Gentherapie gegen AIDS

Es existiert ein Gen, das gegen HIV immun macht. Einer von hundert Europäern trägt zwei Kopien davon in seinem Erbgut und ist dadurch vor dem Virus geschützt. Amerikanische Forscher haben es nun in die Blutzellen von Aids-Patienten geschleust, mit dem Ziel die Betroffenen von den Viren zu befreien. Die Ergebnisse sind im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden.

Diese Art der Immuntherapie ist ein vielversprechender Ansatz, denn die verwendeten Zellen, sogenannte T-Lymphozyten, sind das Hauptangriffsziel der HI-Viren – ihr Niedergang löst die Immunschwäche Aids aus. Durch den Einbau des Resistenzgens verändert sich die Oberfläche der T-Lymphozyten, den Viren wird dabei die Andockstelle genommen. Für das Experiment wurden die Immunzellen aus dem Blut der Probanden isoliert, mit dem Gen behandelt und im Labor vermehrt. Anschließend spritzte man sie zurück in den Blutkreislauf der Patienten.

Grund zur Euphorie gibt die Studie allerdings nicht: Nur zwölf Patienten haben daran teilgenommen, für medizinische Versuche eine extrem kleine Zahl. Sie alle wurden zu Beginn des Experiments mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, die HIV-Konzentrationen in ihrem Blut lag unterhalb der messbaren Grenze. Bei sechs dieser Patienten wurde nach der Infusion der genmanipulierten T-Lymphozyten die Medikation abgesetzt, um den Effekt der resistenten Zellen zu testen: Erwartungsgemäß vermehrten sich die Viren ohne die Wirkstoffe innerhalb weniger Tage explosionsartig. Bei zwei Versuchsteilnehmern erreichte die Menge an Viren eine kritische Grenze, sie mussten wieder zu den Medikamenten greifen. Die restlichen vier Probanden zeigten nach der anfänglichen Zunahme aber tatsächlich eine langsam sinkende HIV-Konzentration, einer von ihnen war nach 84 Tagen sogar komplett virenfrei.

Das klingt zunächst sensationell, hat jedoch einen Haken: Im Nachhinein wurde festgestellt, dass dieser Patient von Geburt an bereits eine Kopie des Resistenzgens in seinem Erbgut trägt. Er hatte damit einen Startvorteil: Zwar schützt eine einzelne Kopie nicht vor einer Infektion, sie macht es den Viren aber schwerer, sich zu vermehren. Die Forscher sind in der Beurteilung ihrer Ergebnisse auch entsprechend bescheiden: „Wir haben mit der Studie gezeigt, dass wir sicher und effektiv T-Lymphozyten von HIV-Patienten manipulieren und sie ihnen anschließend wieder zurückinjizieren können“, sagt Carl June, der Leiter der Studie. Das für ihn wichtigste Resultat der Untersuchung ist, dass die modifizierten Zellen im Körper extrem lange überlebten, ihre Halbwertszeit betrug im Schnitt 48 Wochen. „Das bekräftigt uns in dem Glauben, dass modifizierte T-Lymphozyten der Schlüssel für zukünftige HIV-Therapien ohne lebenslange Medikationen sind, und vielleicht sogar einen Ansatz für die Heilung darstellen“, so der Forscher.

Vogelgrippe erneut aktuell

Eine milde Form von Vogelgrippe wurde bei Hennen in einem Betrieb im Landkreis Grafschaft Bentheim festgestellt.

In einem Freilandlegehennenbetrieb im Niedersachsen ist eine milde Form der Vogelgrippe festgestellt worden.

Betroffen sind nach Angaben des zuständigen Landkreises Grafschaft Bentheim in dem Betrieb in Emlichheim rund 38.000 Hennen, die nun getötet werden müssten.

Den Verdacht auf einen für Menschen nicht gefährlichen Subtyp habe der Kreis nach positiven Laborergebnissen am Wochenende gehabt.

Am Dienstag habe das Friedrich-Loeffler-Institut den Befund bestätigt. Es wurde ein Sperrgebiet von einem Kilometer rund um den Betrieb eingerichtet.

Die kleinen Viren-Schleudern aus der Kita

Eine neue Studie zeigt: Verschnupfte Kinder haben erstaunlich oft Influenza-Viren. Für ein gesundes Kind ist das in der Regel ungefährlich, doch es verbreitet den Erreger oft in der ganzen Familie.

Schnupfnase, Scharlach, Magen-Darm-Infekt – besuchen Kleinkinder eine Kita, mutieren sie oft zu echten Virus-Schleudern. Besonders ganz zu Beginn und im Winter werden manche gar nicht mehr richtig gesund.

„Wir sprechen von Infekt-Ketten“, sagt Hans-Michael Mühlenfeld. Der Vorsitzende des Instituts für Hausärztliche Fortbildung arbeitet seit 20 Jahren als Hausarzt in Bremen. Und nicht selten stecken sich früher oder später auch Eltern und Geschwister an.

Doch was für die Familien anstrengend ist, und vielen Eltern Sorgen bereitet, ist in den meisten Fällen ganz normal – und nach Expertenmeinung sogar wichtig für die Kindesentwicklung. „Wenn ein Kleinkind eine Virusinfektion durchmacht, entwickelt es eine Immunität – also einen Schutz von längerer Dauer – gegen den Erreger.

Das ist ein sinnvoller Prozess, wir können hier auch von der Schule des Immunsystems sprechen“, sagt Johannes G. Liese. Er ist Leiter der Pädiatrischen Infektiologie und Immunologie am Universitätsklinikum Würzburg.

Gefahr im Permafrost: Forscher tauen Riesen-Viren auf

30.000 Jahre schlummerten sie unentdeckt im Permafrostboden: Forscher haben bisher unbekannte Riesenviren zum Leben erweckt. Die Forscher warnen: Taut der Boden weiter, könnten mehr Erreger freiwerden – und womöglich Menschen gefährden.

Forscher haben 30.000 Jahre alte, bislang unbekannte Riesenviren aus dem Permafrostboden zum Leben erweckt. Pithovirus sibericum infiziere bestimmte Amöben, berichten die Wissenschaftler in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften. Mit dem Tauen des Permafrostbodens in Sibirien oder beim Bohren nach Öl in der Arktis könnten weitere Viren frei werden und möglicherweise Tiere und Menschen gefährden, warnen die Forscher.

Riesenviren sind etwa so groß wie Bakterien und sogar in einem Lichtmikroskop sichtbar. Bislang kannten die Forscher zwei sehr unterschiedliche Familien: die Megaviren und die Pandoraviren. Beide sind erst seit etwa zehn Jahren bekannt.

Ältestes Virus dieser Art

Das Team um Matthieu Legendre und Julia Bartoli von der Aix-Marseille Université (Marseille/Frankreich) spürte nun eine dritte Variante auf: das 1,5 Mikrometer (0,0015 Millimeter) lange Pithovirus. Dazu hatten die Wissenschaftler Proben des Permafrostbodens aufgetaut und dann im Labor mit Acanthamöben (Acanthamoeba castellanii) zusammen gebracht. Die Amöben dienten sozusagen als Köder, um den Viren eine Möglichkeit zu geben, sich wieder zu vermehren.

„Unseres Wissens ist dies das älteste, Eukaryoten-infizierende Virus, das bisher zum Leben erweckt wurde“, schreiben die Forscher. Die Pithoviren scheinen charakteristische Merkmale der beiden anderen bekannten Riesenvirus-Familien in sich zu vereinen. In ihrer amphoren-ähnlichen Struktur ähnelten sie den Pandoraviren, während ihr Gen-Gehalt und die Art der Replikation an Megaviren erinnerten.