Als Anfang Februar die ersten Patienten in Guinea unter Durchfall, Fieber und Blutungen litten, dachten die Verantwortlichen im Gesundheitsministerium noch nicht an Ebola. Lassa-Fieber vielleicht. Oder Cholera. Vorsichtshalber schickten sie zwölf Proben an das französische Referenzzentrum für Hämorrhagische Fieber in Lyon. Die Experten schlugen am Samstag Alarm: Bei sechs Proben hatten sie das Ebola-Virus nachgewiesen. Wahrscheinlich handelt es sich um den besonders tödlichen Stamm Ebola-Zaire.

Guinea kämpft somit mit dem ersten Ebola-Ausbruch seiner Geschichte, vor allem im Städtedreieck Guéckédou, Macenta und Kissindougou. Wie viele Menschen das Virus bereits infiziert hat, ist unklar. Die Behörden in Guinea berichten von 80 Verdachtsfällen und 59 Toten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt bisher 49 Fälle und 29 Verstorbene. Sorgen bereitet den Experten, dass Ebola die etwa 400 Kilometer entfernte Hafenstadt Conakry erreicht haben könnte. Dort leben fast zwei Millionen Menschen. Drei Verdachtsfälle haben sich angeblich bisher nicht bestätigt. Weitere Proben aus Sierra Leone und Liberia werden derzeit noch untersucht.

Ebola – ein grausamer Tod

Wer sich über Blut, Körperflüssigkeiten oder Gewebe mit Ebola-Zaire ansteckt, stirbt mit 80- bis 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen grausamen Tod. Zuerst gleicht die Krankheit einer Malaria: Muskelschmerzen, Schwäche, Fieber. Dann geht es rasant bergab. Die fadenförmigen Viren befallen nicht nur die Atemwege. Sie greifen den ganzen Körper an – und nutzen dabei Immunzellen als Trojanische Pferde. Das Blut verklumpt und verstopft winzige Gefäße, so dass die Organe zu wenig Sauerstoff bekommen. Später bluten alle Schleimhäute. Zuletzt versagen Herz und Lunge.

„Die Epidemie in Guinea ist für den Rest der Welt keine Bedrohung“, sagt der Ebola-Experte Stephan Becker von der Universität Marburg. Das Virus konnte noch nie einen Flächenbrand auslösen. Selbst der größte Ausbruch in Uganda machte gerade 425 Patienten krank. Die Betroffenen sterben zu schnell, als dass sich viele Menschen infizieren könnten. Meist haben nur wenige Menschen so engen Kontakt zu ihnen, dass sie sich anstecken.

Trotzdem reisen sofort internationale Helfer von den Ärzten ohne Grenzen (MSF) und der WHO nach Guinea, um die Seuche einzudämmen. Je schneller die internationale Gemeinschaft reagiert, desto schneller ist der Albtraum vorbei. Auch für die Nachbarländer. „Das Virus darf nicht in den Krankenhäusern um sich greifen“, sagt Becker. Sonst bricht Panik aus, die Kranken meiden die Kliniken und können kaum isoliert werden. „In afrikanischen Großstädten begünstigen außerdem die hygienischen Verhältnisse die Ausbreitung.“

Das Stigma der Hexerei

Die Helfer richten in Guéckédou, Macenta und Kissindougou Quarantänestationen ein und klären die Bevölkerung gemeinsam mit traditionellen Heilern über Ebola auf: woher die Krankheit kommt, was bei der Krankenpflege und der Bestattung zu beachten ist. Ihre Arbeit nützt auch den Ebola-Überlebenden. An ihnen haftet sonst oft das Stigma der Hexerei. „Wir wissen nicht genau, warum Ebola derart gefährlich ist“, sagt Becker. Sicher ist: Ebola bringt das menschliche Immunsystem völlig durcheinander. Bei manchen Patienten antwortet es zu heftig – nach dem Motto: „Da werfe ich alles drauf, was ich habe!“ Dann stirbt der Mensch an der eigenen Abwehrreaktion. Oder es lässt sich von den Viren täuschen und ignoriert den Fremdkörper. Es folgen bald die typischen Symptome.

Eigentlich ist es nicht im Interesse des Virus, seinen Wirt zu töten. Ebola befällt normalerweise afrikanische Flughunde und Fledermäuse, zum Beispiel rund um den Lake Edwards in Zentralafrika. Diese Tiere werden nicht krank, im Lauf der Evolution haben Virus und Immunsystem ein Gleichgewicht gefunden. Springt das Virus aber auf Affen über, verenden die Tiere genauso wie infizierte Menschen. So erging es auch den Schimpansen im Tai-Nationalpark in Liberia. Je mehr der Mensch auf der Jagd, beim Roden des Regenwalds oder als Tourist in zuvor unberührte Gebiete vordringt, desto öfter kommt er mit wilden Tieren und deren Viren in Kontakt. Bei Ebola gibt es dann kaum Hilfe: Es gibt bisher keine Therapie, die das Virus in die Schranken weist.

Reisewarnung des Auswärtigen Amtes

Das Auswärtige Amt in Berlin rät derzeit dringend von Reisen in die betreffende Region Region Macenta (Waldguinea) ab. Allein in dieser Region starben in den letzten Wochen 50 Menschen. Da eine Ausbreitung der Epidemie nicht auszuschließen sei, gilt der Reisehinweis des Auswärtigen Amtes auch für die Grenzgebiete zu Liberia und Sierra Leone.

Ebola die Gefahr für die Welt

Wann und wo Ebola ausbrechen wird, können Experten bislang überhaupt nicht vorhersagen. Das ist auch einer der Gründe, warum es noch immer keine wirksame Behandlung und keinen Impfstoff gibt.

Die Nachricht über einen ersten Ebola-Verdachtsfall in Kanada hat viele erschreckt. Ein Mann, der kürzlich aus beruflichen Gründen in das westafrikanische Liberia gereist war, wies nach seiner Rückkehr Symptome der lebensgefährlichen Krankheit auf und lag isoliert in einem Krankenhaus in der westkanadischen Provinz Saskatchewan. Inzwischen sind die Testergebnisse der Blutproben, die an ein spezialisiertes Labor in Winnipeg geschickt wurden, zurück. Die WHO gab Entwarnung: Der Mann hat sich keine Infektion mit dem Ebola-Virus zugezogen.

Hätte sich der Fall bestätigt, so wäre dies die erste Erkrankung an Ebola außerhalb von Afrika gewesen. Dort trat das Ebola-Virus bislang seit seiner Entdeckung 1976 vor allem im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf, dem es auch seinen Namen verdankt. Immer wieder gibt es seitdem kurze aufflackernde Ausbrüche. Derzeit wütet das Virus im westafrikanischen Guinea. Dort tötete der Erreger in den vergangenen Wochen mindestens 59 Menschen bei insgesamt 87 Verdachtsfällen. Außerdem wurden sechs Verdachtsfälle auch im benachbarten Liberia gemeldet, das der Kanadier auf seiner Dienstreise besucht hatte. Fünf davon endeten tödlich.

Die durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragene Erkrankung ist tückisch: Die Zeit zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome kann zwischen drei und 21 Tagen liegen – daher ist es schwer, die Quelle der Infektion zu lokalisieren. Die ersten Krankheitszeichen ähneln denen einer Grippe. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später aber gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten, begleitet von Durchfällen und Austrocknung.

Wann und wo Ebola auftritt, ist bis heute unvorhersehbar

In 25 bis 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge tödlich. Wie hoch die Sterblichkeit genau ist, hängt davon ab, welcher der fünf bekannten Virustypen im Umlauf ist. Die hohe Quote der Todesfälle im Verhältnis zu den gemeldeten Fällen in Guinea legt nahe, dass es sich um einen der sehr gefährlichen Stämme handle, sagt Jakob Cramer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Im Auftrag der WHO reist derzeit ein internationales Team unter Beteiligung des Bernhard-Nocht-Instituts nach Guinea, um dort diagnostische Verfahren zu etablieren, die es bislang vor Ort nicht gibt. Mit ihnen lässt sich nicht nur innerhalb weniger Stunden nachweisen, ob ein Mensch an Ebola erkrankt ist, sondern auch, welchen der fünf bekannten Erregerstämme er in sich trägt – denn die fünf Typen unterscheiden sich deutlich in ihrer Erbsubstanz.

Das ist Cramer zufolge nicht nur für die schnelle Isolierung der Betroffenen zum Schutz der anderen wichtig, sondern auch zentral für die Überwachung und Analyse des betroffenen Gebietes. Denn wann und wo Ebola auftritt, ist bis heute für Experten unvorhersehbar. Das liegt daran, so Cramer, dass der Erreger vornehmlich Fledermäuse und auch Affen befällt, und erst seit kurzem auf den Menschen übergeht. „Das Virus verhält sich relativ ungeschickt,“ sagt er. Dass es sich an den Menschen als Wirt noch nicht angepasst habe, zeige die kurze Zeit bis zum Tod eines Infizierten – die auch für den Erreger ungünstig ist.

Übertragung nur bei sehr engem Kontakt

Denn so bleibt ihm nur wenig Zeit für Übertragungen, und auch das gelingt dem Virus nicht sonderlich gut. Nur bei sehr engem Kontakt wird das Virus übertragen, dem Tropenmediziner zufolge in den betroffenen Gebieten häufig etwa durch traditionelle Leichenwaschungen. Ebola-Ausbrüche sind daher heftig, aber auf nur kurze Zeit begrenzt. Laut Stephan Becker, der das Institut für Virologie an der Universität in Marburg leitet, gab es daher seit 1976 zwischen 2000 und 3000 Ebola-Fälle. Das ist über die Zeit gerechnet nicht allzu viel – vor allem wenn man bedenkt, dass es sich nicht in allen Fällen nachweisbar um Ebola handelte.

Das mag makaber klingen, doch genau diese Rechnung machen Pharmafirmen, wenn sie vor der Entscheidung stehen, an einem Impfstoff zu forschen – oder nicht. Denn wenn es für einen Impfstoff keinen ausreichend großen Markt gibt, lohnt sich die Investition der rund 300 Millionen Euro zur Entwicklung nicht, so Becker. Zudem sei es aufgrund der geringen Fallzahlen und der Unvorhersehbarkeit der Ausbreitung äußerst schwierig, einen Impfstoff zu testen. Denn dazu müsste man die Zahlen derer, die ohne Impfung erkrankt seien, mit den Zahlen jener, die zuvor geimpft wurden vergleichen. Nur, wen und wie viele solle man impfen? Und wann? Und wo?

Daher gibt es auch gegen Ebola derzeit nur an Affen getestete, aber keine für den Menschen zugelassenen Impfstoffe – ebenso wenig wie eine wirkungsvolle Behandlung, wenn ein Mensch bereits infiziert ist. Ärzte können bislang nur wenig für Patienten mit Ebola-Fieber tun: Sie können deren Leiden versuchen zu lindern und einige der Symptome bekämpfen, etwa den Flüssigkeitsverlust ausgleichen, oder den Blutverlust durch Transfusionen. Zusätzlich können die Mediziner vorbeugend Malaria-Medikamente oder Antibiotika geben, um weitere Infektionen des geschwächten Körpers mit anderen Erregern zu verhindern. Im Grunde aber muss der Körper allein mit dem Virus fertig werden.

Das Virus vermehrt sich im Körper rasend schnell

Doch das gelingt aus einem Grund nicht allzu oft: Das Ebola-Virus vermehrt sich im Körper rasend schnell. Immerhin einen vielversprechenden Ansatz gibt es inzwischen. Im Oktober 2013 veröffentlichten Wissenschaftler im Journal „Science Translational Medicine“ eine Studie, in der sie erfolgreich eine Behandlung an Makaken erprobt hatten. Das Team um Gary Kobinger von der Kanadischen Agentur für Öffentliche Gesundheit in Winnipeg erprobte eine Kombinationstherapie, die unter anderem drei verschiedene Antikörper enthielt. Diese dockten an der Virushülle an, so dass der Erreger keine Zellen mehr infizieren konnte.

So vermehrte sich das Ebola-Virus deutlich langsamer in den untersuchten Tieren. Alle erkrankten Affen, die teilweise erst drei Tage nach Beginn der Infektion behandelt wurden, überlebten. Bei keinem der Tiere seien gravierende Nebenwirkungen aufgetaucht, so Kobinger. „Bei Antikörpern anzusetzen ist eine gute Idee“, sagt auch Becker. „Nach allem, was wir wissen, sollte diese Behandlung auch den Menschen schützen.“

Doch ob die Kombinationstherapie auch infizierten Menschen hilft, müssen klinische Tests erst noch zeigen. Beides, ein wirksamer Impfschutz und eine effektive Ebola-Behandlung, wird dringend gebraucht – denn auch mit Impfstoff werden Ärzte nur Menschen in Gebieten mit einem hohen Ansteckungsrisiko flächendeckend erreichen können.

Ebola-Virus jetzt auch in Kanada?

In Kanada gibt es eine mögliche Infektion mit dem hochansteckenden Ebola-Virus. Es handle sich um „eine schwer kranke Person“, die kürzlich aus Liberia zurückgekehrt sei, sagte Denise Werker von der Gesundheitsbehörde in der westkanadischen Provinz Saskatchewan in einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. In Liberia gibt es mehrere Ebola-Verdachtsfälle, im benachbarten Guinea tötete das Virus unlängst dutzende Menschen. Wenn sich der Verdachtsfall in Kanada bestätigt, wäre dies die erste Ausbreitung des Virus außerhalb von Afrika.

Nach Angaben Werkers wird der Patient oder die Patientin in einer Isolierstation im Krankenhaus behandelt. Die Angehörigen befänden sich in Quarantäne. Die Symptome seien erst nach der Rückkehr in Kanada aufgetreten, fügte Werker hinzu. Wegen der Inkubationszeit bestehe daher nicht die Gefahr, dass Mitreisende im Flugzeug infiziert worden seien.
Dutzende Menschen getötet

Bisher war das Virus, das unlängst dutzende Menschen in Guinea tötete, stets in Afrika aufgetreten. Im westafrikanischen Guinea tötete es in den vergangenen Wochen mindestens 59 Menschen. Außerdem wurden sechs Verdachtsfälle im benachbarten Liberia gemeldet, fünf davon endeten tödlich.

Das Ebola-Virus wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, Infizierte leiden an inneren Blutungen und Austrocknung. In 25 bis 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) tödlich, die Sterblichkeit ist dabei abhängig vom Erregerstrang. Bis heute gibt es keine Impfung oder Therapie gegen das Virus.