Die Multiple Sklerose (MS) ist eine schwere entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Erst nach längerer Zeit machen sich Behinderungen beim Sehen, durch Nervenschmerzen oder Lähmungen bemerkbar. Bisher ist MS nicht heilbar, doch Wissenschaftler haben einen neuen Ansatz zur Bekämpfung der Krankheit gefunden.
Die Ursache für die entzündlichen Prozesse an den Nerven sind Immunzellen, die sich nach falschen Impulsen verhalten und deshalb Nervenzellen und Nervenbahnen zerstören. Die Multiple Sklerose gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Kennzeichen dieser Krankheiten sind überschießende Reaktionen des Immunsystems, das sich gegen den eigenen Körper richtet. Das System zur Abwehr von Krankheiten hält normale Körperzellen für Fremdkörper und bekämpft die angeblichen Eindringlinge. So kommt es zu schweren Schäden und Entzündungsprozessen. Die MS verläuft in Schüben und kann zu schwersten Behinderungen führen. Die Krankheit ist eine der häufigsten neurologischen Krankheiten, die junge Erwachsene befällt und deshalb von hoher sozialmedizinischer Brisanz ist. Nun gibt es Hoffnung, dass der Ausbruch der MS verhindert werden könnte.
Impfung bei Kindern möglich
Wissenschaftler des DFG-Forschungszentrums für Regenerative Therapien der Technischen Universität Dresden und der Harvard Universität im amerikanischen Boston haben herausgefunden, dass sehr kleine Mengen von Antigenen Abhilfe schaffen können. Sie können die fehlgeleiteten und zerstörerischen Reaktionen des Immunsystems verhindern. Die Wirkung ist ähnlich der einer Impfung. “Die Zielgruppe sind Kinder, bei denen ein Ausbruch der Krankheit vorhersehbar ist,” verdeutlicht Karsten Kretschmer, der Leiter der Forschungsgruppe in Dresden.
Antigene gegen MS
Das ist bei bestimmten Voraussetzungen gegeben: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, wenn bereits ein Elternteil oder Geschwister an MS erkrankt sind. Es könnte noch 10 bis 15 Jahre dauern, bis die Impfung zur Vorbeugung angewandt werden kann. Doch die Wissenschaftler planen schon weiter. Karsten Kretschmer möchte auch den Menschen helfen, bei denen die Krankheit bereits ausgebrochen ist. Weil die MS den eigenen Körper angreift, hat man in Studien versucht, den Probanden die verlorenen Proteine wieder zurückzugeben. Doch diese Versuche waren nicht sonderlich erfolgreich. Auch hier hoffen die Forscher, mit den Antigenen aus dem Impfstoff bei einer bereits bestehenden Krankheit erfolgreich zu sein.
Erfolg durch Antigene
“Wir denken, dass wir den richtigen Trick gefunden haben,” meint Karsten Kretschmer. Dem Körper wurden die Proteine nicht mehr einfach nur zugeführt. Die Forscher haben die Eiweiße mit Hilfe von Antikörpern direkt an die Zellen geschickt, die die Krankheit auslösen. “Man braucht nur geringste Mengen Antigene, die einmalige Gabe reicht.“ Es waren Versuche an Mäusen, die zur Hoffnung Anlass geben. Bei den Tierversuchen konnten bereits einige Erfolge verbucht werden.
Neues Medikament wird geprüft
Für die mehr als 120.000 in Deutschland MS-Kranken gibt es noch weitere Hoffnung. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat die Erlaubnis für die Therapie mit einem neuen Arzneimittel gegeben. In Versuchen hat sich gezeigt, dass der Wirkstoff Fingolimod die Zahl der Krankheitsschübe deutlich senken kann. Bisher wurde die Multiple Sklerose mit Beta-Interferonen behandelt. Für das neue Medikament wurde auch eine Zulassung in der Europäischen Union beantragt. Doch gibt es noch keinen festgelegten Termin für eine Genehmigung, denn zuerst muss der neue Wirkstoff auf seinen tatsächlichen Nutzen oder auf Nebenwirkungen überprüft werden.
Letzte Kommentare