Mehr als 2000 Vögel untersucht

Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe in Hessen vor rund zwei Monaten hat das Hessische Landeslabor in Gießen etwa 2150 tote Vögel auf das gefährliche Virus untersucht. An manchen Tagen seien bis zu 50 Tiere untersucht worden, sagte der Abteilungsleiter für Mikrobiologie, Michael Zschök, am Freitag. Überwiegend habe es sich dabei um verendete Wildvögel gehandelt. Insgesamt wurden im Land bisher acht Fälle des H5N8-Virus bestätigt. Die letzten beiden Fälle wurden Anfang dieser Woche in Osthessen bei einem Schwan und einer Wildente bekannt.

«Es ist entscheidend, die Wildtiere von den Nutztieren getrennt zu halten. Die Geflügelhalter müssen besonnen reagieren», erklärte Zschök. Die seit dem 21. November amtlich verordnete Stallpflicht gelte nach wie vor und müsse ebenso wie die Biosicherheitsmaßnahmen komplett durchgehalten werden. Zu Letzteren gehöre unter anderem, nicht mit Schuhen den Stall zu betreten, mit denen man zuvor in Feld oder Wald unterwegs gewesen sei.

In Nordhessen war Mitte November bei einer toten Ente das Vogelgrippe-Virus erstmals in Hessen nachgewiesen worden. Etwa zwei Wochen später wurde auch ein verendeter Pelikan im Opel-Zoo in Kronberg positiv auf das Virus getestet. Der Zoo musste daraufhin vorübergehend geschlossen werden.
Sperrbezirke erlassen

In fast allen Fällen wurden durch die Behörden Sperrbezirke mit einem Radius von einem Kilometer und Beobachtungsgebiete mit einem drei Kilometer großen Radius um die Fundstellen der Tierkadaver erlassen. Bei den zuletzt bestätigten Grippefällen im osthessischen Nentershausen seien beide Sicherheitszonen noch in Kraft, teilte das Hessische Umweltministerium am Freitag auf Anfrage mit.

Ein weiteres Beobachtungsgebiet befinde sich aktuell noch rund um Reichelsheim in der Wetterau. Hier waren Anfang Dezember sowohl ein Habicht als auch Anfang Januar eine Elster positiv getestet worden. In allen anderen Fundgebieten wurden die Sicherheitszonen zwischenzeitlich wieder aufgehoben.

Hessens Geflügelhalter seien sehr beunruhigt, erklärte Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband am Freitag. «Es ist schon schwierig, wenn jede Woche eine Meldung über einen neuen Fall kommt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch wenn es unter den bestätigten Fällen bisher keine Nutztiere gegeben habe, seien sich die Betriebe der latenten Gefahr eines wirtschaftlichen Schadens bewusst.

«Es wäre eine Katastrophe, wenn im eigenen Betrieb ein Fall festgestellt würde», erklärte Weber. Obwohl das Virus für den Menschen ungefährlich sei, seien die Verbraucher bereits jetzt verunsichert. Zschök vom Hessischen Landeslabor sagte: «Man kann nur hoffen, dass sich diese Epidemie bald von selbst erledigt.»

Vogelgrippe breitet sich weiter im polnischen Gorzow aus

In Polen breitet sich die Vogelgrippe weiter aus. Im Dezember wurden über 10 Fälle in der Nähe von Gorzow bekannt. Eine halbe Million Tiere müssen laut polnischen Behörden getötet werden. Mittlerweile sind dort sogar Armee und Polizei im Einsatz. 

Im polnischen Lebuser Land, in direkter Nachbarschaft zum Oderland, herrscht in diesen Tagen Vogelgrippe-Alarm. Auf vier Höfen in der Nähe von Gorzow wurde die Vogelgrippe festgestellt, eine halbe Million Tiere müssen dort getötet werden. Beim Bekämpfen der Geflügelpest helfen sogar die polnische Armee und die Polizei mit.

Claudia Schütte, Amtstierärztin von Frankfurt (Oder) schätzt ein, dass sich die Vogelgrippe aufgrund der Funde infizierter Vögel auch in Deutschland ausbreiten könnte. Sie sagt, dass viele Wasservögel positiv auf Vogelgrippe getestet werden. Weiter erklärt sie gegenüber Antenne Brandenburg, dass die Oder für den Überflug natürlich kein Hindernis darstelle und deshalb auch Tiere in Brandenburg befallen werden könnten.

Polnische und deutsche Behörden arbeiten nicht zusammen

Sinnvoll wäre in dieser Situation eine grenzüberschreitende Kooperation zwischen den Behörden. Doch die gibt es nicht. Claudia Schütte erzählt, dass es vor 10 Jahren regelmäßige Treffen zwischen den Gesundheits-und Veterinärämtern beider Regionen gab. Einmal pro Jahr tauschten sich die deutschen und polnischen Mitarbeiter über das Tierseuchengeschehen im Lebuser Land und im Oderland aus. Doch diese Kontakte sind beiderseitig eingeschlafen, bedauert jetzt die Frankfurter Tierärztin.

Amtstierärztin Claudia Schütte sorgt sich um die wirksame Bekämpfung der Vogelgrippe in diesen Tagen. Bei Kontrollen in Geflügelställen rund um Frankfurt machte sie bereits die Erfahrung, dass sich 90 Prozent der Geflügelhalter nicht an die vorgeschriebene Stallpflicht halten. Sie vermutet, dass sich private Geflügelhalter in Polen ebenso unbedacht verhalten könnten.