Krankenhauspersonal läuft davon

In Nigeria flüchten immer mehr Ärzte und Pfleger aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Ebola-Virus aus den Krankenhäusern. Viele Mediziner hätten auf Druck ihrer Familien die Klinik verlassen.

Betroffen sei vor allem das Yaba Mainland Hospital in Lagos, wo mehrere Infizierte auf Isolierstationen lägen, berichtet die Zeitung „Punch“. Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas wurden bisher elf Ebola-Fälle bestätigt. Erst gestern war bekanntgeworden, dass eine weitere Infizierte an den Folgen der Krankheit gestorben ist. Die Tote war eine junge Krankenschwester. Sie hatte Kontakt mit einem Berater der liberianischen Regierung, der im Juli in die Millionenmetropole Lagos gereist und dort am Flughafen zusammengebrochen war. Insgesamt gibt es damit in Nigeria bereits vier Ebola-Opfer.

Erster Ebola-Fall wird nach Europa geflogen

Spanien holt einen Geistlichen zur Behandlung zurück in sein Heimatland. Er hatte in Liberia einen mit Ebola infizierten Klinikchef gepflegt – und sich selbst angesteckt.

Sie gibt dem Druck von Zehntausenden Spaniern nach, die seine Rückkehr fordern: Die spanische Regierung lässt einen mit dem Ebola-Virus infizierten Staatsbürger aus Westafrika in sein Heimatland zurückbringen. Eine Maschine der spanischen Luftwaffe sollte am Mittwoch von Madrid nach Liberia starten, um den aus Spanien stammenden Geistlichen abzuholen. Bei dem Transport würden die strengsten Sicherheits- und Quarantäne-Vorkehrungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingehalten, verlautete aus dem Verteidigungsministerium.

Spanien ist damit nach den USA der zweite westliche Staat, der bei der aktuellen Epidemie in Westafrika einen mit Ebola infizierten Staatsbürger aufnimmt. Der 75-jährige Geistliche Miguel Pajares hatte in Monrovia in einem mittlerweile geschlossenen Krankenhaus gearbeitet. Dort hatte der Spanier den später an Ebola gestorbenen Direktor gepflegt. Am Montag ergab ein Test, dass er ebenfalls mit dem Virus infiziert wurde.

Beamte der Madrider Ministerien für Gesundheit, Verteidigung und Inneres beschlossen, den aus der Gegend von Toledo stammenden Geistlichen nach Spanien zurückzubringen.

Zehntausende Spanier hatten zuvor von der Regierung in Madrid die sofortige Rückkehr des Geistlichen gefordert. Die entsprechende Internetpetition war am Dienstagabend bereits von mehr als 75.000 Menschen unterstützt worden. Der 75-jährige Johanniter, der seit acht Jahren in Liberia für eine Nichtregierungsorganisation tätig ist, sagte der Nachrichtenagentur efe, er fühle sich im Stich gelassen. Ein Test ergab am Montag, dass er Ebola hat. „Ich würde gern nach Spanien, weil wir hier sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man hilft uns nicht.“

Die Situation im Krankenhaus sei sehr schlimm, ließ die spanische Nichtregierungsorganisation „Juan Ciudad“ wissen. Neben dem Geistlichen seien auch zwei Missionarinnen infiziert. Insgesamt seien seit dem 1. August sechs Missionare unter Quarantäne gestellt.

Die Reaktionen in den USA waren vielfach anders ausgefallen: Dort hatten sich in Foren und anderen Beiträgen etliche Menschen aus Angst vor Ansteckung gegen eine Rückkehr von infizierten Amerikanern ausgesprochen.

Inzwischen acht bestätigte Ebola-Fälle in Nigeria

In Nigeria sind inzwischen acht Ebola-Fälle in Labortests bestätigt worden. Alle Patienten lägen in Lagos auf Isolierstationen in Quarantäne, bestätigte am Dienstagabend der örtliche Gesundheitsbeauftragte Jide Idris. Weitere mögliche Fälle würden überwacht. Die Hafenstadt Lagos ist mit zehn bis zwölf Millionen Einwohnern neben Kairo die bevölkerungsreichste Stadt Afrikas, Nigeria das mit Abstand bevölkerungsreichste Land des Kontinents.

Alle erfassten Fälle gehen auf einen Berater der liberianischen Regierung zurück, der vor knapp zwei Wochen in einem Krankenhaus in Lagos an dem Virus gestorben war. Der 40-Jährige war wenige Tage zuvor nach Lagos geflogen und am Flughafen zusammengebrochen. Zunächst war die Ansteckung eines Arztes bestätigt worden, nun folgten weitere Nachweise.

Die Regierung hat medizinisches Personal zu wichtigen Grenzpunkten entsandt. Zudem wurden in vielen Bundesstaaten Aufklärungskampagnen gestartet. Am Wochenende hatten die Behörden mitgeteilt, dass eine Schließung der Grenzen zunächst nicht geplant sei.

Ebola hat Nigeria erreicht

In Nigeria gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen mehrere Ebola-Fälle. Bei drei Patienten sei es „wahrscheinlich“, dass sie mit dem Virus infiziert seien, dazu komme ein Verdachtsfall. Der nigerianische Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu bestätigte einen neuen Fall: Ein Arzt sei mit dem Virus infiziert. Der Mediziner habe sich bei einem Ebola-Patienten angesteckt, der mit dem Flugzeug aus Liberia nach Lagos eingereist und Ende Juli gestorben war.

Zwei weitere Menschen, die in Kontakt mit dem Arzt waren, zeigen dem Minister zufolge ebenfalls Symptome – sie liegen nun auf einer Isolierstation. Insgesamt befänden sich acht Nigerianer in Quarantäne, mehr als 60 weitere würden überwacht.

Nigeria ist nach Liberia, Sierra Leone und Guinea das vierte Land, das von der Ebola-Epidemie betroffen ist. Das Land hat mehr als 150 Millionen Einwohner, allein in der Metropole Lagos leben rund zehn Millionen Menschen.

Die Regierungen von Liberia und Sierra Leone haben inzwischen den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, in Liberia sind Märkte und Schulen geschlossen, an Flughäfen soll Reisenden Fieber gemessen werden. Sierra Leone stellte ganze Gebiete im Osten des Landes unter Quarantäne. Der Fußballverband sagte laut BBC alle Fußballspiele im Land ab. Mit der Maßnahme sollen große Menschenansammlungen vermieden werden. Es sei fraglich, ob das für nächsten Monat angesetzte Qualifikationsspiel zwischen Sierra Leone und Kamerun für die Afrikameisterschaft stattfinden könne.

WHO: 887 Ebola-Tote, mehr als 1600 Infizierte

Nach neuen Angaben der WHO sind inzwischen in Westafrika mindestens 887 Menschenleben an Ebola gestorben. Die Zahl registrierter Infektionen stieg auf 1603. Die Zahlen der WHO zeigen auch, dass sich die Epidemie innerhalb weniger Tage rasant ausgebreitetet hat: Seit dem 31. Juli kamen 158 neue Todesfälle dazu.

Zustand des Ebola-Arztes in den USA besser

Der Zustand eines in Atlanta in den USA behandelten Ebola-Arztes hat sich unterdessen leicht gebessert. „Es ist ermutigend, dass es ihm besser zu gehen scheint“, sagte der Direktor der amerikanischen Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden, dem Sender CBS. Der 33-jährige Kent Brantly ist der erste in den USA behandelte Ebola-Patient überhaupt. Frieden gab sich optimistisch: „Wir wissen jetzt, wie wir Ebola stoppen können“, sagte er. Zwar sei der Ausbruch derzeit außer Kontrolle, die für den Kampf gegen die Seuche nötigen Methoden seien aber bekannt und erprobt. Der CDC-Direktor kündigte an, dass in den kommenden 30 Tagen insgesamt 50 US-Experten nach Westafrika geschickt werden.

Die nächsten Tage sind Experten zufolge aber noch kritisch für den 33-jährigen Arzt. Er hatte sich in Liberia infiziert und vor etwa einer Woche erste Ebola-Symptome gezeigt. Die WHO-Daten zeigen, dass bei der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika gut die Hälfte der erfassten Infizierten nicht überleben.

Das Ebola-Virus löst eine infektiöse Fiebererkrankung aus, die von Blutungen begleitet wird. Es gibt kein Heilmittel, lediglich die Symptome der Patienten können behandelt werden.

Ebola: Sicherheitsmaßnahmen am Frankfurter Flughafen

Wenn sich das in Westafrika wütende Ebolavirus einen Weg nach Deutschland bahnen würde, dann wäre der Frankfurter Flughafen eine wahre Schleuse.

Das Szenario wurde natürlich bereits durchgespielt und sollte ein Ebola-Patient in Frankfurt am Main landen, dann würde ein komplexer Wall aus Schutzmaßnahmen greifen.

Der Notfallplan bei Ebola

Der Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt hält es für “extrem unwahrscheinlich”, dass ein Passagier an Bord erkrankt und nach der Landung isoliert werden muss. Doch falls dem so wäre, existiert sozusagen ein Notfallplan. Allerdings wurde dieser Plan nicht extra aufgrund der Ebola-Epidemie ausgearbeitet, sondern er besteht seit Langem. So landete etwa im Jahr 2003 ein SARS-Patient in Frankfurt und im Jahr 2006 war ein Passagier am Lassafieber erkrankt. Beide Patienten hätten überlebt, so der Gesundheitsamts-Chef René Gottschalk. Er ist auch für den Flughafen in Frankfurt zuständig.

Der Notfallplan sieht vor, dass ein ampel-ähnliches Verfahren als Schutzmaßnahme fungiert. Zeigt ein Fluggast die Symptomatik einer Infektion, meldet der Pilot dies an den Tower, erklärt Fraport-Sprecher Christopher Holschier. Die Folge wäre, dass das Flugzeug draußen auf dem Vorfeld zum Stillstand kommt. Der erkrankte Passagier wird mit einem roten Punkt “markiert” und unverzüglich mit einem Spezialfahrzeug auf die Isolierstation der Universitätsklinik gebracht. Jeder, der sich in einem Umkreis von zwei Metern um den Infizierten während des Fluges aufhielt, erhält einen gelben Punkt. Eventuell müssten diese Personen in Quarantäne. Und die restlichen Passagiere oder Crewmitglieder bekommen einen grünen Punkt. Ausgestattet mit Informationsmaterial dürften sie ihren Weg ohne weitere Maßnahmen fortsetzen. Auch die Busse, die die Passagiere vom Vorfeld abholen, sind mit den entsprechenden Farben markiert. So kommen die Fluggäste mit einem gelben Punkt in den entsprechenden Bus und die “grünen” Passagiere werden in den dafür vorgesehenen Bus gebracht.
So kommen die unterschiedlichen Gruppen nicht miteinander in Berührung.

Die Station 68

In der Universitätsklinik ist die “Station 68″ ausschließlich den Erkrankten vorbehalten, die an einer hochansteckenden, lebensbedrohlichen Infektion leiden. Seit Bestehen wurde sie lediglich erst zweimal benutzt. Im Ernstfall werden drei Zimmer der “normalen” Infektionsstation mit speziellen Schleusentüren abgetrennt. In den Isolierzimmern herrscht ein Unterdruck und die Ärzte werden mit gesonderten Anzügen ausgestattet, die ein wenig an die Raumfahrt erinnern. Oberarzt Timo Wolf erklärt, dass in diesen Schutzanzügen ein Überdruck herrscht. Unabhängig von einem tatsächlichen Auftreten einer solchen Infektionsgefahr werden die betroffenen Ärzte und das Pflegepersonal regelmäßig geschult. So ist das Klinikum in der Lage, jederzeit einen hochinfektiösen Patienten aufzunehmen und ihn entsprechend zu versorgen.

Deutsche Ärzte und Entwicklungshelfer würden heimgeholt

Würde sich ein deutscher Arzt oder ein Entwicklungshelfer mit dem Ebola-Virus infizieren, dann würde dieser nicht mit einer normalen Linienmaschine nach Hause fliegen. Für solche Fälle käme ein Spezialflugzeug zum Einsatz. Am Flughafen würde der Erkrankte sofort in das Spezialfahrzeug umsteigen und käme ohne einen Kontakt zu irgendeiner Person in das Klinikum.

René Gottschalk seufzt über die unzähligen Anfragen von Privatpersonen. “Alle hätten plötzlich Ebola”, dabei gebe es in Deutschland keinen einzigen Fall und auch keinerlei Problematik. Es gibt noch nicht einmal eine direkte Flugverbindung zwischen Frankfurt und den betroffenen Ländern in Afrika. Und – um sich anzustecken, müsste man schon mit einer Körperflüssigkeit oder einem Organ eines Infizierten in Berührung kommen – ein äußerst unwahrscheinliches Szenario.