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Gesundheit: Ärzte gegen Abschaffung der Privatkassen

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Gesundheit: Phobien-Bewältigung: Schmusen mit „Ekeltieren“

Mit Herzklopfen und zittrigen Händen tastet sich Vivian an das Stofftier heran. Eigentlich ist die leblose Spinne ein Kinderspielzeug. Für Vivian aber bedeutet die Annäherung Adrenalin pur. Die 18-Jährige hat eine Phobie. Ein Angstbewältigungsseminar im Münchner Tierpark Hellabrunn soll ihr helfen. Bis zu 17 Prozent der Deutschen leiden an einer dringend behandlungsbedürftigen Phobie. Bei vielen davon richtet sich die Angststörung gegen Krabbel- und Kriechtiere.

Die ersten Tränen fließen schon in der Vorstellungsrunde. Allein das Wort „Spinne„ zu hören, versetze sie schon in höchste Anspannung, sagt eine der Teilnehmerinnen. Kein Wunder, dass das Foto einer heimischen Hausspinne den ein oder anderen Verzweiflungsschrei auslöst. Dabei hat das eintägige Seminar mit Methoden der Verhaltenstherapie nur ein Ziel: Die Teilnehmer in Angst zu versetzen, damit sie erkennen, wie sie diese bezwingen können.

„Angst ist ein Verhaltensmuster, das man genauso erlernen, wie auch wieder verlernen kann“, sagt Seminarleiterin Ursula Riedinger. Die eigentliche Gefahr sei die eigene Vorstellungskraft, weniger das Objekt, vor dem man sich fürchte, erklärt die Tierpflegerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. „Die Teilnehmer sind oft positiv überrascht nach den Übungen, weil sie die Begegnung mit dem Tier viel schlimmer erwarten, als sie eigentlich ist.“

Vertrauen braucht Übung. Daher gibt es Angstbewältigungsseminare auch in anderen Zoos, etwa im Reptilienpark Berlin oder im Reptilium in Landau in der Pfalz. Die elf Phobiker im Münchner Tierpark Hellabrunn berühren erst hässliche Gummiattrappen und dann echte Schlangen- und Spinnenhaut. Dabei kommt es auf die richtige Atmung an. Immer wieder entspannt sich die Gruppe mit geschlossenen Augen, ruhiger Atmung und Gedanken an einen sommerlichen Garten mit Zitronenbäumen. Die Entspannung soll anhalten, auch beim Anblick der behaarten Achtbeiner.

Lieber sich mit dem Angstobjekt zu beschäftigen, als wegzulaufen, das ist auch die Devise von Nikolaus Melcop, Präsident der Bayerischen Psychotherapeutenkammer (PTK). „Es kann helfen, in den Keller zu gehen und sich die Spinnen einfach anzuschauen oder Bücher über die Tiere zu lesen“, so Melcop. Viele unter Spinnenangst Leidende (Arachnophobiker) hätten ihre Panikattacken von den Eltern übernommen. Betroffen seien meistens Frauen. „Wenn dann noch in der Partnerschaft der Mann den Heilsbringer spielt, weil er immer die Spinne wegräumt, wenn die Frau schreit, dann wird das Problem bestehen bleiben“, sagt der Psychologe.

30 bis 40 Prozent der Menschen haben nach Schätzungen Angst vor Spinnen. Spinnenangst sei aber nicht notwendig krankhaft, und eine schwere Phobie lasse sich erfolgreich behandeln: „Egal ob verhaltenstherapeutisch, tiefenpsychologisch, familientherapeutisch oder psychoanalytisch: für alle Verfahren liegen sehr gute Ergebnisse vor“, betont Melcop. Die fachliche Qualifikation des Psychotherapeuten sei entscheidend. Nur dann zahle auch die Krankenkasse eine Behandlung der Phobien. Der PTK-Präsident warnt vor unseriösen Angeboten: „Manche Leute wollen ihre Angst loswerden, ohne sich groß anzustrengen und haben deshalb eine Affinität zu Hypnoseangeboten.“ Bei einer mangelhaften Ausbildung könne der Anbieter dem Patienten schweren Schaden zufügen.

Im Tierpark Hellabrunn nähert sich der Seminartag seinem Höhepunkt: Der acht Zentimeter großen Vogelspinne Agathe und dem jungen Königspython namens Houdini. Auf dem Weg zu den Tieren teilt sich bei den meisten Nervosität mit Zuversicht. Auch bei Larry, dem einzigen männlichen Teilnehmer, der nach einem Schlangenbiss beinahe sein Bein durch Amputation verloren hätte. „Ich denke, ich bin jetzt bereit, die Schlange anzufassen“, sagt der Traumatisierte.

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Gesundheit: Gehirn schrumpft vorübergehend beim Ultramarathon

Ein mobiles Kernspin-Gerät auf einem 40-Tonner-Sattelzug begleitete die Läufer des Transeuropa-Laufes von Süditalien bis zum Norkap. Sie legten dabei jeweils 64 Etappen von durchschnittlich knapp 70 Kilometer zurück. Mehr als 40 Extremsportler ließen vor, während und nach dem Lauf im Jahr 2009 medizinische Aufnahmen im Dienste der Forschung machen. Der Neurologe und Radiologe Wolfgang Freund von der Uniklinik Ulm plante die Studie und schaute sich die Gehirnbilder von 13 Läufern an. Das Hirn sei während des Laufes geschrumpft, acht Monate später habe es sich aber wieder erholt, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Welche Hypothesen haben Sie vor dem Lauf aufgestellt?

Freund: „Schmerzen spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, solch einen Lauf durchzustehen. Daher dachten wir, dass sich die Gehirne der Läufer von denen anderer Menschen in Bereichen, wo Schmerzen verarbeitet werden, unterscheiden. Dies war aber nicht der Fall. Die zweite These war, dass es während des Laufes einen Sog durch den Kalorienverbrauch auf das Hirn geben muss. Der energiehungrige Körper macht vor dem Gehirn nicht Halt, und entzieht ihm Energiebausteine. Diese These hat sich bestätigt: Das Hirnvolumen ging bei den Läufern während des Laufes um sechs Prozent zurück. Die gute Nachricht ist aber: Acht Monate später war alles wieder beim Alten.“

Gab es Hirnregionen, die besonders betroffen waren?

Freund: „Ja, die Hirnmasse nahm insgesamt ab, aber auch verstärkt in einzelnen Regionen, und zwar im Schläfenlappen und im Hinterhaupthirn. Dies sind Gebiete, in denen komplexere akustische, sprachliche und optische Verarbeitung stattfindet. Dazu gehört beispielsweise, ob ein Gesicht erkannt wird, oder dass ein Mensch ausführlichen Gesprächen folgen kann. Wir haben auch nach Arealen gesucht, die sich dem Schrumpfungstrend widersetzt haben, sozusagen kleine gallische Dörfer. Dabei sind wir aber nicht fündig geworden.“

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Gesundheit- Trotz Rückenbeschwerden: Keine Angst vor „La Ola“

Angemessenes Mitfreuen beim Fußball halten Ärzte für gesundheitsfördernd. Langes und anstrengendes Stehen beim Public-Viewing oder im Stadion sollte regelmäßig unterbrochen werden, rät Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga. Bleibt man hingegen lange unverändert in einer Position, löse das häufig Verspannung und Krämpfe an der Wirbelsäule aus.

Das Auf und Ab der Arme bei einer „La Ola“-Welle helfe beispielsweise, den Schulterbereich zu lockern. Jubelsprünge entlasteten die Bandscheiben und belebten den Kreislauf, erklärt Schneiderhan.

Zusätzlich helfen regelmäßige Übungen, beim Anfeuern – ob sitzend vor dem Fernseher oder im Stehen beim Public Viewing – Schmerzen zu vermeiden. Um die Halswirbelsäule zu aktivieren, sollte man sich mit geradem Rücken auf den Stuhl- oder den Sofarand setzen und mit dem Zeigefinger das Kinn nach hinten schieben.

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Lebensmittelkontrolle: Wie gesund sind Trockenpflaumen?

Eine mächtige EU-Behörde funkt der Lebensmittelindustrie ins Geschäft – und verärgert zugleich Verbraucherschützer.

Yakult-Produkte von Danone in einem Supermarkt in Tokio

Wer den Slogans auf Lebensmitteln traut, kann sich manchen Gang in die Apotheke ersparen. Bei Erkältung soll man laut Werbung probiotischen Joghurt löffeln. Vor Prüfungen hilft eine Pille mit Omega-3-Fettsäuren, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Und bei erhöhtem Blutzuckerspiegel ist das Mineralwasser einer portugiesischen Marke zu empfehlen. Selbst Schokoriegel für Kinder sind laut Werbebotschaft gesund – schließlich enthalten sie wertvolle Milch. Mit sogenanntem Functional Food wandeln sich Supermärkte allmählich zu Apotheken. Weil die Nachfrage nach normalen Lebensmitteln schwächelt, sollen zusätzliche Inhaltsstoffe, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit versprechen, den Absatz steigern.

Gesundheit ist ein Megatrend: Fast jeder zweite Deutsche greift gemäß einer Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts ipsos mehrmals im Monat zu Functional Food. Der Branche spült das jährlich allein in Deutschland mehr als fünf Milliarden Euro in die Kassen. Der Markt ist zwischen 2003 und 2011 um 16 Prozent gewachsen, weltweit liefen die Geschäfte noch besser.

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Doch seit geraumer Zeit funkt ein Amt dazwischen: die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die mächtigen Kontrolleure wurden damit beauftragt, zu überprüfen, welche gesundheitsbezogenen Werbeversprechen tatsächlich Substanz haben und auf der Verpackung eines Lebensmittels angepriesen werden dürfen. Grundlage für diese Kontrolle ist die sogenannte Health-Claims-Verordnung der EU. Die EFSA wurde 2002 in Brüssel gegründet und vom damaligen EU-Ratspräsidenten Silvio Berlusconi in die norditalienische Kleinstadt Parma geholt. Anfangs beschäftigte die Behörde 30 Leute, heute sind es 450. Hinzu kommen die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen (Panels) mit mehr als 1.500 Experten. Denn die Überprüfung der Gesundheitsversprechen im Zusammenhang mit Lebensmitteln, der sogenannten Health-Claims, ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Zugleich bewertet die EFSA die Risiken von gentechnisch veränderten Lebensmitteln sowie von Zusatzstoffen oder Pestiziden.

Im Health-Claims-Panel sitzt auch die deutsche Wissenschaftlerin Hildegard Przyrembel. Mit 20 anderen Medizinern und Ernährungswissenschaftlern aus elf Ländern trifft sie sich einmal im Monat in Parma und entscheidet über das Wohl und Wehe der eingereichten Gesundheitsslogans.

Die Bilanz ihrer Arbeit ist für die Lebensmittelhersteller verheerend. Mehr als 3.000 Anträge der Industrie hat die EFSA mittlerweile geprüft. Auf die Positiv-Liste, die allerdings noch das EU-Parlament passieren muss, schafften es bislang nur 222 Claims. Insgesamt wurden also rund 80 Prozent der Gesundheitsaussagen abgelehnt. Darunter auch jene Versprechen, die sich auf Probiotika, Omega-3-Pillen, Mineralwasser und Schokoriegel beziehen.

Die Verordnung, die selbst die Industrieverbände anfangs begrüßten, weil sie gleiche Bedingungen für alle 27 Mitgliedsstaaten schafft, ist inzwischen ein leidiges Thema in der Branche. »Erstaunlich, wie wenige Anträge durchgekommen sind,« findet sogar Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Vor allem die Probiotika-Industrie läuft Sturm, denn bislang wurde kein einziger Claim auf Joghurts oder Drinks erlaubt, die vermeintlich gesundheitsförderliche Milchsäurebakterien enthalten. In dieser Sache sind selbst die beiden großen Produzenten Danone und Yakult nicht gut weggekommen. Dabei beschäftigt allein Danone rund 500 Wissenschaftler in den eigenen Laboratorien. Für die Verkaufsschlager Actimel und Activia kann der französische Konzern 44 klinische Studien vorweisen – vor allem mit kranken Menschen. Genützt haben sie alle nichts. Da Functional Food für die gesunde Bevölkerung gedacht sei, würden Patienten-Studien meist nicht akzeptiert, erläutert Lucia de Luca von der europäischen Behörde. Für Danone eine Blamage.

Die mögliche Überdosierung von Vitaminen ist problematisch

Eine Welle der Empörung hat auch die EFSA-Entscheidung zu Trockenpflaumen ausgelöst. Die gelten gemeinhin als förderlich für die Verdauung und werden selbst von Ärzten empfohlen. Die Vermutung hielt der Prüfung allerdings nicht stand. Entsprechende Werbeaussagen wurden abgelehnt. Niemand habe sich zuvor die Mühe gemacht, die Wirkung in einwandfreien Studien zu untersuchen, sagt Hildegard Przyrembel. Die EU-Parlamentarierin Antonyia Parvanova formuliert es so: »Wir wollen keine Großmutter-Wissenschaft«.

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  1. …mal sehen wie lange die Behörde den Sturm aus der Industrie standhält. Als ob sich irgendwas ändern würde ohne ein Verbot, denn wenn einer anfängt Lügen und unbelegte Behauptungen aufzudrucken, dann tun es bald alle. Am Ende sind die Marktanteile wie immer, nur die Leute werden ständig in die Irre geführt.

    Auf jeden Fall eine Behörde, die man nach dem Fall des Euros beibehalten sollte. Wobei mir die Forderung von Foodwatch auch einleuchtet.

  2. Genauso wie trinken und atmen.
    Selbst eine ungesunde Ernährung führt zu einer höheren Lebenserwartung als gar keine. Von daher ist jedes Lebensmittel gesundheitsfördernd.

    Zum Thema Zuckeraustauschstoffe:
    Die mögen ja das Kariesrisiko senken, aber bei falscher Anwendung erhöhen sie das Diabetesrisiko.
    Jeder seriöse Ernährungsberater empfiehlt daher z.B. zuckerfreie Getränke nur zu Mahlzeiten einzunehmen.
    Warum?
    Zuckeraustauschstoffe sind auch süß und sobald die Geschmacksknospen auf der Zunge “süß” registrieren wird Insulin ausgeschüttet in der Zuckererwartung. Nur kommt kein Zucker.
    Das kann dazu führen, dass irgendwann kein Insulin mehr ausgeschüttet wird, trotz eines “Süß”-Signals, denn der Organismus lernt. In dem Fall, dass “süß” nicht Zucker bedeutet.
    Richtiges Zähneputzen wirkt allemal besser gegen Karies, auch wenn man auf Zuckeraustauschstoffe verzichtet.

    MfG
    AoM

  3. 500 Wissenschaftler…dann müssen sie ja recht haben. Oder was haben die alle studiert und was sind ihre Aufgaben?

    Wie es auch ist, die Aktion erscheint mal wieder unglaublich hirnrissig und Foodwatch wäre eigentlich zuzustimmen. Aber in Anbetracht der Arbeitslosenquote kann man ja ein Auge zudrücken. Lieber ein paar Forschern in der EU Arbeit verschaffen als es den Privatbanken in den Hintern zu blasen.

  4. … persönlich kann ich da nur müde gähnen.

    Ich setze auf frische Kost, selbst ist der Mensch. Aber wer meint probiotischen joghurt (lol) in sich reinschütten zu müssen, nur zu, nur zu. Die Rechnung kommt per Post.

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Gesundheit: Reiche Krankenkassen sollen Überschüsse zurückgeben


Berlin (dpa) – Viele Krankenkassen schwimmen im Geld. Nur wenige schütten Prämien aus. Das könnte sich jetzt ändern. Die Aufsicht droht Kassen, die zu viel auf die hohe Kante legen, mit rechtlichen Schritten.

Angesichts ihrer Reserven von zehn Milliarden Euro steigern Behörden und Bundesregierung den Druck zur Ausschüttung von Prämien an Millionen Mitglieder. Das Bundesversicherungsamt (BVA), die Aufsicht der bundesweit tätigen Kassen, forderte mehrere gesetzliche Versicherungen schriftlich zur Prüfung entsprechender Schritte auf. Im Fall zu hoher Reserven drohte die Behörden mit einem Aufsichtsverfahren.

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Es sei in jedem Fall zu prüfen, ob eine Prämie auszuzahlen sei, schrieb BVA-Präsident Maximilian Gaßner in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ/Donnerstag) hatte zuerst darüber berichtet. Adressaten waren laut FAZ die Techniker Krankenkasse (TK), die Hanseatische Krankenkasse (HEK) und die IKK Gesund plus.

Gaßner drohte Kassen mit zu hohen Finanzreserven Konsequenzen an. Schütteten die Kassen keine Prämien aus, müssten sie gute Gründe darlegen, sagte er der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag). «Andernfalls werden wir ein aufsichtsrechtliches Verfahren einleiten.»

Gaßner räumte den Kassen eine Erklärungsfrist bis 8. Juni ein. Die im Sozialgesetz festgelegte Höhe der Rücklagen von 1,5 Monatsausgaben werde bei den angeschriebenen Kassen deutlich übertroffen. In den Briefen werde kein konkreter Betrag genannt. Laut FAZ wird jedoch eine Ausschüttung von mindestens 5 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr je Mitglied erwartet.

Das Bundesgesundheitsministerium forderte die Länder auf, entsprechende Schritte auch für gut dastehende AOKen zu prüfen. «Für Kassen unter Landesaufsicht gilt das genauso», sagte ein Sprecher am Donnerstag in Berlin. Vor allem die AOK Rheinland/Hamburg, die AOK Nordwest und AOKplus gelten als besonders solvent.

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn begrüßte den BVA-Vorstoß. «Krankenkassen sind keine Sparkassen», sagte er der FAZ. Die Kassen wehrte sich gegen die Forderungen. «Angesichts der steigenden Ausgaben für Krankenhäuser, Medikamente und Arzthonorare bei der gleichzeitigen Ankündigung der Regierung, den Bundeszuschuss zu kürzen, haben wir für die Prämien-Zurückhaltung der Krankenkassen großes Verständnis», sagte ihr Verbandssprecher Florian Lanz.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fordert vor dem Hintergrund wachsender Reserven schon seit längerem, dass mehr Krankenkassen ihre Überschüsse als Prämien an die Versicherten weitergeben. «Es könnten bestimmt über 30 Krankenkassen machen», sagte der FDP-Politiker Anfang April.

Beflügelt von der guten Konjunktur sprudeln auch die Beitragseinnahmen der Sozialkassen weiterhin reichlich. Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung werden im laufenden Jahr voraussichtlich 15 Milliarden Euro Überschuss erzielen, wie Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) für das «Handelsblatt» (Donnerstag) ergab. Das wäre eine Milliarde mehr als im Vorjahr.

Situation bei den Rückzahlungen/Prämien

Situation bei den Zusatzbeiträgen

Finanzentwicklung GKV 2011

Statistiken zur GKV

Gesundheitsreform 2011

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Wissenschaft – Gesundheit: Krebs durch Infektionen in vielen Fällen vermeidbar

Lyon/Boston (dpa) – Jede sechste Krebserkrankung wird von Infektionen verursacht, die größtenteils vermeidbar oder behandelbar wären. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Fachjournal «Lancet Oncology» veröffentlicht ist.

Im Jahr 2008 starben demnach 7,5 Millionen Menschen weltweit an Krebs. 1,5 Millionen der Todesfälle gingen auf Tumoren zurück, die von Magenbakterien, Humanen Papilloma- oder Hepatitis-Viren und anderen Erregern verursacht werden. «Infektionen mit bestimmten Viren, Bakterien und Parasiten sind eine der größten und vermeidbaren Ursachen von Krebs weltweit», schreiben die Autoren.

Zwei Millionen Krebserkrankungen werden jährlich neu durch Keime verursacht, etwa 80 Prozent davon treten in ärmeren Ländern auf, heißt es in der Studie. Sie wurde von der International Agency for Research on Cancer in Lyon erstellt, die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört. Catherine de Martel und Martyn Plummer analysierten dafür zahlreiche Daten, beispielsweise Statistiken über 27 Krebsarten aus 184 Ländern.

Die beiden Wissenschaftler schätzen, dass etwa 16 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit von Infektionen verursacht werden (2008). Dabei ist der Anteil in den ärmeren Ländern mit 22,9 Prozent dreimal höher als in Industrieländern (7,4 Prozent). Die Spanne liegt zwischen 3,3 Prozent in Australien und Neuseeland und 32,7 Prozent in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Mit vorbeugenden Maßnahmen wie Impfungen, sichereren Injektionstechniken und Mitteln gegen Bakterien könnten bedeutende Effekte im Kampf gegen den Krebs erzielt werden, heißt es in der Studie. Vor allem Infektionen durch Humane Papillomaviren (HPV), Bakterien wie Helicobacter pylori oder Hepatitis B- und C-Viren (HBV und HCV) seien vermeidbar oder behandelbar. Diese vier Infektionen zusammen seien hauptverantwortlich für 1,9 Millionen Krebsfälle jährlich – wie Magen-, Leber- oder Gebärmutterhalskrebs.

«Da effektive und vergleichsweise günstige Impfstoffe gegen HPV und HBV verfügbar sind, sollte eine breitere Anwendung eine Priorität für Gesundheitssysteme in besonders belasteten Ländern sein», folgert Goodarz Danaei von der Harvard-Universität (Boston, USA) in einem Begleitkommentar. Die absolute Zahl der Krebsfälle durch Infektionen sei seit 1990 um etwa eine halbe Million gestiegen, der Anteil an der Gesamtzahl der Krebsfälle mit 16 bis 18 Prozent aber gleich geblieben.

International Agency for Research on Cancer, Teil der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

erschienen am 09.05.2012 um 00:30 Uhr

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Gesundheit: Promis wollen dicke Briten das Kochen lehren

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Gesundheit: Anstieg bei Rücken-OPs besorgt Kassen und Ärzte


Berlin (dpa) – Mit Äußerungen über Hüft- und Knie-OPs hat Gesundheitsminister Bahr Proteste von SPD bis Senioren-Union ausgelöst. Doch Experten sorgen sich vielmehr wegen der immer häufigeren Rücken-Operationen.

Die zuletzt ins Gerede geratene Implantation von künstlichen Hüft- und Kniegelenke verzeichnete zuletzt gar keinen Zuwachs mehr. Bei den Wirbelsäulenoperationen aber gebe es einen Anstieg, der sich allein mit der demografischen Entwicklung und dem technologischen Fortschritt nicht erklären lasse. Das teilte die Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie am Freitag in Berlin mit. Die Eingriffe für künstliche Hüft- und Knie-Gelenke seien nach einem Anstieg zwischen 2003 und 2005 kaum noch häufiger vorgekommen. Zuletzt sei deren Zahl sogar gesunken.

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Auch die AOK verwies darauf, dass die Wirbelkörperversteifungen mit Metallkäfigen von 2007 bis 2009 um knapp 60 Prozent und die Zahl der Bandscheiben-Prothesen um fast 20 Prozent zugenommen hätten. «Was früher die Hüft- und Kniegelenksoperationen waren, das sind heute die Rückenoperationen», sagte der geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, Uwe Deh. Der Schutz vor überflüssigen Operationen müsse besser werden.

CDU-Fraktionschef Volker Kauder stellte klar, dass es keine Einschränkung notwendiger Maßnahmen geben soll. «Es kann sich jeder darauf verlassen, dass er auch in Zukunft die notwendigen Leistungen im Krankenhaus bekommt – unabhängig vom Alter und Einkommen. Dazu gehören natürlich auch Hüft- und Knieoperationen», sagte Kauder der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag).

Die Fraktionen von Union und FDP hatten sich mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf dauerhafte Abschläge für sogenannte Mehrleistungen der Kliniken geeinigt. Bahr hatte auf Expertenmeinungen verwiesen, nach denen nicht alle Gelenk-OPs uneingeschränkt sinnvoll seien. Darauf warfen ihm Kritiker vor, Rentnern künstliche Gelenke vorenthalten zu wollen.

Grünen-Chefin Claudia Roth sieht durchaus Handlungsbedarf, wie sie den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» (Freitag) sagte. «Wo in Deutschland unnötige Operationen stattfinden, muss dies zum Schutz der Patientinnen und Patienten sicher auf den Prüfstand.»

Eckpunkte der Koalition

Krankenhausreport 2010 zu Knie und Hüfte

Grafik Entwicklung Behandlungsfälle

Krankenhausstatistik

Finanzentwicklung GKV 2011

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Wissenschaft – Gesundheit: Mehr als eine Million Frühchen sterben jedes Jahr

Überraschend: Entwickelte Länder wie Deutschland oder die USA schneiden im internationalen Vergleich nicht automatisch gut ab. Foto: Bernd Wüstneck (©dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH)

London (dpa) – Jedes Jahr kommen 15 Millionen Kinder als Frühchen auf die Welt, 1,1 Millionen von ihnen sterben. Das geht aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.

Mehr als 100 Wissenschaftler unter anderem von Universitäten aus aller Welt haben in dem gemeinsamen Bericht erstmals die dramatische Situation der Frühgeburten auf der Erde dargestellt. «Damit sind Frühgeburten die zweithäufigste Todesursache für Säuglinge nach Lungenentzündungen», sagte Joy Lawn, eine der Autorinnen, der Nachrichtenagentur dpa.

Im Schnitt wird weltweit etwa jedes zehnte Kind vor der 38. Schwangerschaftswoche – und damit zu früh – geboren. Deutschland steht dem Bericht zufolge mit 9,2 Frühchen pro 100 Geburten schlechter als viele Nachbarstaaten da. In Industrieländern gelten vor allem ältere Mütter und Wohlstandserscheinungen wie Bluthochdruck und Rauchen als Ursachen für Frühgeburten.

Auch Mehrlinge erhöhen das Risiko auf eine Frühgeburt. «Durch künstliche Befruchtung haben die Mehrlinge deutlich zugenommen», sagte Professor Ulrich Gembruch von der Uniklinik Bonn, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe für den Bereich Pränatalmedizin, der dpa. Da häufig ältere Frauen auf diese Weise schwanger würden, kämen zwei Risikofaktoren zusammen. «Dadurch haben wir mehr “kranke” Schwangere», sagte Gembruch.

Weltweit die ungünstigste Quote hat das südostafrikanische Land Malawi mit 18,2 Prozent, die günstigste demnach Weißrussland mit 4,1 Prozent. «Einen Prozentpunkt kann man vielleicht runter», sagte Gembruch zu den Perspektiven in Deutschland. Allerdings ist die Sterblichkeit dank guter medizinischer Technik in den entwickelten Ländern deutlich geringer.

Die südafrikanische Epidemiologin Lawn, die für die Hilfsorganisation Save the Children arbeitet, forderte entschiedene Maßnahmen vor allem in den ärmeren Ländern. Hier könnten durch einfache und kostengünstige Maßnahmen erhebliche Fortschritte erzielt werden. Der Report habe gezeigt: «Es ist machbar.»

So könnten viele Todesfälle vermieden werden, wenn man zum Beispiel Müttern zeige, wie man Frühchen warmhalte. Auch Spritzen für Frauen zum Vermeiden von Infektionen könnten laut Lawn Babys retten.

In Industrieländern sei es schwieriger, die Quoten groß zu senken. Einfache Mittel reichten dazu nicht, vielmehr müssten Frauen mitunter ihr Leben umstellen. Ähnlich äußert sich Gembruch: «Frauen in Deutschland planen ihr Kind eher nach dem Studium, sind dann schon 30, 35 Jahre alt. Da haben sie schon eher mehr Krankheiten.»

Website Save the Children

Infos zu Joy Lawn via WHO

Zusammenfassung Bericht

erschienen am 02.05.2012 um 18:02 Uhr