Küssen im Winter ist gefährlich

Insgesamt stecken sich jedes Jahr etwa 10 bis 20 Prozent der Deutschen an, und zwar quer durch alle Alterschichten, wobei nicht jeder Infizierte erkrankt. In den meisten Fällen wird die Influenza durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Viren werden beim Niesen, Sprechen, Husten, Küssen weitergegeben. Sie können sich für eine gewisse Zeit aber auch auf Kontaktflächen wie beispielsweise Türklinken halten und werden dann beim Händeschütteln übertragen.

Nachgewiesenermaßen fassen sich Menschen bis zu hundert Mal am Tag in ihr Gesicht, die Finger gelangen dabei an die Augen, die Nase, den Mund. Über die Bindehäute der Augen oder über die Schleimhäute der Nase und des Mundes wandern die Viren in den Mund-Rachen-Raum. Dort besiedeln sie die Zellen der Schleimhaut und vermehren sich in ihnen.

In diesem frühen Moment der Infektion fühlen sich die Betroffenen noch gar nicht krank. Dennoch sind sie schon ansteckend für ihre Mitmenschen. Sie bleiben es noch etwa drei bis fünf Tage lang, dann ist die Gefahr für andere vorüber.

Wer sichergehen will, dass er sich nicht mit einer Grippe ansteckt, sollte Menschenmengen meiden – oder ein paar einfache Hygieneregeln, etwa gründliches Händewaschen, beherzigen.

Einfallstor Flughafen: Forscher wollen Pandemien verhindern

Flughäfen sind faszinierende und geheimnisvolle Orte. Doch die Tore der Welt bergen auch Gefahren: Terroristen, Waffen und Viren können ins Land kommen. Um die Terroristen und die Waffen kümmern sich Polizei und Zoll. Doch was ist mit den Viren? Diesem Thema widmet sich seit Kurzem eine Forschungsgruppe am Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen an der TU Braunschweig.

Die Wissenschaftler unter Leitung der Architekten Wolfgang Sunder und Jan Holzhausen wollen Flughäfen dabei helfen, sich für den Ernstfall vorzubereiten. Dann etwa, wenn bei einer Pandemie ein Flugzeug mit einem oder gleich mehreren hochinfizierten Passagieren ankommt. „Dann muss es ein System geben, das in solchen Fällen anläuft“, sagt Holzhausen.

Entscheidend sei eine darauf ausgerichtete Infrastruktur, bei der sich ganze Bereiche schnell vom Rest des Flughafens abtrennen lassen. „Die Anforderungen sind dabei ähnlich wie an ein Krankenhaus, wo ja auch niemand weiß, wie ansteckend der Patient im nächsten Transport für andere ist.“

Pandemie – immer wenn an einem Ort dieser Welt ein Virus massiv zuschlägt, geht dieses Wort vielen schnell von den Lippen. Aber was ist das eigentlich? „Eine Pandemie ist eine sich schnell weiter verbreitende, ganze Landstriche, Länder und Kontinente erfassende Krankheit“, schreibt die Bundesärztekammer.

Vor zwei Jahren war die Angst davor in Europa besonders präsent. Damals raffte Ebola in einigen westafrikanischen Ländern innerhalb weniger Monate Tausende Menschen dahin. Es lässt sich darüber streiten, wie berechtigt diese Angst war und ist. In jedem Fall können sich Viren in einer vernetzten und globalisierten Welt leichter verbreiten als jemals zuvor.

„Flughäfen sind dabei natürlich stets ein besonders empfindlicher Ort“, sagt Dirk Brockmann vom Robert Koch-Institut in Berlin. Der Wissenschaftler hat Modelle entwickelt, mit denen sich Verbreitungswege von Infektionen über Flughäfen nachvollziehen lassen. „So können wir erkennen, welche Kontinente und Städte besonders gefährdet sind, je nachdem an welchem Ort der Welt sich infizierte Menschen in ein Flugzeug setzen“, sagt Brockmann.

So wütete etwa Ebola besonders heftig in den Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea. „Deshalb war die Importwahrscheinlichkeit an französischen und englischen Flughäfen, also in den Ländern der ehemaligen Kolonialmächte, besonders hoch“, sagt Brockmann.

Die Architekten in Braunschweig wollen mit ihrem Forschungsprojekt aber auch herausfinden, wie sich Erreger innerhalb der Flughäfen verbreiten. „Wie bewegen sich die Menschen und damit auch die Erreger durch das Gebäude? Wo sind die Risikozonen?“, erklärt Sunder. Dabei geht es ihnen nicht nur um die bauliche Beschaffenheit der Flughäfen. Mit im Boot sitzen neben weiteren Forschungsinstitutionen auch Reinigungsfirmen und Kunststoffhersteller.

H5N1 – die Vogelgrippe

Seit 1996 wird die Vogelgrippe international sehr aufmerksam beobachtet, auch von der Weltgesundheitsorganisation. Denn es besteht der Verdacht, dass die hochpathogene A-Variante des Virus auf den Mensch und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Damit wäre eine neuerliche Pandemie der Influenza zu befürchten.

In südchinesischen Provinzen brach die Vogelgrippe zuerst aus, etwa 40 Prozent des dortigen Federviehs waren infiziert. Damals infizierten sich auch 19 Menschen mit dem Virus, die Behörden reagierten mit einer Massentötung des gesamten Hühnerbestands. Dies wurde als Erfolg ausgewiesen.

Doch das Virus breitete sich ab 2005 massiv weiter aus, zunächst Richtung Osteuropa. In mehreren Wellen erreichte es 2006 Mitteleuropa. Danach gab es nur noch vereinzelte Vorkommen der Vogelgrippe in Europa. In den USA und in Kanada tauchte die Vogelgrippe 2015 erstmals auf.

Vor zehn Jahren erreichte die Vogelgrippe Überlingen

Das weiße Blatt war damals nur in Folie eingeschweißt und mit Kabelbindern am Ortsschild befestigt. Es war nur Makulatur, denn es wusste aus den Nachrichten ohnehin jeder, was passiert war: Vor zehn Jahren, am 24. Februar 2006, wurde bestätigt, dass eine in Überlingen aufgefundene Tafelente an dem Vogelgrippe-Virus H5N1 verendet war, sie hatte sich mit der gefährlichen Asia-Variante infiziert. Neun Tage nach dem Fund rückte damals die Feuerwehr aus und desinfizierte die östliche Promenade vor den Seeschulen. Bilder der Männer in den ABC-Schutzanzügen gingen um die Welt, besser hätte man die Gefahr der Vogelgrippe nicht darstellen können. Dabei sollten die Schutzanzüge nur vor den Dämpfen des Desinfektionsmittels schützen.

Die Vogelgrippe musste damals an den Bodensee kommen, das war klar. Die Vogelgrippe wird von Zugvögeln übertragen, nach dem Ausbruch der Grippe im Jahre 2005 in China war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zugvögel sie an den Bodensee importieren würden: Im Durchschnitt überwintern am Bodensee 100 000 Zugvögel. Der Bodensee lag damals im Bereich der dritten Ausbreitungswelle, die von Osteuropa über Griechenland kam. Anfang 2006 war es dann soweit, und plötzlich hatte niemand mehr Appetit auf Geflügel und Eier.

„Seit zehn Jahren haben wir kein Geflügel mehr“, sagt Wilfried Möcking. Er hat damals zwar schon vorausschauend reagiert und bereits im Jahr vor dem Ausbruch der Vogelgrippe sein Geflügel reingeholt und in Ställen untergebracht. Aber mit der Einrichtung der Drei-Kilometer-Sperrzone um Überlingen war er dann trotzdem direkt betroffen. Fortan konnte er sein Geflügel nicht mehr auf dem Überlinger Markt anbieten. „Wir haben unsere Geflügelzucht dann aufgegeben.“ Die Aufgabe des Federviehs war die eine Sache, aber wie ging es weiter? „Wir haben uns komplett umgestellt“, erklärt Möcking. Die Räumlichkeiten wurden anders verwendet, in den ehemaligen Stallungen kam die neue Hofbäckerei unter.

Das war eine richtige Entscheidung, wie sich langfristig herausstellen sollte. Denn auch heute noch, zehn Jahre nach Ausbruch der Vogelgrippe, gilt noch die Einstellungspflicht für Geflügel im Bereich von 800 Metern vom Uferbereich des Bodensees – Möckings Hof in Seefelden wäre heute direkt davon betroffen, wenn er noch Geflügel hätte. Stattdessen gibt es heute frisches Möcking-Brot auf dem Überlinger Bauernmarkt.

„Die Vogelgrippe gibt es immer noch“, so die Information von Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte in Radolfzell. „Es ist zwar ruhig hier, aber in Südostasien kocht das Thema noch.“ Der Ausbruch der Vogelgrippe basiert nach seinen Worten auf der Geflügelzucht, dem Transport und auch auf den Wildtieren. „Wie das allerdings genau zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar.“ Eine Trennung dieser drei Parameter ist schon ein sehr wirksames Mittel. „So wie wir leben, besteht keine Gefahr“, betont er. Auch die „vernünftige Anwendung der Regeln“ stellt eine wirksame Prävention dar, explizit nennt er die 800-Meter-Regelung entlang des Bodenseeufers.

Die betrifft nicht unbedingt den Neuhof von Uwe und Gerhard Plessing in Bambergen hinter Überlingen, der liegt deutlich im Hinterland, weit hinter der 800-Meter-Linie. Vor zehn Jahren hielten sie hauptsächlich Gänse. „Das war kritisch damals“, sagt Gerhard Plessing rückschauend, auch wenn sie damals nicht direkt betroffen waren, da sie nicht auf dem Überlinger Wochenmarkt vertreten waren. Die Plessings sind immer noch Geflügelzüchter, heute halten sie Puten. „Die Vogelgrippe ist für uns heute kein Thema mehr“, betont er. Auch gibt es keine besonderen Vorkehrungen mehr, die sie beachten und umsetzen müssten. Für das Federvieh haben sie schon vor langer Zeit eine Überdachung gebaut. „Unsere Vögel sind die ganze Zeit im Stall oder unter Dach. Von der Seite haben die kein Kontakt zu den Wildtieren“, erläutert Gerhard Plessing. So gesehen sind auch die Maßnahmen auf dem Neuhof ein wirksamer Schutz gegen die Vogelgrippe.

Pest-Erreger – Ein Skelett für die Wissenschaft

Aus einem bereits vor 50 Jahren in Süddeutschland geborgenen Skelett ist es nun erstmals gelungen, das Genom des Erregers der Justinianischen Pest vollständig zu rekonstruieren.

Das Forschungsteam um Johannes Krause und Michal Feldman vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena sowie Michaela Harbeck von der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München, hat damit eine Referenz geschaffen, die neue Einblicke in evolutionäre Schlüsselereignisse, Adaptionen und die Pathogenität eines Bakteriums erlaubt, das bis heute in vielen Teilen der Welt zu Pestausbrüchen führt.
Gesamte DNA isoliert

Die Justinianische Pest war die erste große historische Pest-Epidemie. Sie tötete zur Zeit des Byzantinischen Reichs bis zu 50 Millionen Menschen und trug möglicherweise zum Untergang des oströmischen Reiches bei. Bis heute sind die geografische Ausbreitung, die Mortalität und die Folgen der Justinianischen Pandemie nicht gänzlich geklärt.

Neuere archäogenetische Studien haben jedoch gezeigt, dass für beide Pest-Pandemien am Ende des 8. und im 14. Jahrhundert der gleiche Erreger, das Bakterium Yersinia pestis, ursächlich war.

Den Forschern ist es nun erstmals gelungen, die gesamte DNA des Bakteriums aus einem Skelett zu isolieren. Die betreffende Person war im 6. Jahrhundert im bayerischen Altenerding Opfer der Pest geworden. Das so gewonnene Genom datiert an den Anfang der Pandemie. Das Skelett wurde aus einem Reihengräberfeld in Altenerding-Klettham nahe München geborgen und seit der Ausgrabung vor 50 Jahren in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München (SAPM) verwahrt.

Vor der DNA-Analyse werden die Skelette dort morphologisch untersucht, dabei konnte der Anthropologe Bernd Trautmann feststellen, dass es sich bei dem Opfer um einen jungen Mann handelt, der gemeinsam mit einer jungen Frau in einem Grab bestattet wurde, weshalb die Vermutung nahe lag, dass sie Opfer einer schnell tötenden Infektionskrankheit wurden. Jetzt ist es Gewissheit, dass sie Opfer der Pest wurden.
Über 30 Mutationen

„Altenerding ist neben dem nur wenige Kilometer entfernten Gräberfeld Aschheim nun erst der weltweit zweite Fundplatz, auf dem der Erreger der Justinianischen Pest eindeutig nachgewiesen werden konnte“, sagt Andreas Rott, der zahlreiche Skelette aus Altenerding molekularbiologisch auf Pest prüfte, bevor er die DNA des Erregers gefunden hatte. „Wir freuen uns, dass wir nach der gelungenen Pest-Detektion in Aschheim, erneut die DNA von Yersinia pestis in unserem Sammlungsmaterial finden konnten“ sagt Michaela Harbeck.

Der erneute Fund des Erregers in Süddeutschland bestätigt, dass die Justinianische Pest weit über die historisch überlieferten Regionen hinausreichte und erlaubt neue Einsichten in die Evolutionsgeschichte von Yersinia pestis. „Damit wird das enorme Potenzial der Rekonstruktion von Genomen vergangener Pathogene demonstriert.

Diese bieten nicht nur Einsichten in historische Prozesse, sondern vertiefen auch unser Verständnis der Erregerevolution“, sagt Michal Feldman. Ein vor kurzem veröffentlichter Entwurf des Genoms der justinianischen Pest wird durch die neue Sequenz ergänzt und revidiert. „Wir konnten 30 zusätzliche Mutationen und strukturelle Umlagerungen identifizieren, die einzigartig für den Justinianischen Erregerstamm sind“, erklärt Studienleiter Johannes Krause. „Drei davon sind in Genen lokalisiert, die essenziell für die Virulenz des Bakteriums sind.“

Außerdem zeigen die Daten, dass der Erregerstamm genetisch deutlich diverser war, als ursprünglich angenommen.
Neue Richtlinien könnten folgen

Die neuen Erkenntnisse erlauben es den Autoren, neue Richtlinien zu entwickeln, die dabei helfen könnten, die Qualität und Authentizität genomischer Daten, die von potenziellen früheren Krankheitserregern gewonnen wurden, zu verbessern.

Mit der Rekonstruktion des kompletten Genoms ist es zudem gelungen, eine wichtige Referenz zu schaffen, mit deren Hilfe neue Einblicke in evolutionäre Schlüsselereignisse, Adaptionen und die Auswirkungen des Bakteriums auf den Menschen gewonnen werden können.

Das erscheint umso bedeutsamer, als auch heute noch die Pest in vielen Teilen der Welt zahlreiche Opfer fordert.

Für mögliche Influenza-Pandemie: Bayern wappnet sich

Bayern will sich für den Fall einer Pandemie durch ein neuartiges Grippevirus rüsten. Der Bayerische Influenza-Pandemie-Rahmenplan soll dahingehend überarbeitet werden, wie das Bayerische Gesundheitsministerium mitteilte.

Einfließen sollen vor allem die Erfahrungen der jüngsten Pandemie, der sogenannten Schweinegrippe. «Auch wenn die Pandemie 2009/10 weitgehend moderat verlief, dürfen wir die potenzielle Bedrohung durch ein neuartiges, pandemisches Grippevirus keinesfalls unterschätzen», sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Eine Influenza-Pandemie bezeichnet eine international um sich greifende Epidemie durch ein Grippevirus. Durch die große Zahl von Erkrankten kann in einem solchen Fall das Gesundheitssystem an seine Grenzen stoßen. Der bayerische Rahmenplan setzt die Regelungen, die im Nationalen Pandemieplan von Bund und Ländern getroffen wurden, für Bayern um.